Ausgabe 
(16.1.1894) 5
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Direktor der preußischen Kunstsammlungen GeheimrathRobert Dohme; am 14. Nov. in Frankfurt a. M. derKammersänger Theodor Wachtel; am 4. Dez. der eng-lische Naturforscher Professor Tyndall; am 6. Dez. inFrankfurt a. M. der Maler Karl Theodor Neiffen-stein; am 12. Dez. in Berlin der Orientalist ProfessorDr. von der Gabelentz; am 18. Dez. in Frankfurt a. M. der Schauspieler Paul Zademack ; und am 23.Dez. der englische Ingenieur Sir George Elliot.

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Höchstädt .

(Hiezu das Bild Seite)

Anderthalb Stunden unterhalb Dillingen liegt amlinken Donauufer in ebener Lage die Stadt Höchstädt .

Auf der Erhöhung, die sich aus der Ebene vonHöchstädt erhebt und auf der noch heute das k. Schloßsteht, scheint in alter Zeit ein Castell gestanden zu habenzu Schutz und Schirm der Ansiedler in der nächsten Um-gebung, welche, wie das Castell, zum Reiche gehörte undvon diesem allmälig zum Hauptgut der staufischen Kaisergezogen wurde. Darum fiel Burg und Stadt Höchstädt mit dem Tode Konradins im Jahre 1266 wie fast alleGüter desselben an Herzog Ludwig von Bayern.

Die erhöhte Lage des Castellshohe Stätte", gab der Oertlichkeit den Namen, daherHohstetin",Hohstat",Hohestet",Höstettin",Höchsteten", wie derOrt im Mittelalter hieß, bis in der Neuzeit der NameHöchstädt stetig blieb.

Zum Erstenmale erscheint Höchstädt in der Geschichteim Jahre 1081. Eine blutige Schlacht führt es in dieGeschichte ein. Es war die jammervolle Zeit, da die Miß-regierung des lasterhaften Heinrich IV. das Reich zerrißund der bessere Theil der Nation durch Gegenkönige dasJoch des Tyrannen brechen wollte. Das Heer des Gegen- ,königs Hermann von Luxemburg und des Herzogs Welsvon Bayern stieß am 11. August 1081 bei Hohstetinplötzlich auf das Heer des Kaisers Heinrich IV. und seinerVerbündeten, Herzog Friedrichs von Schwaben und desbayerischen Pfalzgrafen Kuno. Es kam zum Kampfe, inwelchem Heinrichs Heer vollständig geschlagen wurde undPfalzgraf Kuno umkam.

Zur Zeit, als Höchstädt zum Reiche gehörte, erhieltauch Kloster Neichenau durch Schenkungen der Kaiser hiermehrere Güter, die im 13. Jahrhundert durch Kauf an'sKloster Kaisersheim kamen. Auch die Grafen von Dil-lingen, deren Gebiet Höchstädt ganz umschloß, besaßenGüter im Orte und seiner nächsten Umgebung, darumfinden wir im 12. und 13. Jahrhundert in Höchstädt nicht nur ritterliche Dienstmänner des Reiches, sondernauch Reichenau'sche und Dillingen 'sche Vasallen, d. h.Ritter, welche in und um Höchstädt Güter vom Reicheoder von Reichenau und von den Grafen von Dillingen zu Lehen trugen.

Im 12. Jahrhundert nennen die Urkunden die RitterMarquard, Sigfrid und Ulrich von Hohestet. Im Jahre1270 schenkte ein Ritter Wernher auf seinem Schlosse zuHohstet einen Hof zu Mörslingen an's Kloster Kaisers-heim. Obwohl Ritter Wernher Dienstmann des Reicheswar, so trug er doch auch gräflich Dillingen 'sche Gütervom Bischof Hartmann zu Lehen und kämpfte im Jahre1270 für den Bischof gegen Herzog Ludwig von Bayern.

