Ausgabe 
(27.3.1894) 25
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stieg bis auf drei und vier Franken. Heute hat der Eiferder Rattenfänger etwas nachgelassen, da sich für diesesGericht nicht mehr genug Liebhaber finden. Ferner ver-dienen die Schutzengel (^n§e-6Äräi6N8) besondereErwähnung. Sie halten sich in gewissen Kneipen auf,die besonders von Gewohnheitstrinkern besucht werden.Ihr Beruf besteht darin, die Betrunkenen unter ihrenSchutz zu nehmen und nach Hause zu bringen. DasAmt ist schwieriger, als man glaubt; denn es gilt, denBesinnungslosen nötigenfalls auf die Schultern zu nehmenund zu Hause ins Bett zu schaffen. Zu den erforder-lichen Eigenschaften eines gutenSchutzengels" gehörenin erster Linie körperliche Stärke, Nüchternheit, Charakter-festigkeit und Ehrlichkeit. DerAuge-Gardien", der seinGeschäft versteht, darf nicht gestatten, daß sein Schutz-befohlener mit einem Passanten Streit anfängt oder Handan sich selbst legt, darf auch seine Freigebigkeit nichtmißbrauchen, um so mehr, als man ihn am nächstenTage des Diebstahls beschuldigen würde. Kurz, er istfür das Wohl und Wehe seines Klienten verantwortlich,bis dieser in Morpheus' Armen liegt. Dafür erhält derSchutzengel" am nächsten Tage einTrinkgeld", zumMindesten zehn Sous; Gewohnheitssäufer haben einAbonnement, das zum voraus bezahlt wird. Geht manan den Seine-Quais spazieren, so sieht man auf dem Flussehäufig Kähne mit kleinen Kajüten, die als Inschrift dasWortTvndeur" tragen. Man wird bald gewahr,daß die Besitzer der schwimmenden Kasten Hundescheerersind, welche sich der großen und kleinen Köter mit ge-schickter Hand annehmen. Es werden da die Haare nachallen Regeln der Kunst gestutzt, die Thiere werden ge-badet und gewaschen, mit oder ohne Anwendung vonInsektenpulver. Das Verfahren kostet 3 bis 6 Franken,ein geschickter Hundefriseur verdient durchschnittlich zehnFranken den Tag.

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Eine heitere Operation. Ein Chirurg ineinem bekannten Pariser Hospital hatte kürzlich einenjedenfalls einzig in seiner Art dastehenden Fall zu be-handeln. Ein Bauer war zu ihm gekommen mit derbestimmten Versicherung, er habe eine Schlange im Leibe;es sei schon einige Monate her, daß er sie, als sie nochganz klein war, aus Versehen verschluckt habe. HeftigerDurst habe ihn damals veranlaßt, von dem Wasser einesWaldbachs zu trinken, und hierbei sei die Schlange mitin den Mund gelangt und auch sofort verschluckt worden.Seit der Zeit habe er keine ruhige Stunde mehr, erspüre ordentlich, wie das Thier von Tag zu Tag größerwerde, bald sitze die Schlange in der Speise-Röhre, baldunten im Darm und kein Arzt habe ihm bis jetzt helfen kön-nen. Gutwillig ginge die Schlange nicht heraus nun wohl,so wolle er sich denn einer Operation unterwerfen, mögedaraus werden, was wolle. Der Chirurg, ein klugerKopf, hatte sich bald davon überzeugt, daß alles nurauf Einbildung beruhe, er sah aber auch ein, daß dereingebildete Kranke bisher von seinen Aerzten thatsächlichfalsch behandelt worden sei, insofern nämlich, als die-selben sich erlaubt hatten, den Bauern eines Besserenbelehren zu wollen. Unser Chirurg ging also auf allesein, die Operation wurde vorbereitet, der Kranke aus-gestreckt von den Gehilfen festgehalten und ihm befohlen,ganz ruhig dazuliegen. Der Chirurg führte nun einenlangen, ganz oberflächlichen Schnitt in der Magengegendaus, der die Haut nur ritzte, aber durch etwas Lamm-

blut, welches der Chirurg in einem verborgen gehaltenenSchwämmchen bereitgehalten hatte, das Aussehen einestiefen Schnittes erhielt. Gleichzeitig langte der Chirurgeine Schlange aus dem Aermel hervor und rief aus:Gottlob, die Sache ist gut abgelaufen, hier ist der Stören-fried." Man reichte die Schlange dem Bauern, nach-dem man seine Wunde wohl verbunden hatte, und natür-lich war derselbe hocherfreut und dankte dem Retter ausder Noth aufs herzlichste. Seine gute Laune und seineGesundheit schienen auf dem besten Wege zu sein, inden Zustand vor seiner Krankheit zurückzukehren, als sichplötzlich eine düstere Melancholie des Armen bemächtigte.Eines Tages erschien er abermals bei dem Chirurgen:Ach, mein Herr, mein Herr," stöhnte er.Nun,was giebt's, mein Lieber?" fragte der Chirurg.UmGottes Willen denken Sie, die Schlange, wenn sieJunge gehabt hätte!" Einen Augenblick war der Arztbetroffen. Dann aber entgegnete er ruhig:Aber ichbitte Sie, sie war ja männlichen Geschlechts!" Und derKranke ward und blieb gesund von dieser Stunde an.

Auch eine Wette.Wetten Sie, meine Herren,"sagte ein Janker an der Gasthoftafel,daß ich Ihnenetwas zeigen kann, was niemals vorher gesehen wurdeund keine lebende Kreatur jemals wieder sehen wird?"Die Wetten wurden gesetzt. Der Jankee nahm eine Nußvon der Fruchtschüssel, knackte sie auf und faßte den Kernzwischen Daumen und Zeigefinger.Nun," rief er,ichdenke, Niemand von Ihnen hat diesen Kern vorher ge-sehen und ich denke" dabei er den Kern aufNiemand wird ihn wiedersehen! Bitte, laden Sie ab!"

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Ouadralriithset.

In die Felder obenstebenden Quadrates sind die Buchstaben^^^8888Ll888008.8.8. derart einzutragen,daß die Wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend be-deuten: 1. ein Gewand, 2. arabischer Name, 3. kirchliches Straf-mittel, 4. weiblicher Vorname.

Lösung der Schachaufgabe in

Nr. 23:

Weiß.

Scbwan.

1. S. 85 64

K. 84 85

2. S 04-86 s

K. 85-04

>4--

l

O

oder

K. 84-83

2 S. 04-82 -s

beliebig

3. L. 0483 matt

1.

oder

05-84

2. D. 118-81

beliebig

3. S. 04 82 matt

1.

oder

84-83

2. L. 04 85 (83) usw.