Ausgabe 
(10.4.1894) 29
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tenmal ab. Tüchtige Vorstände brachten es bald wiederempor, bis es ein Verschwender, der Prior Ulrich Sekler,in der Mitte des 15. Jahrhunderts an den Rand des Ab-grundes brachte.

Kein schwäbisches Reichskloster ist im Laufe derJahrhunderte von so vielen Drangsalen heimgesucht worden,wie Ursberg . Hatte es sich von einem Schlage erholt,so warf es ein anderes Unglück wieder darnieder. SeineGlanzperiode feierte das Reichsstift unter dem tüchtigenAbt Wilhelm Sartor aus Thannhausen, welcher von1407 bis 1447 regierte. Er stand bei Papst und Kaiserin hohem Ansehen. Auf dem Concil zu Constanz erhielter vom Papst Martin die Pontification, d. h. das Recht,Jnful und Stab zu tragen. Den Kaiser Sigismund begleitete er einmal nach Italien, ein andermal nachBöhmen zum Krieg gegen die Hussiten, gegen welche ersehr häufig gepredigt haben soll. Die lange Abwesenheitdes Abtes gefiel den Klosterherren nicht. Sie wähltenim Jahre 1436, wahrscheinlich gegen den Willen desAbtes Wilhelm, den Balthasar von Seebach zu ihremAbt. Ursberg hatte also von 14361447 zwei Aebte,den fast immer abwesenden Wilhelm und den EindringlingBalthasar. Als Wilhelm 1447 starb, wurde Balthasarein rechtmäßiger Abt, starb aber schon nach zwei Jahren,1449. Ihm folgte Abt Jodoc Seitz aus dem KlosterRoggenburg. Die Wahl eines Auswärtigen verdroß einigeConventherren. Ulrich Sekler, ein hochmüthiger Mann,der selbst nach der Abtwürde strebte, verhetzte sie soweit,daß sie den tüchtigen Abt Jodoc für abgesetzt erklärten.Als sich die Mehrheit nicht um dieseAbsetzung" küm-merte, rächte sich Ulrich Sekler dadurch, daß er es 1458dahin brachte, daß Kaiser Friedrich die Schutzvogtei überUrsberg von der Stadt Ulm auf den Ritter Bero vonRechberg, einen verschwenderischen und gewaltthätigenMann, um 5000 fl. übertrug. Sekler machte nun demguten Abte Jodoc das Leben so sauer, daß er freiwilligabdankte und nach Augsburg ging, wo er 1461 Weih-bischof wurde.

Nun riß Ulrich Sekler mit Hilfe des neuen Schutz-vogtes Bero von Rechberg die Abtwürde an sich, die er10 Jahre lang, 14591469, entwürdigte. Was seinetrefflichen Vorgänger erworben und geschaffen, verschleu-derte dieser leichtsinnige Verschwender. Um seiner Bau-wuth, Prachtliebe und Genußlust zu fröhnen, verkaufteer eine Menge Güter um wahre Spottpreise und brachteso das Stift an den Rand des Verderbens. Der Schutz-vogt Bero von Rechberg kam häufig von seinem SchloßNeuburg a. d. K. mit zahlreichem Anhang ins Klosterherüber und zechte mehrere Tage, so lang, bis das ganzeKloster ausgefressen war. Endlich erhörte man die Klagenund Bitten der 10 Jahre lang tyrannisirten Klosterherren.Abt Sekler wurde 1469 abgesetzt und ihm die PfarreiLangenhaslach angewiesen, wo er 1472 plötzlich starb.

(Schluß folgt.)

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Zu unseren BildernDer zerstörte Ktebeslirief.

Was die Katzen nicht mitunter Unheil anstiften können!Das gnädige Fräulein hat heute in einem zärtlichen Liebes-briefchen ihren Gefühlen Ausdruck verliehen. Im schönen MonatMai, wo alle Knospen springen, da ist auch in ihrem Herzendie Liebe aufgegangen! Schwarz auf Weiß soll es der Geliebteersehen, daß sieSein Auf ewig" ist. Dort auf dem Tische liegtdie erst frischgeschriebene Urkunde über die Gefühle eines liebendenMädchenherzes. Da kommen die beiden Kätzlein, scherzen undbalgen sich herum, daß es eine Lust ist. Was scheren sich die

Losen auch um so ein Tintenfaß. Klapp's isl's geschehen, dasTintenfaß umgeworfen und die Bescheerung ist da! In schwarzenBüchlein gießt sich die Tinte über das Liebesbriefchen I Das magnun eine schöne Geschichte werden, ihr bösen Mizzi, wann Fräu-lein Tini hinter euren losen Streich kömmt!

Zum Zahnarzt.

Der Steffelbauer hat Zahnweh'. Lange schon wurde ervon den fürchterlichsten Schmerzen geplagt! doch Alle Mittel,die ihm sein Nachbar, der Schmid, der in diesen Dingen etwasbewandert ist, angerathen, haben nichts geholfen. Selbst diealte Hühnerliesel, die schon vielen Leuten den Zahnschmerz durchSympathie" vertrieben, konnte beim Steffelbauer nichts aus-richten. Das vermaledeite Zahnweh wurde im Gegentheil immerärger, so, daß es der Steffelbauer schließlich nicht mehr aushaltenkonnte. So entschloß er sich denn zum äußersten Mittel, einenGang zum Zahnarzt zu machen, um des Plagegeistes ein füralle Mal ledig zu werden. Dr. Meyer versteht sich auf seinFack wie Keiner, und so ist also zu hoffen, daß auch derSteffelbauer, der soeben im Begriffe ist, feine Ankunft durcheinen kräftigen Zug an der Glocke zur Wohnung des Arztesanzumelden, von dem leidigen Uebel des Zahnschmerzes befreitwird.

Allerlei.

Eine Familie von Geizhälsen. Der Ur-großvater Koloman Rüst ola hatte sich durch den Handelmit Sardinen und Südfrüchten ein hübsches Vermögenerworben, das immer mehr anwuchs, weil sich der Mannkaum das Nöthigste für seinen Lebensunterhalt gönnteund bis an sein Ende in einer dunklen Kammer in derWestbahnstraße logirte. Der Großvater Robert Rustolasetzte den Handel mit nicht so lucrativem Resultate fort,vermehrte jedoch das Vermögen beträchtlich durch seinenGeiz, denn er ging in Lumpen daher und soll sich nichtgescheut haben, milde Gaben anzunehmen. Der VaterAnton Rustola besaß in Wien drei Häuser, domicilirte inGraz , wo er mit monatlichen 75 fl. sein Auslangen fürsich, seine Frau und seinen Sohn Franz fand, dem ernahezu 200,000 fl. hinterließ. Ueber die Lebensweisedes Sohnes, sobald er zu Vermögen gelangte, ist Nichtsbekannt geworden. In Folge schlechter Ernährungin seinen Kinderjahren war Franz Rustola vonschwächlicher Constitution und starb schon im 28. Lebens-jahre. Das Vermögen ging an einen Verwandten, einenPeter Rustola, über, welcher übrigens der geizigen! Familie alle Ehre machte. Er starb vor einigen WochenI in Görz in der Wohnung eines Schuhmachers, der seinenAftermiether in recht dürftigen Verhältnissen wähnte undihm eine Dachkammer billigst überlassen hatte. Nun istdiese Familie der Geizhälse ausgestorben, und es werdenErben für das ungefähr auf 300,000 fl. angewachseneVermögen gesucht.

Nitder-Käthser.