Ausgabe 
(20.4.1894) 32
Seite
242
 
Einzelbild herunterladen

242

her die Sorgfalt, mit welcher die Palme in der Wüstegepflegt wird, daher der große Werth, den man auf guteBewässerung legt.

Im Südwesten von Dschenien-bu-Rezk, am Fußedes Djebel - Kegli, werden ganz einfach die Wasser desGebirges bei ihrem Austritt aus den Klüften und Schluchtenabgefaßt, kanalisirt und soviel Dattelpflanzungen ange-legt, als der Bach speisen kann. Im Innern der Wüstegeschieht die Bewässerung mittelst artesischer Brunnenoder durch Graben von großen Löchern (Bir) in denden Sand.

Der Tourist, der diese Regionen besuchen will, muß.sich mit allem Nöthigen versehen, selbst mit Wasser. Zwarhat die französische Regierung in Ued-Termel mehrere ar-tesische Brunnen graben und um dieselben ein Bordschoder Fort erbauen lassen, in welchem Reisende unterkom-men können. In manchen Bezirken nennt man auch diesebefestigten Orte Karawanserai oder Karawanenherberge.

Der erste Abschnitt der Sahara , den wir bereisten,war zum Theil steppenartig überwachsen, einförmig fürden Reisenden, interessant für den Naturforscher. DieHauptmasse des Bodens ist zwar aus Sand gebildet, je-doch nicht ganz lose. Die Oberfläche ist mit einer mehrereCentimeter dicken GypSkruste überzogen, die pflasterähnlichzersprungen ist. Trotz seines Gypsüberzuges ist das Wüsten-plateau doch nicht öde. Zwischen den Sprüngen und Rissenjener harten Kruste guckt da und dort eine Pflanze her-vor. Meist sieht man nur steifes, ginsterartiges Gebüschmit hartem Laub, welches nichtsdestoweniger den Kameelen,Schafen und Ziegen willkommen ist. Bisweilen zeigt sichauch zwischen den Steinen jene den Pilgern so willkom-mene sogenannteRose von Jericho", deren Blätter nachder Blüthe zusammenschrumpfen, aber dann wieder mehroder weniger sich aufthun, wenn man sie in's Wasser stellt.

Um die größeren Sträuche, welche den Flugsand auf-halten, bilden sich dann oft Erhebungen bis zu einemMeter Höhe, welche der Zufluchtsort für manche Thiereder Wüste werden. Besonders die Springmäuse, mehrereEidechsen und vor allem die mit Recht gefürchtete gehörnteNatter halten sich hier auf.

Sobald die heiße Jahreszeit zu Ende geht, bedeckensich die alten Flußbette und Vertiefungen, wo die Feuch-tigkeit sich länger erhält, mit einem grünen Nasen. DieserWintervegetation ziehen nun die Nomaden nach; zu ihrsteigen sie alljährlich von den Plateaux des Atlas mitihren zahllosen Heerden hernieder, um einige Monate langihre Zelte dort aufzuschlagen, bis der Frühling sie wiederin'S Gebirge ruft. Auf dem Atlas, wo sie nur den Som-mer zubringen, ist es zu kalt, als daß die Leute ohnefesten Wohnsitz es dort lauge aushalten könnten. Da wirgerade zu Beginn des Winters dort anlangten, so hattenwir Gelegenheit, die Nomaden mit ihren Kameel-, Schaf-und Ziegenheerden Hinabziehen zu sehen. Meistens sinddiese Heerden der Sorge einiger Knaben überlassen, diemit ihren mageren Hunden auf's Gerathewohl dahinziehen,aber selbst im Winter oft weite Strecken zurücklegenmüssen, um ihr Vieh zu tränken.

Einem solchen Hirtenbuben, der mich lebhaft an diebiblische Erzählung von Jakob erinnerte, wie er die SchafeLabanS hütete, begegneten wir eine Tagreise südlich vonUed-Termel. Er kam uns freundlich entgegen und erkun-digte sich nach den Neuigkeiten im Gebirge und der StadtArn-Sefra und bot uns einen Becher voll Wüstenmilchan, die an Güte und Reichhaltigkeit nichts zu wünschen

übrig läßt. Wir gaben ihm als Belohnung für seine Ge-fälligkeit etwas Tuchan (Tabak), den er mit vielen Dank-gesprächen annahm.

