Ausgabe 
(13.4.1894) 30
Seite
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Wäre der Kukuk gleich anderen Bügeln an die Wiegeseiner Jungen gefesselt, so könnte er dem Aufgebote zurLandcsvertheidigung nicht Folge leisten, er müßte zu Hausebleiben und für seine Familie sorgen. Wie kann er abervom Nestbau, vom Brüt- und Fütterungsgeschäfte ent-bunden werden, ohne daß sein Geschlecht ausstirbt? Nurdadurch, daß er seine Eier fremden Vögeln in Pflegegibt, daß er ein Schmarotzer wird."

Wir können also das Räthsel des Kuknkseies nichtlösen, ohne an die Weisheit deS göttlichen Schöpfers zuglauben. Darum schließt auch k. WaSmann seine interes-sante Artikelserie über den Kukuk mit Recht mit folgen-den Worten:Je tiefer wir eindringen in die Geheim-nisse, mögen sie nun in der Vogelwelt oder Jnsektenwelt,in einem Ameisenhaufen oder im tiefen Meeresgrunde sichabspielen, desto klarer erkennen wir, daß die Weisheitund Allmacht des Schöpfers durch die Ergebnisse dermodernen Naturforschung verherrlicht wird."

Allerlei.

Von russischen Postverhältnissen plaudert dieNow. Wremja": Das Postwesen im Innern des Reichessteckt ja bekanntlich noch in den Kinderschuhen, was sowohlauf die riesigen-Entfernungen als auf die Spärlichkeitder Eisenbahnverbindungen zurückzuführen ist. Es gibtdaher bei uns Städte, die geographisch kaum 400 Werstvon einander entfernt sind, postalisch jedoch weiter alsKiew und unser liebes Toulon . Von einem solche Städte-paare können wir absonderliche Dinge berichten. Einerunserer Freunde wohnt in Kiew und hat einen beständigenGeschäftsverkehr mit einigen Personen, die in der Nähevon Rowno , Gouvernement Wolhynien, sechs Werst vonder Station Rowno , leben. Der Postverkehr mit diesenGeschäftsfreunden ist, wie unser Freund schreibt, nur durcheingeschriebene Sendungen möglich; alle ordinären Brief-schaften gehen einfach auf dem Wege zwischen diesen beidenPunkten spurlos verloren das ist schon seit Jahrenhier zu Lande so der Brauch. Unser Freund beendetseine Korrespondenz gewöhnlich um 5 Uhr Nachmittags,um welche Stunde das Hauptpostamt in Kiew bereitsgeschlossen ist. Er gibt daher die Sendung in dem Haupt-Telegraphenamt auf. Dieses pflegt alle eingeschriebenenBriefschaften zweimal täglich, um 12 und um 4 UhrNachmittags, auf daS Haupt-Postamt zu senden, obgleichdiese Stunden durchaus nicht der Abgangszeit der Post-züge entsprechen. Vielleicht wirkt die Erledigung vordem Frühstück und Mittag förderlich auf die Verdauungder Telegraphenbeamten. Wenn nun also unser Freundseinen Korrespondenten in Rowno einen eingeschriebenenBrief zuschickt, so nimmt dieses Ereigniß folgenden Ver-lauf: Am Montag um 5 Uhr Nachmittags schickt er dieBriefschaften ins Telegraphenamt; am Dienstag um 12Uhr Mittags werden sie dem Hauptpostamt übersandt,am Mittwoch um 9 Uhr Morgens gehen sie mit demPostzuge der Süd-West-Bahn nach Rowno ab, wo sieum 12 Uhr Nachts eintreffen. Am Donnerstag findetin Rowno die Sonderung der Briefschaften statt, dieangesichts des spärlichen Beamtenpersonals nicht frübervorgenommen werden kann. Am Freitag um 1 UhrNachmittags wird aus der Stadt Rowno die Anweisungdes Postamtes der 6 Werst entfernten Gemeindeverwal-tung des Dorfes Rowno zugesandt, und am Sonnabend 5Uhr Nachmittags befindet sich die Nachricht, daß ein Brief

für ihn angekommen sei, glücklich in den Händen desAdressaten. Am Sonntag findet im Postamts keine Aus-gabe von Briefschaften statt, der Adressat wartet alsobis zum Montag und begiebt sich dann nach Rowno ,um gegen Vorzeigung der Anweisung den Brief in Em-pfang zu nehmen. Die Entfernung zwischen Kiew undRowno beträgt 366 Werst (389 Kilometer). In derZeit, die der Brief braucht, um von Kiew nach Rowno zu kommen, kann der Absender ganz bequem von Kiew nach Toulon reisen, dort auf dem Platze vor demHotelde Ville" einige MaleVivs 1a Iftmueo" schreien unddann gemüthlich heimkehren; wollte er aber zu Haufeeine Antwort aus Rowno vorfinden, so könnte er nocheinen Abstecher nach Paris machen und sich dort in MußeAlles genau ansehen.

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Goldene Zukunft.

O Deutschland, du Land der Dichter und Denker,

Was birgst du mitunter für heillose Stänker!

Da sind es die Herr'n Sozialdemokratin,

Die wissen am besten, wo saftige Braten;

Du brauchst nur zu lauschen d-m öden GeschreiWie köstlich das Leben im Zukunftsstaat sei.

DochMichel", der dumme, der kaun's nicht begreifen,Was längst von den Dächern die Spatzen schon Pfeifen,Daß Rettung allein nur möglich noch seiIn den offenen Armen der rolhen Partei.

D'rein kannst, wie ein Kindlein, ein müdes, dich schmiegen'Und daß du wohl schlummerst, so wird man dich wiegen.

Zu bald aber wirst aus dem Schlaf du erwachen,

Die klugen Genossen denGimpel" verlachen,

Dasunnütze" Denken, das Manchen verdorben,

Das können die Herren ja selber besorgen.

Sie wollen nur Arbeit der kräftigen Hände,

Und kannst du nicht weiter, so warte aus'S Ende.

Doch hör'! Auf den Himmel darfst nimmer du hoffen,Denn der sieht, nach Heine, den Spatzen nur offen.

K ö n i g s z », g.

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Auslösung des Logogrpphs in Nr. 28:

Wieland. Wien . Wein. L ed. Newa. Indien. Lawine. Wand.Wind. Linde.

Auflösung des Bilder-Nätbsels in Nr. 29:Nach der Arbeit das Vergnügen.