Ausgabe 
(13.4.1894) 30
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bedarf eines respektablen Einkommens und will nichtjährlich Tausende zusetzen. Allerdings muß ich ein nichtgeringes Opfer bringen; doch das wird reiche Zinsentragen, Tartö, darum kühn an's Werk, auf nachVersailles !"

Magister du Tartö versucht es in Versailles woder Hof war bei dem ersten Leibarzte des Königs,Dr. Daquin, eine Audienz zu erhalten. Der Kammer-diener aber bedeutete dem Chirurgen kurz:Monsieurwird sogleich seinen Morgenbesuch beim König abstattenund das Vorzimmer pasfiren, da können Sie ihn imVorübergehen sprechen."

Im Vorübergehen?" erwiderte du Tartö,dasgenügt mir nicht. Habt doch die Güte zu melden, ichsei in einer sehr ernsten Angelegenheit extra von Paris gekommen, und die Sache erfordere eine längere und ver-trauliche Besprechung." Der Diener ging; kam aberalsbald wieder mit der Antwort, Monsieur habe durchauskeine freie Zeit. du Tartö gerieth schier in Verzweif-lung und sprach mit kläglicher Miene:Ich bitte Sieeindringlichst, Monsieur doch zu sagen, es betreffe einewichtige, unaufschiebbare Sache"; dabei drückte er demDiener so eigenthümlich freundlich die Hand, daß derselbeeine Faust machte, dabei jedoch allerliebst lächelte undforteilte. Indeß Tartö noch darüber sich ärgerte, daßer seinen zauberischen Häudedruck nicht sogleich versuchthabe, und von ihm einen sicheren Erfolg hoffte, brachteder Diener die Meldung:Die Audienz ist gewährt."

Dr. Daquin, der erste Leibarzt deLgroßen Königs"Ludwig XIV. , empfing du Tartö mit stolzer Herablassung:Ei, Meister du Tartö, welch' ein Geheimniß haben Sieauf dem Herzen? Haben Sie vielleicht wieder eineWundersalbe erfunden und verlangen Unsere Begutachtung?Wir sagen Ihnen sogleich, wenn dieß der Fall ist, sostehen Wir nicht zu Ihren Diensten, denn Ihre berühmteMerkuriussalbe war nicht das Geld werth, das sieIhnen eingetragen."

Erlauben Monsieur, es handelt sich durchaus umnichts dergleichen."

Oder bedürfen Sie Unseres Rathes und Beistandesbei einer wichtigen Operation, vielleicht gar zu einerTrepanation, bei welcher Operation Sie im vorigen Jahreeine so merkwürdige Geschicklichkeit entwickelten?" Dieseletzteren Worte hatte vr. Daquin mit sarkastischem Lächelngesprochen.

O Monsieur, spotten Sie meines Unglücks nicht.Ich bin eben gekommen, um an Ihr Mitleid zu appelliren.Ich bin als Chirurg ein verlorener Mann, wenn Mon-sieur mir nicht helfen zur"Reparatur Ihres Namens,nicht wahr," fiel Daquin ein.So ist es", entgegneteTartö.Aber Wir vermögen Uns nicht zu denken,wie Wir zu dieser schweren problematischen Arbeit helfenkönnten; da müssen Sie Ihr Heil schon anderswo versuchen;mit Rcparaturarbeiten geben Wir UnS überhaupt nichtab."Erlauben zu Gnaden; ich meine, unsere nochso tüchtige ärztliche Thätigkeit sei im Grunde doch aucheine Reparaturarbeit! Und Monsieur- den Berufs-namen eines unglücklichen Mannes wieder herstellen zuhelfen, zumal wenn man hiezu die Macht eines DoctorDaquin besitzt ..."Aber bedenken Sie doch (fielDaquin ein), daß jede Macht ihre Grenzen hat!" >

