Ausgabe 
(11.12.1897) 70
 
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Unbestimmter- Ausdruck. Aber weiter, glauben Siean den Himmel?"

Ich glaube an einen Aufenthalt der Gerechten ."

Vages Wort! Aber weiter, glauben Sie an dasGebet und seine Wirksamkeit?"

Ich glaube daran: wir sollen den Schöpfer preisen,wie es die Vögel bei Sonnenaufgang thun!"

Schöne Muster der Andacht! Aber die Wirk-samkeit?"

Ich glaube nicht an einen unmittelbaren Erfolg; esist eme Anmaßung, zu glauben, daß die Gottheit sich so-viel mit uns beschäftige und an unseren individuellenInteressen Antheil nehme."

Weßhalb beten Sie denn?"

Ich bete, ohne kindische Anforderungen zu machen;mein Cult ist ein Dank- und Lobhymuus . .

Gewiß," sagte die Assistentin,Ihr Katechismus istvon neuer Erfindung, und ich lasse mir die Ohren ab-schneiden, wenn Sie ihn dem Volke verständlich mache»können, und die Nase, wenn Sie ihn selbst verstehen."

Wann die Dichterin in künstlerischer Vollendung dierevolutionäre, antikatholische Verpestung ihres heißgeliebtenVolkes schildert, so unterläßt sie es niemals, auch diesemdüstern Bilde einen heitern Hintergrund zu verleihen.Ich erinnere hier unr an das Gespräch der vorhin er-wähnten Assistentin in derElla" mit ihrem NeffenCarlos über die lange Nase König Ferdinands VII.und die vcrheirathcteu Bischöfe Englands . Ein nicht zuunterschätzender Vorzug der ltterarischen Erzeugnisse FernanCaballero's ist ferner der keusche, züchtige Geist, der durchdieselben weht. Ebenso ist allen ihren Werken, selbstdenen des späteren Alters, eine gewisse natürliche Frischeund anregende Lebendigkeit eigen. Es liest sich allesso leicht und fesselnd, so daß, hat man einmal eine ihrerErzählungen zu lesen angefangen, man nicht eher mitder Lektüre derselben aufhören will, als bis man zu Endegekommen. Für volksthümliche Redewendungen, spanischeSprichwörter, andalusische Sagen und Legenden sind Ca-ballcro's Schriften eine unerschöpfliche Fundgrube; denndie auftretenden Personen sind sämmtliche aus dem wirk-lichen Leben genommen, darum paßt aber auch vollständigauf ihre Dorfgeschichten das spanische Volkslied:

tomilla z? romvroLls buslss, vina,"

...,Oomo vsvAo äsl oampoXo es waravllla."'-*)

(Schluß folgt.)

Historisches Jahrbuch. XVIII. Band.

x.y. Nach den Ideen der Gründer der Görres-gesellschaft sollte dieselbe zunächst bestimmt sein, dieWissenschaft im katholischen Deutschland zu pflegen. ZnrDurchführung dieses großen Planes wurde u. a. auch eineigenes Organ für die geschichtlichen Studien geschaffen,indem gerade auf historischem Gebiete seit den Magde-burger Centurien die Angriffe gegen die von Christus ge-gründete Kirche fast znr Tagesordnung zu gehören scheinen.Daher kann es nur freudig begrüßt werden, wenn dasHistorische Jahrbuch", welches im Auftrage der Görres-gescllschast und unter Mitwirkung von Hermann Graucrt,Ludwig Pastor, Gustav Schnürer, Carl Weyman vonJoseph Weiß herausgegeben wird, seinen XVIII. Jahr-gang glücklich abgeschlossen hat. Unter den größerenAufsätzen sei vor allein erwähnt:Der geistige Entwick-lungsgang Joh. Ad. Möhlcrs" aus der Feder des Uni-versitälsproseffors Ritter v. Schmid in München, worinklar gezeigt wird, wie sich der reich veranlagte, gemüths-tiese Verfasser der Symbolik mehr und mehr empor ar-beitete und losriß von den Anschauungen einer sogen.

*)Rosmarin und ThymianstrauchTrägst Du. Kind, im Kleide."Wunderst Dich? Ich komm' ja auchV'rade von der Heide.""

aufgeklärten Theologie, welche im Cultus das Lehrhafteallzusehr betonte, die historische Entwicklung dagegen außerBetracht ließ.

