Ausgabe 
(11.12.1897) 70
 
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Canisins vor dem Kaiser Ferdinand. VII. Canisins inder Verklärung. Wenn in dem Gedichte an einer Stelledie Stadt Straubing mehr hervorgehoben wird, so hatdies seinen Grnnd darin, daß die ganze dichterische undmusikalische Schöpfung in erster Linie zu einer besondernCentenarfeier des Seligen in dieser Stadt bestimmt war,in welcher er auch längere Zeit mit außerordentlichemSegen gewirkt hatte. Auch Dichterin (Ll. Bernarda Wörner,Nonne des Ursuliueriuucnklosters) und Componist (Lehrerund Stadtvsarr-Organist A. Hämel) gehören Straubing an. Die Dichtung bewegt sich in edler, schwungvollerSprache, ist von tiefer Empfindung getragen und reichan herrlichen Ideen. Ebenbürtig steht ihr die Musik (20Nummern) zur Seite. Der Componist verstand es, diein die Deklamation eingeschalteten Lieder und Gesangs-texte init entsprechendeil und die Stimmung gut inter-pretirenden Melodien und Harmonien zu umkleiden. Soist prächtig und höchst wirksam Z. B. das Obcrquartett,,Kindesunschuld, Kindesglaube", das Tenorsolo ,,Und wennrch zu ihm ging", und mächtig ergreift der gewaltige Schluß-chor /I'u 68 kktnw" mit Alleluja. Die erste Aufführungerfuhr dieses Oratorium am 16. November zu Mettendurch den Stndienchor, bloß mit Klavierbegleitung undStreichguintett, und mit vorzüglich arrangirten lebendenBildern. Die Ausführung gelang sehr gut und die überauszahlreichen Zuhörer waren des Lobes voll. Den größtenErfolg errang das Werk in Straubing selber, wo dieCentenarfeier am 22. November unter außerordentlicherTheilnahme von nah und fern begangen wurde. Personenaus allen Ständen und Berufsklassen hatten sich zusammen-um eine würdige Vorführung des Werkes zu er-eil. 140 Sänger und Sängerinnen, darunter eineElite von Solisten und Solistinnen, nebst einem 60 Mannstarken Orchester betheiligten sich daran und halfen unterder Direktion des Componisten zur vorzüglichen Aus-führung. Wie bekannt wurde, wird das Werk auch baldin Würzburg und in Nymwegen, dein Geburtsorte dessel. Canisins, zur Aufführung gebracht werden.

8. U. Kornmüller.

gethan,

möglich

DerenglischeFamilienbrief.Der französischeFamilienbrief, beide von W. Ulrich. Deritalienische Familienbries, von ProfessorRomeoLovera. Stuttgart , 1697. JosephRoth'fcheVerlagshandlung. Preis elegant in Ganzleinengebunden L 1 M. 50 Pfg.

8. Wer die oft geradezu lächerlich unpraktischeMethodik des neusprachlichen Unterrichts an unserenhumanistischen Lehranstalten kennt, wird uns verstehen,wenn wir offen bekennen, daß wir zwar fast ein halbesDutzend von Jahren auf der Schulbank Französisch ge-trieben hatten, und dies sogar mit Interesse, daß wiraber trotzdem unfähig waren, einen ordentlich stilisirtenBrief nach Frankreich zu schicken. Und war es auch nureüle kurze Bitte per Postkarte, es war uns nie gelehrtworden. Gewiß haben sich auch andere schon in derartigenVerlegenheiten befunden, und da die betreffenden Gram-matiken über den Briefstil entweder nichts oder, iviedie der Methode Gaspcu-Otto-Sauer, nur Ungenügendesenthalten, dürfte mancher Leser für einen Hinweis aufdie citirten, ebenso geschmackvoll ausgestatteten, wiepraktisch angelegten Bändchen dankbar sein. Sie gebeneine (restliche Anleitung, Billete und Briefe in den ge-nannten Sprachen schreiben zu lernen. Die 70 bis 80ganz dem Leben abgelauschten Briefe jedes Bündchenssind sprachlich durchaus corrsct und edel: für Anfängersind schwierigere 'Ausdrücke am Schluß der Briefe kürzerklärt: der Inhalt ist ganz aus dem Gesichtskreis einesEingeborenen des betreffenden Landes genommen. LetztereEigenschaft bemerken wir besonders an dem soeben aus-gegebenen Büchlein Lovera'sDer italienische Familien-bries". Durch dessen Schilderungen über italienischeEigenthümlichkeiten und Reiseorte (Weinlese, Vogelfang,Venedig u. ähnl.) lernt der noch Ungeübte neben demBriefschreiben auch noch ein Stück fremder Anschauungs-weise kennen. Uebcrhaupt verräth die Auswahl päda-gogische Fachmänner und Lehrer. Die Briefe berührenso zahlreiche Anlässe des Familien- und gesellschaftlichenLebens (nur erotische und Handelsbricfe sind ausgeschlossen),sind so fein und elegant stilisirt, daß die Büchlein nurbestens empfohlen werden können. Nicht zum mindestenbilden sie ein recht praktisches Weihnachtsgeschenk

für Schüler und Schülerinnen, und auch Lehrer werdendiese Büchlein nicht ohne Stutzen für ihren Unterrichtverwenden.

