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gerassel vernahm. Seine Haare schimmerten wie Schnee.Seine Gestalt war in den letzten Jahren immer hagerer,sein Gesicht immer schmäler geworden, aber die Augenhatten sich nicht verändert und ihren freundlichen undtiefen Blick, ihren milden Glanz und ihre sanfte blaueFarbe erhalten. Er trug die Uniform seines Tiroler-Jäger-Negiments, den grauen Frack mit grünen Auf-schlägen, die engen Beinkleider und hohe Stiefel.
Ein stattliches Ehepaar aus Graz , offen und ehr-lich dreinschauende Leute, ein Müllermeister mit seinerMüllermeisterin, waren die Ersten, die er ansprach. Siekamen um zu danken, sie hatten einen Prozeß gegen dasAerar gewonnen und schrieben diesen glücklichen Ausgangeinzig und allein einem Machtspruch Seiner Majestät zu.
„Da haben S' Unrecht," sagte der Kaiser. „G'wonnenhätten S' auf alle Fäll', nur langsamer gegangen wär'sohne meiner."
„Geruhen Eure Majestät, mein unterthänigstes Ge-such nicht aus Allerhöchst Ihren Händen zu geben. Ge-ruhen Eure Majestät, es bei sich zu behalten."
Der Kaiser willfahrte diesem Wunsch und wurdenun von jedem der nachfolgenden Bittsteller angefleht:„Behalten Eure Majestät mein Bittgesuch bei sich, gebenes nicht aus den Händen." lind der Kaiser erfüllte dieBitten Aller und muthete den Schößen seines Fracks eineAufnahmsfähigkeit zu, die bis zu den äußersten Grenzendes Möglichen ging.
(Schluß folgt.)
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Goldköruer.
Unsere Ehre steigt, sowie unser Hochmuth sinkt; wo diePrahlerei aufhört, da fängt die wahre Würde an.
Edward Aoung.
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Ursderg. Westseite.
Original-Ausnahme von Gustav Bader, Photograph in Krumbaih. sVervielsiiltigungsrcchtTvorbehalten.s
Noch Einige hatten zu danken, dann Einer zu bitten:ein Küster, eine sonderbar verkrümmte Gestalt in weißerWeste und weißer Cravatte. Er war im Begriff, eineLiebesheirath zu schließen, und bat um eine Zulage fürseine „eine Hofcharge bekleidende" Braut.
„Was ist sie denn?" fragte der Kaiser etwas er-staunt.
„Hofwäscherin, Majestät, in der Hofküche angestellt.Eine von den Personen, die mit Reinhaltung des Fuß-bodens der kaiserlich-königlichen Hofküche betraut sind.Eine Pragerin, eine schöne Person, Eure Majestät!"
„Aha, und da haben S' schon den Bräutigams-staat ang'legt. Meinetwegen hätten Sie nicht gebrauchtsolche Umständ' zu machen," versetzte der Kaiser, nahmdie Bittschrift, die der kleine Bucklige ihm mit einer an-muthig gerundeten Armbewegung darbot, und wollte siedem Kammerherrn reichen. Aber das Männlein rief:
n r s b e r g.
(Mit Bild.)'
Blickt man von der Höhe von Thannhausen ins lieb-liche Mindelthal, so fällt das Auge auf einen mächtigenThurm, der am Fuße des jenseitigen Bergrückens sich er-hebt, an welchem sich die Straße nach Krumbach empor-windet. Der Thurm ragt aus einem stattlichen Bauwerkeempor. Es ist Ursberg, das alte Prämonstratenser - oderNorbertiner-Reichskloster. Thurm und Bau sind die ehr-würdigen Ueberreste einer 700jährigen Geschichte. Könntendiese Steine reden — sie wüßten vieles zu erzählen vonder Herrlichkeit des alten Neichsstiftes. Da sie es abernicht können, so wollen wir es thun und den Lesern dasWichtigste aus der Geschichte Ursbergs mittheilen.
Vor 800 Jahren herrschten über die waldbedeckteGegend die mächtigen Grafen von Schwabeck. Werinher