Da Herzog Ludwig sich bald nach diesem Kampfegegen Bischof Hartmann in Besitz von Burg und Stadt

Höchstädt als Erbe Konradins setzte, war es mit der Herr-lichkeit der Reichsritter in Höchstädt vorbei. Schloß undStadt wurden bayerisch. Schon anno 1280 bestand nachdem bayerischen Saalbuch das herzogliche Amt in Höchstädt .

Das Nittergeschlecht von Höchstädt scheint sehr zahl-reich und weitverzweigt gewesen zu sein. Schon Mitte des13. Jahrhunderts zogen sich mehrere dieses Geschlechtesin die Städte, wie Donauwörth und Nördlingen , undnahmen dort das Bürgerrecht an. Noch mehr war diesder Fall, als die bayerische Herrschaft zwischen 1270 bis1280 sie aus Höchstädt vertrieb. Aus den Rittern vonHohesteten wurden städtische Patrizier, deren Geschlechtin mehreren Städten durch das ganze Mittelalter blühte.

Unter der bayerischen Herrschaft fiel Höchstädt inFolge der häufigen Landestheilungen der bayerischen Her-zoge bald an diese, bald an jene Linie. Bei der Theilungvon 1329 kamHochstet diu purch und stat" an KaiserLudwig, der anno 1342 Höchstädt Ordnungen für Handelund Wandel, Maß und Gewicht" gab. Vom Jahre 1477bis 1503 gehörte Höchstädt zu Bayern - Landshut . DieGeldnoth zwang jedoch die bayerischen Herzoge, auch Höch-städt häufig zu verpfänden. Schon Ludwig der Bayer ver-pfändete es anno 1322 an die Grafen Johann undUlrich von Helffenstein. Im Jahre 1353 war HerzogFriedrich von Teck Pfandinhaber des Landgerichts Höch-städt und blieb es bis 1382, in welchem Jahre er alsMitstifter des Spitals von Höchstädt erscheint. Sogar derGraf von Württemberg hatte die Herrschaft von 1383bis 1405 im Pfandbesitze. Als Ludwig der Bärtige sieim Jahre 1405 ausgelöst hatte, scheint die Herrschaft imunmittelbar bayerischen Besitze geblieben zu sein, bis imJahre 1505 die sogenanntejunge Pfalz" mit der Haupt-stadt Neuburg für die Söhne Rupprechts von der Pfalz errichtet wurde, zu welcher das ganze Amt Höchstädt ge-schlagen wurde.

Höchstädt war nun Pfalz-neuburgisch und blieb esbis 1777. Im Jahre 1545 erwarb die Stadt gegen Er-legung von 2000 Gulden von der geldnothigen Regierungin Neuburg die niedere Gerichtsbarkeit in der Stadt undim Burgfrieden. (Schluß folgt.)

-^S-888-S--

Goldköruer.

Man verzeiht leichter unangenehme Fehler als unbequemeTugenden. K.

Könnten die Großen donnernWie Jupiter, der Gott hätt' keine Ruh;

Denn jeder kleine, winz'ge Richter braucht'

Den Himmel nur zum donnern, nichts als donnern,

O gnadenreicher Himmel!

Shakespeare .

-SLöScS-

Germanisches Gericht.

(Hiezu das Bild Seite 33.)

Karl der Große , das Urbild eines kraftvollen, weisenHerrschers, hatte, nachdem er mit dem Schwerte in derHand die Grenzen seines großen Reiches gezogen, seineganze Kraft und Sorge der Ordnung der inneren Zu-stände desselben zugewandt. Schule, Wissenschaft undKunst zu heben, war sein unermüdliches Bestreben, ganzbesondere Aufmerksamkeit aber schenkte er, in richtigerWürdigung ihrer schwerwiegenden Bedeutung für dasWohl des Ganzen, der Rechtspflege. Er hatte keineleichte Arbeit. Jede der vielen Völkerschaften, die erunter seiner Krone vereinigt hatte, hing fest an ihren