Ausgabe 
(20.2.1894) 15
Seite
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auS unsauber und träge, sonst würde er mehr Sorgfaltfür seine eigene Person gehabt haben. Zuweilen gab manihm kein Licht, dann verging der Unglückliche fast vorAngst, aber er verlangte nichts."

(Schluß folgt.)

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Zu unseren Bildern.

Zwischen Himmel und Erde.

Hoch über der Menschen Wohnungen waltet der Thürmerseines AmteS. Dort waltet auch des Thürmers TöchterleinMargaretha ein Mädchen schlichten Sinnes und mildthätigenHerzens. Die Vöglein, die um den Tburm flattern, sie kennensie alle, denn sie ist ihre Freundin! Alltäglich steigt sie emporzum Glockenstuhle, wo die mächtige Glocke hängt und bringtden Thieren labenden Trank. Da kommen sie hereingeflogendurch den weiten Fensterbogen, um aus der vollen Schale zunippen. Zwischen Himmel und Erde auch, nicht bloß unten,wo sonst die Menschen wohnen, schlägt den Seglern der Lüfteein fühlendes Herz in Margarethe, des Thürmers Töchterlein.

Vorbereitung zur Vorstellung.

Im Dorfe gibt's heute große Vorstellung. Der gelb undblau angestricheneZigeunerwagen", wie ihn die Schuljugendnannte, hatte ein Hunde- und Affentheater mitgebracht! Auf4 Uhr hatte der alte Zigeuner, als er Mittags trommelnd dasDorf durchzog, die große Vorstellung anberaumt. Wir sehenden Mann eben, wie er beschäftigt ist, seine vierfüßigen Künstlerfür den Beginn der Production in das passendekünstlerischeCostüm" zu stecken. Mit der Garderobe ist es freilich nicht weither; aber die Pudel sehen dock, in diese bunten Fetzen gekleidet,reckt drollig aus. Die beiden sich zankenden Affen scheinen denalten dort auf der Bank, die zum Theil bereits in großer Toi-lette, viel Spaß zu machen. Auch die jungen Hündchen in derKiste haben daran ihre Freude und gucken neugierig herüber.Der Zigeuner aber macht ein gar griesgrämiges Gesicht undwird am Er0e noch mit dem Stocke kommen!

Dildrr aus Palästina.

Das nördliche Ufer des Todten Meeres. Dasnördliche Ufer des Todten Meeres ist mit Gestrüpp und Busch-werk bewachsen; man bemerkt nur wenige Böge! in demselben.Das höhere Ufergelände besteht aus nackten, kahlen, in seltsamenFormen zerrissenen mergeligen Erdwänden, die häufig so unter-waschen sind, daß man sie wegen des drohenden Einsturzes nichtbetreten darf und in deren Mergel man oft Salzkrusten undSchwefelknollen findet. Der nördliche Theil des Seebettes, welchesman sich als eine von dem See ausgefüllte Erdspalte denkenmuß, zeigt die größten Tiefen (bis zu 399 Meter).

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Allerlei.

Eine reizende Satire auf die von uns seinerZeit erwähnteOchsenmaulsalatfabrikantentochter", d. h.auf die Titelsucht mancher Sterblichen, geht derStraß-bürger Post" von einem hervorragenden, bis in dieältesten Urkunden hinaufreichendenGenealogieforschers-sohne" in Folgendem zu: Straßburg i. E., zur Zeit dersauren Gurken. Um die berühmte ,!OchsenmauIfabrikanten-tochter", welche jetzt durch Ihre Spalten spukt, ein füralle Male zur Ruhe kommen zu lassen, gestatte ichmir, Ihnen und allen, die es interessirt, einiges aus denFamilienverhältnissen der jungen Dame zur geneigtenKenntniß zu bringen. Eulalia so ist ihr Nameist seit kurzem mit einemumklappbaren Krankenstuhl-agenten" verlobt. Letzterer stammt aus der selbstver-- stündlich überaus glücklichen Ehe zwischen einerKinder-wagenfabrikantenwittwe mit klemmsicheren Verdeckgelenken"und einemelektrischen Glühlampen-Depositeur mit pa-tentirter Ausschaltungsvorrichtung." Eulalias Schwester,on BerufLuftschifferin mit Fallschirmabsturz", ist ver-

ehelicht mit einemfeuer- und lebensgefährlichen Ver-sicherungsbeamten von vierteljährlicher Prämienzahlung."Die Verlobungsfeier Eulalias beehrten natürlich mit ihrerAnwesenheit ihre dicke Busenfreundin, dielebensgroßePrortraitmalerin in Oel," und ihre beiden Onkel, derärztlich vielgeprüfte Schwedische Heilgymnastiker" ausKyritz undder garantirt wasserdichte Tuchfabrikant"aus Luckenwalde, auch fehlte nicht des Letzteren Tochter,dieGattin eines über dem Meeresspiegel 1000 Meterhohen Schwarzwaldhoteliers," mit ihrem Schwager, demanerkannt leistungsfähigeu Vertreter einer geruchlosenZimmerklosetfabrik." Soviel für heute! Sollte jedochjemand den Ochsenmaulsalat noch weiter gesponnen wünschen,so steht gern zu Diensten Euer Gnaden ganz ergebener

Virrisus."

(Das Heirathsalter groß erMänner.) Shake-speare heirathete Anna Hathaway, als er 18 Jahre altwar. Friedrich der Große führte die Prinzessin Elisabethvon Braunschweig mit 21 Jahren zum Altar. Wilhelmvon Humboldt führte im 24. Jahre Karoline von Dach-röden heim. Mozart und Walter Scott waren 25 Jahrealt; Ersterer heirathete die reizende Konstanze Weber ,Letzterer reichte Fräulein Charlotte Margarethe Carpenterdie Hand. Dante ging seine zweite Ehe mit der Floren-tinerin Gemma Donati in seinem 26. Jahre ein. Indem gleichen Alter heirathete Johann Heinrich Voß seinesFreundes Schwester Ernestine Boie. Napoleon und Byronzählten 27 Jahre, als Ersterer die schöne Wittwe JosephineBeauharnais, Letzterer die reiche Erbin Anna ElisabethMilbank heimführte. Der schwedische Naturforscher Linusheirathete im 27. Lebensjahre; Herder war 29 Jahre,Robert Burns 30 Jahre alt. Schiller verehelichte sichmit Charlotte von Lengefeld in seinem 31. Jahre, Wie-land in seinem 32. Jahre; Milton, der Dichter desVerlorenen Paradieses," begann seine unglückliche Eheim 35. Jahre; Bürger führte seine geliebte und heiß-ersehnte Molly im 36. Jahre heim. Lessing heirathetemit 37 Jahren, Luther mit 42 und Buffon mit 55Jahren. Goethe ehelichte mit 57 Jahren Christiane Vul-pius. Klopstock endlich ging, nachdem er seine so früh-zeitig verstorbene Meta 33 Jahre betrauert hatte, im67. Jahre seine zweite Ehe mit der verwittwetenJohanna von Windheim ein.

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Zzitder-Wätysel.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 14:

Weiß. Schwarz.

D. H2 - 07! (Schwarz beliebig.)

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