Auch an wilden Thieren fehlt eS in der Wüste nichtganz. Wir sahen häufig ganze Ketten von Kangars, einebesondere Art Rebhühner, vor uns auffliegen. AuchHeerden von Gazellen, die zierlichsten aller Thiere, sahenwir mehrmals in der Ferne verschwinden. Spuren vonStraußen begegnet man vielfach; auch sind Stücke vonihren Eierschalen nicht selten. Die größeren Raubthierehatten sich bereits in ihre Winterquartiere zurückgezogen,so daß wir sie nicht zu Gesicht bekamen.

Figuig das Endziel unserer Reise ist kein Ortoder eine Stadt nach europäischen Begriffen, sondern einedrei bis vier Stunden im Umfange haltende, sehr frucht-bare Oase mit zehn Ksors, die alle befestigt sind, fernerje von einem Marabut selbständig verwaltet werden undderen Bewohner in Folge ihres streitsüchtigen Charaktersfast fortwährend in Feindseligkeiten mit den auswärtigenOrtschaften leben.

Obwohl die gegen 25,000 Palmen besitzende Oasekeinen regelmäßigen Tribut zahlt, erkennt sie doch dieOberhoheit des Sultans von Marokko namens Muley-Hassan an, und obwohl nur einen guten Tagemarschvon der französisch-algerischen Südwestgrenze gelegen, wares bisher außer dem kühnen Forscher G. Nohlfs, der sieauf einer Forschungsreise 1882 durchzog, nur wenigenEuropäern möglich, sie selbst zu besuchen.

Das Wasser, welches die unter dem 32° nördlicherBreite und 23° östlicher Länge liegende Oase speist, steigtaus der Tiefe in artesischen Brunnen herauf, wodurcheine besondere Art von Bewässerung und ein eigenthüm-licher Palmenbau entsteht. Diese Brunnen bestehen seituralten Zeiten. Das Graben eines solchen in einem Lande,wo alle technischen Hilfsmittel fehlen, ist kein kleinesUnternehmen. Es gibt aber unter den Arabern eine eigeneNasse, die dasselbe gewerbsmäßig betreibt. Kein Wunderalso, daß das Brunnengraben in einem solchen Landeund bei einem so abergläubischen Volke mit großer Feier-lichkeit begangen wird. Ist nämlich alles bis zur letztenOperation fertig, so steigt der Marabut (eingeborenerPriester) hinab, nachdem zuvor viele Beschwörungsformelnund Gebete gemurmelt wurden. Er durchbohrt die leichteGypsdecke und läßt sich mit aller Geschwindigkeit wiederemporziehen. Das heißt bei den Arabern «den Felsen an-schlagen". Das Wasser folgt mit reißender Gewalt, undein neuer Brunnen ist wieder hergestellt.

Der nunmehrige General Negrier ließ bei Sidi-Scheik einen eingefallenen Brunnen von den Spahis undLegionären in zwei Tagen unter Zuhilfenahme zweierOraner Bohrmaschinen graben. Ein ergiebiger Brunnensprudelte, 2000 Liter Wasser per Minute gebend, ausdem verlassenen Schacht. Dieses Ereigniß erregte denJubel der ganzen Oasenbevölkerung und war von er-greifenden Scenen begleitet. Die. Eingeborenen eilten inMenge herbei und stürzten sich über den gesegneten Quell,der aus den dunklen Tiefen der Erde heraufgeholt wor-den. Die Mütter badeten ihre Kinder darin, der alteScheik von Stdi-Scheik konnte beim Anblick des Wassers,das seiner Familie und der Oase seiner Väter das Lebenwiedergab, seine Rührung nicht bewältigen; er sank aufdie Knie, und mit Thränen in den Augen erhob er dieHände zu einem Dankgebet.

Durch diese Begünstigung wurde die Ueberlegenheit