Ausgabe 
(13.3.1894) 21
Seite
155
 
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Als im Jahre 1635 Conrad Schertlin ohne männ-liche Erben starb, zog Stift Kempten das Lehen Bins-wangen als Heimgefallen ganz an sich. Dagegen prote-stirte aber Hans Christoph von Knöringen und forderteals Gemahl einer Tochter Albrechts v. Schertlin denLehenbesitz von Binswangen. Die Burgau 'schen Beamtenhalfen ihm und vertrieben die Kempten 'schen Beamten,aus Binswangen . Nach langem Streit verglich man sichund Stift Kempten übergab den Edlen von KnöringenBinswangen als ein Kempten 'schesMannslehen". ImJahre 1769 nach dem Tode Alexander Johann Jakobsvon Knöringen fiel dasLehen Binswangen andasStift Kempten heim,das nun ohne Wider-spruch davon Besitz er-griff und einen Ober-vogt nach Binswangen setzte.

Sieben Jahre frühererschoß der lüderlicheBruder Alexanders vonKnöringen,der fünfund-dreißigjährige JunkerJohann von Knöringen,auf dem Gottesacker zuBinswangen den Ober-vogt Molitor in Folgeeines Wortwechsels imWirthshause. DerMör-der floh dann in dieSchweiz und blieb ver-schollen.

Neben der Ortsherr-schaft Stift Kemptenund dem Domkapitel'-schen Besitz hatten imJahre 1492 auch dasKloster St. KatharinainBinswangen Feuer-stätten, am Ende desvorigen Jahrhundertsdas Sternkloster inAugsburg 1 Sölde, St.

Georg 1 Sölde, dasHochstift einen Bauern-hof und die Vicarier zuSt. Moriz in Augs-burg 3 Feuerstätten und4 Güter. Die GütervesKlosters Weihenbergwurden bei AufhebungdesselbenimJahre1448

dem Dillinger Spital zugetheilt. Früher hatte auch dasKloster Kaisersheim einen Hof in Binswangen .

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Multergollcs-Kapellc bei Dinswangen.

Origtnal-AufnahMk vonG.Baader, Photograph in Krumbach. lBervietfältigungsr-cht vorbehalten.!

bühl" (wo eine Linde stand) an die Burgau' schen Be-amten ausliefern. Die niedere Gerichtsbarkeit stand derOrtsherrschaft zu und wurde vom Obervogt mit einemDorfgericht, bestehend aus 12 Männern, ausgeübt. DiesenZuständen machte im Jahre 1803 die Säcularisationein Ende und steckte die 7 geistlichen Herrschaften vonBinswangen in den großen bayerischen Sack.

Am Ende des vorigen Jahrhunderts zählte Bins-wangen 900 Einwohner, darunter 327 Juden; im Jahre1829 aber 617 Christen und 359 Juden. Wann dieJuden sich hier angesiedelt, darüber weiß auch Pfarrer

Walter in seiner Chro-nik keinen Aufschluß zugeben. Zum erstenmalewird ihrer in den AktenimJahre 1650 erwähnt.Im Jahre 1672 hattensie 12 Häuser inne undvermehrten sich nun sostark, daß sie im Jahre1683 schon 22 Häuserbesaßen und PfarrerSutor eine Beschwerde-schrift wegen Ueber-handnahme der Juden-schaft ans Ordinariatrichtete.

Die dem hl. Nikolausgeweihte Pfarrkirchewurde im Jahre 1739vom Domkapitel alsGroßzehntherr vollstän-dig neu gebaut, abererst am 4. Juni 1780vom Weihbischof v. Un-gelter eingeweiht.Heute zählt die PfarreiBinswangen ca. 880Seelen.

Am nordöstlichenEnde des PfarrdorfesBinswangen liegt mit-ten im Gottesacker eineder seligsten JungfrauMaria geweihte größereKapelle. Dieselbe fälltbesondersauf durch ihreaußergewöhnliche Bau-art. Sie ist in Formeines Kreuzes, in dessenMitte sich eine Rotundaerhebt, gebaut, hat zwei Thürmchen und gereicht, von hohenLinden umgeben, dem Orte und der Gegend zur Zierde.

Sämmtliche Unterthanen in Binswangen warensteuerbar zur freien Reichsritterschaft des Kantons Donau und hatten ihre Steuer nach Ulm einzuliefern. DasZollhaus im Dorf war Burgauisch und auch dieMale-fiz-Gerechtigkeit", wie man die oberste Strafgewalt ge-schmackvoll nannte, gehörte zu Burgau. Die Knörin-gen'schen und Kempten' schen Beamten im Orte durftenzwar einen Verbrecher greifen und einkerkern, aber nach3 Tagen mußten sie ihn auf dem sogenanntenLinden-

Von der ehemals Knöringischen Ortsherrschaft zuihrer Begräbnißstätte erbaut, finden sich in derselben ver-schiedene Grabdenkmäler mit zum Theil in lateinischer,zum Theil in deutscher Sprache gefertigten Inschriftenund Wappen verschiedener Adelsfamilien aus dem 17.und 18. Jahrhundert. Ehedem wurde jeden Abend durchdie Kuppel bis an die oberste Laterne hinauf ein Lichtgezogen, damit es den etwa im weiten Donauried Ver-irrten den rechten Weg weise.