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Im Jahre 1808 wäre sie bald der Säcularisationzum Opfer gefallen. Von dem schonungslos vorgehendenAdministrator für entbehrlich erklärt, wurde sie auf Ab-bruch versteigert. Die Ortseinwohner, welche von jehermit Liebe an diesem Kirchlein hingen, kauften dasselbevom Fiskus um 349 Gulden, und so blieb es erhaltenund ist, seit mehr als 200 Jahren Sitz der Skapulier-Bruderschaft, noch heute eine Stätte des Gebetes, beson-ders der Privatandacht und der Verehrung der seligstenJungfrau Maria.
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Die reichste Frau der Welt.
Wer da glaubt, daß die reichste Frau der Welt,Mrs. Hetty Green , in einem stolzen Palaste wohnt,Equipagen und Dienerschaft hat, der irrt. Hetty Green ,die Besitzerin eines Vermögens von 60 Millionen Dollars,wohnt in einem „Boarding-House", einem ganz gewöhn-lichen Logir- und Kosthause in der Stadt Brooklyn , derSchwesterstadt von Newyork , und zwar in der Pierre-pont-Street Nr. 89, und zahlt sieben Dollars wöchent-lich für Kost und Wohnung. Sie ist geizig über alleMaßen und dies ist auch der Grund, warum sie sichvon ihrem Gatten trennte, der ein tonangebender Club-man in Newyork ist. Sie kleidet sich derart bescheiden,daß man glaubt, eine ärmliche Frau vor sich zu haben,und da flickt sie so lange an ihren Kleidern herum, alses eben geht, nur um die Anschaffung neuer Toilette-gegenstände zu ersparen. Was sie an beweglichem Guthat, das trägt sie in dem schwarzen Sack herum, dersie nie verläßt. Das ist ein Gebetbuch, ein Batistsack-tuch und ein Lorgnon. Sie ißt in der Küche und willnur die einfachsten Mahlzeiten. Sie ist überaus frommund von den hundert Kirchen Brooklyns besucht sie jedenTag eine andere.
Sie ist derart mißtrauisch, daß sie mit keinem Men-schen verkehrt, denn sie glaubt, alle Leute, die sich ihrnähern, thun dies nur um ihres Geldes willen. Siehat einen Sohn, der mit der Tochter eines Millionärsverheirathet ist, und ihre Schwiegertochter macht dengrößten Aufwand, den man sich nur denken kann. „DieZeiten sind zu hart," sagt Hetty Green , wenn man sieüber ihre Lebensweise zur Rede stellt, „und ich mußfür meine Verwandten sparen!" In Brooklyn kennt dieFrau mit dem schwarzen Sack jedes Kind, aber keinMensch hatte eine Ahnung, daß die bescheidene Spazier-gängerin und Mietherin in einem der einfachsten Boarding-häuser die Besitzerin von 60 Millionen ist. Erst der„World ", die bedeutendste Zeitung Newyorks, enthülltedas Geheimniß und eines Tages wurde Newyork vonder Nachricht überrascht, wer eigentlich die schlichte HettyGreen aus Brooklyn sei.
Frau Green ist gegenwärtig 58 Jahre alt und ihrVermögen stammt von ihrem Vater Robinson, der sichin Neu-England angesiedelt hat und dessen Ländereienkolossalen Werth erhielten. Ihre ganze Verwandtschaftist so reich und in jeder Familie findet sich ein so gei-ziges, rigoroses Subject, wie es Frau Hetty Green ist.Auch eine Tochter besitzt die Frau, Sylvia mit Namen,die von einem einzigen Verwandten 5 Millionen geerbthat! Nur mit vieler Mühe veranlaßte man das Mädchen,das gleich fromm ist, wie die Mutter, in die Gesellschaftzu gehen, doch nur ein einziges Mal erschien sie daselbst,um sich sofort voll Abscheu von der Frivolität der Großen
abzuwenden. Frau Green führt ein Buch, in dem jederCent verzeichnet ist, und als sie noch mit ihren Ver-wandten lebte, verlangte sie, daß jedes einzelne Familien-mitglied gleichfalls Buch führen müsse. Als einst dasAusgabenbuch ihres Sohnes um 10 Cents nicht stimmte,drohte sie, ihn zu enterben. In Verwahrung der Bank,in der sich ihr Vermögen befindet, liegt auch der SchmuckHetty Green's , ein nach unzähligen Millionen zu be-werthender Schatz — alter Schmuck aller Art, welcherder Frau durch Erbschaft zufiel.
Das Zimmer, das sie in dem Boarding-House,einem der schmutzigsten der Gegend, bewohnt, ist ein Lochvon der Ausdehnung von neun englischen Quadratfuß,so eng, daß sie dort nicht essen kann und in die Küchegehen muß, um ihre Mahlzeit einzunehmen. In derKüche wäscht sie auch ihre Wäsche und hängt sie zumTrocknen über dem Waschtische aus, zu welchem Zweckesie sich mehrere Stricke darüber anbringen ließ. DerGeiz der Frau grenzt an Wahnsinn und ist vielleichtWahnsinn, der sich vererbt zu haben scheint, denn ihreTochter Sylvia faselt gleichfalls stets davon, daß sieeinst arm im Asyle werde sterben müssen und daher zugrößter Sparsamkeit gezwungen sei.
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Zu unseren BildernDildrr au» Palästina.
Kreuzweg mit demHooo llomo-Bogen. Unweit desAufstieges zur türkischen Kaserne beginnt die Via äotoroea, derSchmerzensweg, auf welchem der Heiland das Kreuz bis nachGolgatha getragen haben soll. An der Kreuzung der zumHerodesthore führenden Gasse befindet sich das Kloster der la-teinischen Zionsschwestern. Hier schwingt sich ein Thorbogenüber die Straße, den man den Leos bomo-Bogen oder Bogendes Pilatus nennt, wo letzterer Jesum der Menge gezeigt undausgerufen haben soll: „Lvos bomo l Sehet, welch ein Mensch!"Daneben ist ein einfaches Kirchlein in den Felsen eingehauen.
Die kleine Großmama.
Lischen spielt heute Großmama. Dort im hohen Lehnstuhlepflegt sie immer zu sitzen, die gute Frau, um beim SchälchenKaffee den Neuigkeiten zu lauschen, die Großpapa ihr vorliest.Lischen hat Großmütterchens Kleid angelegt, das weiße Häub-chen auf den Kopf gesetzt, den Zwicker auf das Naschen geklemmtund sieht nun schier so aus, wie Großmama selbst. Auch dasStrickzeug darf nicht fehlen und für einen Fußschemel sorgt soebenBrüderchen. Nun ist die Großmama fertig und Lischen weißsich in ihre Stelle gut zu finden.
Arithmogryph.
Mein 1—7 merk, das GanzeIst eine allbekannte Pflanze.
1 2 3 4 5 ist sehr schlau,
7 6 5 liegt auf der Au',
Doch nur bei Winters Sturmgebraus;
7 6 dient dir oft zum Schmaus.
5 3 4 2 4, noch zum Schluß,
Bekleidet öfters deinen Fuß.
Auflösung des Königszuges in Nr. 20:
Die Weisheit gleicht der schönen Spröden,
Man muß ihr täglich Weihrauch streu'n,
Ihr früh sein ganzes Leben weih'n,
Um ihrer Liebe werth zu sein. (Götter.)
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