Dr. Karl Storck , Deutsche Literatur-geschichte.Für das deutsche Hans. Stuttgart , Vertag vonJos. Roth. 1898. XVI -ft 504 S. Preis 3,20 Meleg- geb. 4,20 M.

8. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur zuschreiben und dabei nicht trocken und langweilig werden,ist gewiß eine Kunst. Storck , der junge vielversprechendeelsässische Gelehrte versteht sie und liefert den Beweis inobigerLiteraturgeschichte für das deutsche Haus". Sieist ausgezeichnet durch lebendige Darstellung, durch flüssigeSprache, und dabei durch gewissenhafte Forschung, undeignet sich so sehr wohl für die deutsche Familie. Üin somehr, als der Verfasser auf christlichein, katholischemBoden steht, ohne daß er deßhalb Andersgläubige schiefbeurtheilt (man vergl. nur, was er über diewichtigsteGeistesthat Luthers", die Bibelübersetzung, sagt S. 136 ff.).Einen besonderen Werth scheint uns Storcks Werk zuhaben durch die Darlegungen der geistig treibenden Kräfte,die auf ganze Zeitalter und einzelne Gruppen bestimmendeinwirkten. Storck faßt seine Aufgabe tief, er begnügtsich keineswegs mit Aufzählung von Namen und Daten,sondern zeichnet feine Gestalten auf ihrem kulturhistorischenHintergründe. Das thut er besonders in den trefflichenUebersichten und Einleitungen, von den ältesten Zeitenbis zu denModernsten" dieses Jahrzehnts. Vielleichtdürfte da der Verfasser manchmal sogar etwas zu vielgethan haben, so z. B. sind die SS. 147 ff. (Zerrüttungdurch den 30jährigen Krieg) doch eigentlich ein kleb ergriffin die Culturgeschichte. Sonst hätten wir noch auszu-setzen, daß dieHeroen" Goethe u. s. w. zu günstig taxirtsind; einen Menschen wie Goethe, der in Leben undDichtung jenseits von Gut und Bös war, braucht mannicht eben so zimpfcrlich anzufassen, und Schiller niagdererste dichterische Führer seines Volles" sein, wahrist aber anch, was Böhmer einmal aussprach, daß erunserer Literatur viel geschadet hat. Die Mystiker amEnde des Mittelalters sind etwas kurz vorgenommen;die Abhandlung über altfranzösische Literatur S. 55 ff.ist unseres Erachtens zu ausführlich. Die alt- uud mittel-hochdeutschen Versformen wären durch Beispiele passendillustrirt worden. Wielauds Heimath Oberholzheim liegtnicht bei Biberach , wenn es auch noch vielmal so gedrucktwird, sondern eher bei Ulm . Doch das sir^ schließlichweniger gewichtige Ausstellungen. Jni übrigen ist dasBuch bestens zu empfehlen. Nicht zum mindesten wirdes ein wegkundiger Führer sein in der Literatur derletzten Jahrzehnte. Es bildet ein recht praktischesund hübsches Weihnachtsgeschenk. Ausstattung undDruck sind ausgezeichnet, der Preis wäre bei einer an-deren großen Verlagshandlung Snddculschlands mindestensum 1 M. höher.

IH Mit dem vorliegenden Hefte beendet die Miss! ons-ZeitschristKreuz und Schwert" ihren 5. Jahrgang.Dieser letzte Jahrgang zeichnet sich besonders durch Ver-mehrung der Illustrationen aus. Wer ein Jahr langdie vielen interessanten Original-Berichte aus unseremKolonialgebiete gelesen hat, muß Interesse gewinnen ander so fruchtbaren Culturarbeit unserer katholischen Mis-sionäre. Alle Missionen, die uns interessiren, bedienensich dieser Zeitschrift, weßhalb sie sich mit Recht als dasCentralblatt für die gesammtc Missionsthätigkcit aufdem deutschen Gebiete betrachten kaun. An milden Gabenfür Missionszwecke hat der Herausgeber wieder rund20,000 Mk. gesammelt und damit abermals die großekulturelle Bedeutung der Zeitschrift bewiesen. Möge derneue Jahrgang dem Herausgeber neue Freunde bringen!(Man abonnirt für 1,60 Mk. bei jeder Post und Buch-handlung. Herausgeber: W. Helmes, Münster i. W.)

Die Encyklika über die Arbeiterfrage. Festspielfür kathol. Arbeitervereine von I. E. G. H. Augs-burg , Kranzfelder'sche Buchhandlung. 52 S. 50 Ps.b. Der Gedanke, diese hochbcdeutsame Encyklika aufdie Bretter zu bringen, ist originell und neu. Die Ver-fasser fühlen warm für die Vereinssache und das christ-liche Arbeiterprogramm Leo's. Die edlen Gedanken sind