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demſelhen Plaꜩe für die Bücherſammlung ein eigenes
Haus in gleicher Größe gebaut wurde, Eine Inſchrift an der Südſeite des Gebäudes beſagt: Bibliothecam hanc S. P. Q. Augustanus bonarum artium studiis et doctorum hominum usui exstruxit MDLXII. 1568 wurde das neue Gebäude beʒogen. Die Bibliothek wurde von gelehrten Männern aus weiter Ferne ſo ſtark benüꜩt, daß der Rath ʒu ihrer Schonung 1617 die An- ordnung treffen mußte, daß nur mit Wiſſen der Bibliothek- Deputirten ein Buch ausgefolgt werden dürfe, denn manches Werk war verloren gegangen.
Einer hohen Anerkennung ihres Werthes erfreute ſich die Bibliothek durch Papſt Pius VI., welcher ſie am 4. Mai 1782 beſuchte und die ſeltenen Werke eingehend beſichtigte. Dieſer Beſuch iſt auf einer Marmortafel ver- ewigt.
Gelegentlich der Einverleibung der ehedem reichs- unmittelbaren Stadt ʒur Krone
Bayerns im Jahre 1806 kam ein Theil des Bücherſchatʒes, darunter wohl die werthvollſten Sachen, nach München, doch ſind immerhin noch ſeltene Werke und Handſchriften im Beſitʒ der Augsburger Bibliothek, um welche ſie manche andere große Bibliothek beneiden könnte, und die heute noch einen Anʒiehungspunkt für die wiſſenſchaftliche Welt bilden. Durch Ʒuſchüſſe aus Stadt⸗ und Kreismitteln wird für die Evident- haltung der Bibliothek geſorgt, wenn auch nur in beſcheidenem Maße.
Das Gebäude nun, in welchem ſich die Kreis⸗ und Stadtbibliothek ſeit mehr als 300 Jahren befand, wurde vor drei Jahren vom Staate angekauft, um es abbrechen ʒu laſſen und an ſeiner Stelle einen Erweiterungsbau für das proteſt. St. Anna⸗Gymnaſium ausʒufüh¬ ren. In Folge deſſen machte ſich
für die Stadtgemeinde die Noth- wendigkeit geltend, für andere Bib- liothekräume Sorge ʒu tragen. Dies ſollte in erſter Linie durch Adap- tirung eines urſprünglich ʒu Kloſterʒwecken dienenden, ſpäter als Kaſerne(Kreuʒkaſerne) verwendeten Gebäudes, des ehe- maligen ſogen. Prälatenbaues der Auguſtiner-Chorherren,
geſchehen, welches Projekt auf ca. 180,000 Mark Koſten
veranſchlagt war. Angeſichts dieſer bedeutenden Summe drängte ſich jedoch die Frage auf, ob es ſich denn wirk- lich lohne, ein altes Gebäude ʒu Bibliothekʒwecken ʒu adaptiren, da die ʒu adaptirenden Räume in Folge ihrer Höhe von ʒirka 3½ Meter, wollte man die mitunter ſehr gefährliche Benutʒung der Bücherleitern vermeiden, viel todten Raum aufwieſen. Es wurde deßhalb vom ſtädti— ſchen Baubureau ein Neubauprojekt ausgearbeitet, das einſchließlich der inneren Einrichtung einen Koſtenaufwand von 230,000 Mark erforderte. Aber auch dieſes Projekt erfuhr eine weitere Umarbeitung, da erſtens der Wunſch ausgeſprochen wurde, das Aeußere monumentaler ʒu ge- ſtalten und auch dem Treppenhauſe eine reichere architek- toniſche Ausſchmückung angedeihen ʒu laſſen, ʒweitens auf
eine eventuelle ſpätere Unterbringung des ſtädtiſchen Archivs, das ſich gegenwärtig in einem gemietheten Gebäude be- findet, Rückſicht ʒu nehmen. Leꜩterer Punkt führte auf eine Vergrößerung des Projektes, und ſo entſtand, nach- dem der Verfaſſer des Projekts, Herr Baurath Stein- häuſſer mit dem Bibliothekar Herrn Dr. Rueß mehrere neuere Bibliotheken in Augenſchein genommen hatte, das ʒur Ausführung gelangte Projekt, wofür die ſtädtiſchen Kollegien 269,000 Mark genehmigten.
Als Bauplatʒ für das neue Bibliothekgebäude wurde ein ſtädtiſches Grundſtück in der Schäʒlerſtraße gewählt, gegenüber dem Stadtpflegerangerſchulhauſe, in der Nähe des Juſtiʒpalaſtes und des prächtigen Stadttheaters. Die Längsaxe des Gebäudes geht von Süden nach Norden, die Hauptfront iſt gegen Oſten gerichtet. Sie ſteht ʒirka 12 Meter von der vorbeiführenden Straße ʒurück. Das Gebäude enthält ein hochgelegenes Kellergeſchoß, ein
Erdgeſchoß und ʒwei Obergeſchoſſe.
Im Kellergeſchoß, deſſen Fußboden ſich ʒirka 1 Meter unter dem äußeren Terrain befindet, ſind eine Hausmeiſter-Wohnung ſowie die Räume für die Heiʒung, außer- dem Magaʒine für ʒeitungs- doubletten ꝛc. untergebracht, wäh- rend das Erdgeſchoß, deſſen Fuß- boden in guter Manneshöhe über dem äußeren Terrain liegt, die ſämmtlichen Verwaltungs⸗Räume und theilweiſe Bücherſammlungen enthält. Die beiden oberen Geſchoſſe ſind durch ʒwiſchenböden in vier Stockwerke getheilt und umfaſſen lediglich Büchermagaʒins⸗Räume. Tritt man durch das in der Mitte der Längsfront befindliche Portal in das Innere des Gebäudes, ſo hat man ʒunächſt die bis in das ʒweite Hauptgeſchoß führende drei- armige Haupttreppe vor ſich. Links
finden ſich die Verwaltungsräume,
und ʒwar links diejenigen für die Bibliothek, während die rechts- ſeitigen für die Archivverwaltung reſervirt ſind. Die Verwaltungs- räume für die Bibliothek umfaſſen ʒunächſt ein unmittel- bar neben dem Eingang gelegenes Dienerʒimmer, ſodann Katalogʒimmer, welches jeder Bi- bliotheklbeſucher betreten muß, ehe er in den Leſeſaal und in das Arbeitsʒimmer des Bibliothekars gelangt, und dn gewiſſermaßen ʒugleich das Kontrolʒimmer iſt. Der
Leſeſaal befindet ſich gegen Oſten. Derſelbe hat eine Länge von 12,0 und eine Breite von 6,2 Meter und enthaͤlt drei ʒweiſeitige Leſetiſche, an denen ſich 24 Sitʒ- plätʒe für Leſende befinden. Die weitere Ausſtattung des Leſeʒimmers beſteht aus ʒwei Schränken für Lexikalien, Atlanten ꝛc., ſowie einem Tiſch für ʒeitungen, ʒeit- ſchriften u. dgl. Das Arbeitsʒimmer des Bibliothekars wie das Leſeʒimmer ʒeichnen ſich ſowohl durch gute Be- leuchtung wie außerordentlich behagliche Einrichtung aus und es muß ein wahres Vergnügen ſein, darin ſchaffen und ſtudiren ʒu können, beſonders in dem gegen den v. Schnur- bein'ſchen Park gelegenen Arbeitsʒimmer des Bibliothekars,
Hiſtorienmaler Andreus Mayr †.