Ach, Monsieur, die Hilfe, um welche ich bittenmöchte, steht ganz in Eurer Gnaden Macht."Dasind Wir doch begierig, diese Bitte zu vernehmen", sagte

lachend Daquin. Ich möchte Monsieur bitten, zuerwirken, daß ich Sr. Majestät unserem großen Königezur Ader lassen darf." Erschreckend prallteDaquin zurück und stotterte:Herr, sind Sie verrückt?!Oder oder sind Sie gar das unglückliche Werkzeugeiner meuchlerischen Verschwörung?" Erbleichend vorSchrecken rief Tartö:Um Gotteswillen! was denkenEuer Gnaden?! Ich bin die unschuldigste Kreatur vonder Welt! Ich bin, das darf ich wohl ohne Selbst-überhebung sagen, der geschickteste Aderlasser von Paris. Wenn ich nun Sr. Majestät zur Ader lassen dürfte,dann, Monsieur dann wäre mir geholfen."

Ich verstehe l Der Plan ist tief und hoch angelegt,aber tollkühn! Und dann selbst wenn der Königeinen Aderlaß nöthig hätte, so wäre ja dafür sein Leib-chirurg Msgr. Maröchal da."

Q Monsieur vermögen mit Ihrem bekannten großenGeiste und mächtigen Einfluß auf Seine Majestät diefraglichen Hindernisse leicht zu beseitigen. Auch appellireich an Euer Gnaden edles, großmüthiges Herz. Es istja bekannt, daß Monsieur ein so Mildreicher Wohlthäterder Armen ist. Da habe ich nun zur Gewährung meinerBitte ein kleines Opfer für die Armen fünfzehn-tausend Livres mitgebracht, die ich Monsieur zur freienVerfügung stellen möchte."Das ist Alles schön undgut. Es ist wahr; man appellirt nicht leicht vergebensan mein Herz; es ist zu weich. Ich möchte gerne allenMenschen helfen; allein in Ihrem Falle, mein Lieber,sehe ich nicht ein, wie mir das möglich werden könnte.Zwei Hindernisse, wie bereits angedeutet, stehen im Wege:die volle Gesundheit des Königs und eventuell der Leib-chirurg." Daquin schreitet nachsinnend durch's Zimmer.Tartö:Monsieur! könnten Sie bei Seiner Majestät,etwa nicht einen prophylaktischen Aderlaß"Parbleul"siel Daquin ins Wort,das ist ein genialer Einfall."Nach einigen! Nachdenken fuhr Daquin fort:MeisterTartö, nun haben Wir es; das heißt in tlis8i; obWir das Problem auch in xraxi zu lösen vermögenwerden, ist wohl noch fraglich. Indeß Wir werden essofort versuchen."

Zweifle nicht am Gelingen, Monsieur."

Nun muß ich den Frühbesuch beim Könige ab-statten. Wo sind Sie abgestiegen?"Im Cafö leNoy.""Halten Sie sich zur Stelle." Man trenntesich, wohl zufrieden auf beiden Seiten.

*

vr. Daquin erschien zumpstit lovsr" (kleinerFrühbesuch) bei König Ludwig XIV., welcher seinenersten Leibarzt Zutraulich mit den Worten begrüßte:Guten Morgen, mein lieber Daquin! Was soll das?Sie sehen ja aus wie ein Leichenbitter! Woher diesetraurige Miene? Kommen Sie vielleicht von meinemarmen Herrn von Reims?" Das nicht, Majestät;aber ich habe erfahren, daß es sehr schlimm mit demliebenswürdigen Herrn Prälaten steht. Es ist für denArzt sehr schmerzlich, wenn er bedenkt, daß Herr vonReims von diesem gefährlichen Schlaganfall verschontgeblieben wäre, wenn man ihm prophylaktisch zur Adergelassen hätte.""Meinen Sie?"Ganz gewiß,Majestät.""

Sagen Sie mir doch, Daquin, welches sind dieUrsachen eines Schlaganfalles?"Sire! Diese sindzahlreich, da es verschiedene Arten von Apoplexie gibt.Da haben wir einen Schleimschlag; der verläuft in der