Ausgabe 
(13.3.1894) 21
Seite
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Binswangen .

(Hiezu die Bilder auf Seite 154 und 155 )

Eine Stunde westlich von Wertingen liegt am An-fang des Donauriedes in sumpfiger Umgebung, woraufschon der Ortsname deutet, das Dorf Binswangen (Berghalde zwischen binsenreichem sumpfigem Terrain).Die griechische Goldmünze und die zwei Regenbogen-schüsselein, die man im Jahre 1822 auf den Feldernfand, stellen es außer Zweifel, daß schon die Römerauf dieser Stätte geweilt und später Ansiedler jener alt-germanischen Völker sich hier seßhaft gemacht, deren Mün-zen die sogenannten Regenbogenschüsselein waren (Sueben,Gothen, Alamanen rc.).

Binswangen lag im Bereiche der alten Markgraf-schaft Burgau und war schon im eilften Jahrhunderteine Zugehörde der markgräflichen Schirmburg Weiden,welche Burgau 'scheDienstmänner, die Rit-ter vonWelden, zuLehentrugen. Als mit demTode des Ritters Ulrichv. Weiden die mark-gräflich Burgau'schenLehengüter zu Bins-wangen , 2 Höfe und 4Hofstätten oderSölden,an dieMarkgrafen Heim-sielen, belehnte imJahre1275 Herzog PhilippvonKärnten, welcher sichunter Protest des recht-mäßigen MarkgrafenHeinrich den Titel einesMarkgrafen wahrschein-lich angemaßt hatte,seinenNotarRudolf unddessen Frau Jrmengardmit den markgräflichenGütern in Binswangen .

DenStreit zwischenPhi-lipp von Körnten undHeinrich von Burgauentschieden die kaiser-lichen Neichsvögte zuAugsburg im Jahre1289 zu Gunsten des ersteren, und da mittlerweile der NotarRudolf Stadtschreiber in Augsburg geworden war, ließsich Markgraf Heinrich zum Vergleich herbei und bestätigtealsrechter Herr" von Binswangen dem StadtschreiberRudolf und seiner Frau den Lehenbesitz der 2 Höfe und4 Sölden von Binswangen . (Lluntia S. 45 und 46.)

Nach Rudolf's Tod kamen die Burgau 'schen Lehen-güter in Binswangen anno 1304 durch Kauf an's Dom-kapitel, was die nunmehrigen Inhaber der Markgrafschaft,die Herzoge von Oesterreich , bestätigten. Kaiser Ludwig IV.erklärte diese Lehengüter im Jahre 1331 als volles Eigen-thum des Domkapitels mit der Auflage eines Jahrtagsfür Herzog Ludwig den Aelteren. Das Domkapitel hattein Binswangen auch den Großzehnt (wahrscheinlich mitdem Kauf von 1304) erworben und brachte bald nochzwei andere Güter in Binswangen in seinen Besitz, sodaß es hier im Jahre 1492 bereits 8 Feuerstätten hatte.

Selbstverständlich besaßen außer dem Domkapitel

noch andere Herren Güter in Binswangen als Burgau '-sche Lehen So besaß Kloster Weihenberg im 12. Jahr-hundert 1 Hof in Binswangen , wozu im Jahre 1297noch eine Sölde und eine Wiese durch Schenkung desUlrich v. Ellerbach kam und im Jahre 1358 ein Hof-gut dem Kloster von Ulrich Bannwolf zugestiftet wurde.

Das Geschlecht dieser Bannwolfe besaß viele Güterin Binswangen . Vom Ende des 13. Jahrhunderts ansaßen die Bannwolfe in Binswangen und gaben ohneZweifel der Burg an der Berghalde ihre Entstehung.Einige Güter im Dorf gehörten zur Burg Zusamegg.Der Hauptbesitz jedoch bestand imKirchensatz, Vogtei,Dorfrecht, Ehehaften, 3 Höfe, Holzmarken und 2 bayer.lehenbare Hqlbhöfe"; er blieb bis zum Jahre 1300bei der Markgrafschaft. In diesem Jahre aber verkaufteMarkgraf Heinrich V. von Burgau diese Güter an dieEdlen Heinrich und Conrad von Ramschwag. Ihr Nach-komme Hans von Ram-schwag erbte im Jahre1329 die Burg Kem-nath, welche von seinerSchwestertochter Gutadem Burkhart vonEller-bach, Pfandinhaber derMarkgrafschaft Burgau angeheirathet wurde.Dieser übertrug nun dieBurgau'sche Ober-lehensherrlichkeitüber Binswangen aufdie Beste Kemnath (beiKaufbeuren) , welchebald durch Heirath andie Edlen von Benzenaukam. Kraft ihrer ober-herrlichen Rechte hatteAnna von Ellerbach imJahre 1376 mit denGütern in Binswangen die reichen Augsburger Bürger Heinrich undConrad Bitschlin be-lehnt, von welchen esbald an die PatrizierFendtkam. J.J.1412verkauften Florian undAntondie Fenden" ihre Lehengüter in Binswangen um 800 fl. rhn. an den edlen Bürger Hartmann Lan-gen mantel in Augsburg. Die v. Benzenau ertheiltenkraft ihrer oberlehensherrlichen Rechte dem Langenmanteldie Belehnung. Fortan hatten die Langenmantel denHauptantheil an Binswangen mit Kirchensatz, Vogtei undDorfrecht als niedere Obrigkeit 158 Jahre lang, währenddas Obereigenthumsrecht den Herren von Benzenau zu-stand. Im Jahre 1422 besaßen die von Langenmantel inBinswangen 14 Feuerstellen.

Im Jahre 1551 verkauften die von Benzenau dasSchloß Kemnath mit dem Obereigenthumsrecht überBinswangen um 40,000 fl. an das Stift Kempten, und19 Jahre später - anno 1570 verkaufte auch Annav. Langenmantel ihre Güter in Binswangen mit Gericht,Vogtei, Kirchenlehen und Burgstall um 10,725 fl. anden Augsburgischen Feldhauptmann L. Schertlin, wel-chen das Stift Kempten damit belehnte.

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Stratze in Dinsrvangrn mit Pfarrkirche.

Original-Aufnahme von G. Bader, Photograph in Krumbach. fVervielsältigungSrecht vorbehalten.f

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