Als Jubiläumsgabe mag betrachtet werden die ArbeitDnhrs über die Wirksamkeit des ersten Jesuiten aufdeutschem Boden, nämlich des Petrus Faber, welcherdurch die geistlichen Uebungen den Petrus Canistus fürden neu gegründeten Orden der Gesellschaft Jesu gewann(8. Mai 1543) und so den Boden bereitete für die um-gestaltende Thätigkeit des zweiten Vonifatins.

GrauertsNeue Dante-Forschungen" sind leider nichtabgeschlossen: denn auf den Aufsatz S. 58, mit l versehen,folgte im laufenden Jahrgange kein II oder III. Unddoch sollte es redaktionell vermieden werden, ein Themaüber mehrere Jahresfolgen hinaus zu vertheilen. Daßaber Granert gerade in der Dante-Literatur sehr reichenStoff zur Verfügung hat, beweisen seine gehaltvollen Aus-führungen in den Historisch-politischen Blättern. Einenprincipiellen Kampf führt Schnürer gegen Lamprechtsevolutionistische Geschichtsauffassung, gemäß welcher eseinen Endzweck der menschlich-freien Entwicklung nichtgibt. Im Interesse der katholischen Weltanschauunghätten wir gewünscht, daß Schnürer Seite 111 seinemGegner näher auf den Leib gerückt wäre mit der Gegen-frage: Wenn die katholische Kirche nur eine menschlicheEinrichtung ist, wie Lamprecht in seiner Deutschen Ge-schichte behauptet, wie kommt es denn, daß diese Kirchealle Stürme des Mittelalters, der Glaubensspaltung undder französischen Revolution glücklich überdauert hat,während es nach demselben Forscherzu den verhängniß-vollsten geschichtlichen Irrthümern der Gegenwart gehöre,zu glauben, daß wir heutzutage noch mit der Geistes-cultnr der Reformationszeit durch unmittelbare Zu-sammenhänge verbunden seien"?

Wohl den größten Reiz üben auf den Leser desHistorischen Jahrbuches die Auszüge aus den verschieden-sten Zeitschriften des In- und Auslandes, welche einenUeberblick gewähren über den Stand einer historischenFrage und zu weiteren Nachforschungen anregen. Innicht zu unterschätzender Verbindung damit steht die No-vitätenschau, welche alle neuen Publikationen auf demumfangreichen Gebiete der Kirchen- und Staatsgeschichte,der Cultur- und Kunstgeschichte u. s. w. anzeigt, oft auchden Werth oder Umverth eines Buches kurz charakterisirt.

So bietet das Historische Jahrbuch in 1006 SeitendeS XVIII. Jahrganges ein sehr reichhaltiges Material,und ist es im Interesse der katholischen Wissenschaft nurzu wünschen, daß die Zahl der Abonnenten sich steigere.Im Jahre 1895 betrug dieselbe 362, im Jahre 1896 trateine kleine Minderung auf 359 ein.

Unangenehm berührt hat uns im letzten Baude derName eines altkatbolischen Professors aus Bonn alsMitarbeiter. Das Historische Jahrbuch soll doch nachseiner Grundidee ein Sammelplatz für kathol. Historikersein; die Mitglieder der Görres-Gesellschaft haben vorallem den Nachwuchs jüngerer kathol. Kräfte im Auge,wenn sie durch ihre Jahresbeiträge die Wissenschaft rmkathol. Deutschland pflegen und tördern wollen. Ent-schiedenheit muß herrschen, wenn es gilt, dein Vorwürfegeistiger Jnferiorität der Katholiken die Spitze zu bieten!

Neceusrvuen und Notizen.

Petrus Canisiu Z. Oratorium in sieben Bildern. FürSolo und Chor mit Klavierbegleitung. Deklamationund Lieder gedichtet von B. Wörner. Compo-sition von A. Hämel. vp. 12. Regensburg , Fr.Pustet. 1897. Preis: Partitur und Textbuch4 M. 40 Pf. Stimmheste ä 60 Pf.

Die Dichtung dieses schönen Werkes stützt sich aufsieben Hauptmomente aus dem Leben des seligen PetrusCanisius, der so erfolgreich in Deutschland für die Er-haltung des katholischen Glaubens zur Zeit der Reformationgewirkt hatte. Darnach gestalten sich auch die lebendenBilder, welche folgende Szenen bieten: I. Petrus CanisinS nimmt Abschied von seinem Vater. II. ») Canisius knietbetend vor dein Grabe des hl. Petrus: I>) Christus mitden zwei Aposteln erscheint Canisius. III. Canisius lehrendimnitte der Kinder. IV. Canisius beim Neligionsstreit.V. Canisius vor den: Bayernherzog Albrecht, umgebenvon den Bischöfen von Regensbnrg und Augsburg . VI.