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der Rumi (Europäer ) von den Eingeborenen ohne Wider-spruch anerkannt.
Die Figuiganer und ihre Nachbarn sind echte Berberund als solche weiß- und schwarzhaarig wie die Süd-europäer. Eines jedoch fiel mir auf, nämlich die sehr ge-streckte Form ihres Kopfes, es sind wahre Langköpfe.Das Gesicht ist nicht eckig, sondern schmal, die Zähneflehen senkrecht und sind wie bei all diesen Völkern wunder-schön und sehr weiß. Ihr Körper ist schlank, sehnig undeiner großen Ausdauer fähig. Wunderbar muß namentlichdie Ausdauer ihrer Lungen sein, denn so schnell wir auchvon Zeit zu Zeit auf ebenem und hartem Boden dahin-sprengten, so sind sie uns doch immer gefolgt und fandennoch Zeit, wenn hin und wieder eine seltene Pflanze sichzeigte, sie für unsere Officiere zu sammeln. Fetten Leutenbegegneten wir durchaus nicht, mit Ausnahme einigerCaids, die keine Berber, sondern von echtem arabischemStamme sind; Manche behaupteten sogar, sie seien vomStamme der Koreischiten, d. h. Nachkommen des Pro-pheten.
Der Kalif , welcher von unserer Ankunft von Dschenien-bu-Rezk aus unterrichtet worden war, kam uns bis Mliha-fiafi entgegen, und zwar in Begleitung von einem halbenDutzend Caids (Bürgermeister), mehreren Kadis oderRichtern und einer Anzahl von Gums (Leibwache). Ertrug einen braunen Burnus (Mantel) mit breiten Auf-schlägen, auf welchen das Wappen seiner Familie in Goldund Silber gestickt war. Im Gürtel trug er werthvollePistolen mit schönen damascirten Verzierungen. An derlinken Seite hing vom Sattel ein Pantherfell hernieder,wahrscheinlich eine Trophäe aus seinen jüngeren Jahren.Er ritt ein munteres Füllen, dessen Mähne und Schwanzgeschoren waren. Es ist Brauch unter den arabischenGroßen, den Pferden während mehrerer Jahre die Mähnezu scheeren, damit sie nachher um so üppiger wachse. Soritten wir eine Zeit lang über die Saudhügel hinweg,bis wir plötzlich hinter einer Düne Figuig , die Haupt-stadt und Residenz des Kalifen, mit ihren Hunderten vonkleinen Kuppeln vor uns hatten. So oft wir einer ebenenFläche zwischen zwei Dünenzügen begegneten, wurde die-selbe zu einer Fantasia oder Neiterparade benützt, wobeidie Gums Gelegenheit fanden, ihre und ihrer Pferde Ge-schicklichkeit zu zeigen. Als ein besonderes Kunststück gilteS, sein Gewehr im gestreckten Galopp auf ein bestimmtesZiel abzufeuern.
Als wir uns der die Oase umgebenden zwei Meterhohen, crenelirten und von Thürmen flankirten Wallmauernäherten, klang gerade von den Minarets der mit demHalbmonde geschmückten Moschee der Ruf zum Gebete.Die einfache Melodie des „^.IlaUu airdarl«, d. i. „Gott ist groß", welche wir im Norden des 390,000 Quadrat-Kilometer Flächeninhalt betragenden Reiches Algier so oftgleichgiltig angehört hatten, erfüllte uns hier unter denPalmen der Sahara mit tiefer Andacht. Sobald dieserTon erschallt, steht wie durch Zauberei, das geschäftigeTreiben des islamitischen Orients und Occidents still.Jedermann wendet sich nach Osten, um sein Gebet zusprechen, und bleibt, bis dasselbe beendet ist, theilnahms-los für Alles, was um ihn her geschieht. Als der Rufzum Gebete erklang, wollte eine große Karawane geradeIn das Thor von Figuig einziehen. Kaum hatte der Führerderselben den ersten Ton des Gebetsrufers - Muezzingenannt — vernommen, als er von seinem Rosse sprangund sich behend nach Osten wandte. Alle seine Reise-
gefährten folgten seinem Beispiele, um nach vollendeterAndacht ihre Kameele von Neuem zu besteigen und jauch-zend in die Oase einzuziehen.
(Schluß folgt.)
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Die „Donauregulierung am Eisernen Thor",
welche in den letzten Tagen wiederholt erwähnt wurde,bezweckte die Herstellung von Schifffahrtskanälen in denFelsenbänken, welche innerhalb der etwa 120 Kilometerlangen Klissura, also der Donaustrecke von Alt-Moldowabis zum Eisernen Thor, 7 Klmtr. unterhalb Orsova, inverschiedenen Gruppen die Donau quer durchsetzen unddadurch die sogenannten „Donaukatarakte" hervorgerufenhaben. Diese Felsenbänke treten bei niedrigem Wasser-stand theils bis zur Oberfläche des Wassers, theils sogarüber dieselbe hinaus. Die tieferen Rinnsale zwischenihnen dienten als Fahrstraße, doch war eL immer ge-fahrvoll, hindurchzukommen, bei Niedrigwasser aber garnicht möglich. Die großartigste der Felsenbänke bildetdas geschichtlich denkwürdige Eiserne Thor unterhalbOrsova und gleichzeitig eine SchifffahrtSgrenze, da unter-halb der Strom von Turn-Severin bis zum SchwarzenMeere für tiefgehende Schiffe frei ist. Der großartiggewachsene Seeverkehr bis Galatz und Braila, bis wohinSeeschiffe mit sieben Meter Tiefgang gelangen, machte eSwünschenswerth, auch Ungarn an diesen Seeverkehr an-zuschließen, was nur nach Beseitigung der SchifffahrtS-htndernisse in der Donau erreichbar war. Diese Er-wägungen veranlaßten den früh verstorbenen ungarischenHandelsminister Baross de Beluß, d'e Donauregulirungauf Kosten der ungarischen Regierung ins Werk zu setzen,als deren geistiger Urheber er anzusehen ist. Die tech-nische Ausführung übernahm die Maschinenfabrik G.Luther in Braunschweig durch ihren Inhaber HerrnH. Luther. Eine eingehende Beschreibung mit zahlreichenAbbildungen enthält die Wochenschrift „Prometheus",welcher auch die nachstehenden Angaben entnommen sind.
Die Donauregulirung umfaßte das Aussprengen vonSchifffahrtskanälen unter Wasser bet Stenka, Kozla-Dojke,Jzlas-Tachtalia und Jucz, sie sollten 60 Meter Sohlen-breite und 2 Meter Tiefe unter Null des Pegels vonOrsova erhalten. Unterhalb Tachtalia war ferner vonder in die Donau vorspringenden Bergnase des Grebeneine Strecke, etwa 400 000 Kubikmeter Felsen ausmachend,abzusprengen und unterhalb desselben ein etwa 7 Kilo-meter langer Steindamm in der Donau zur Verengungdes Flußbettes und Aufstauung des Wasserspiegels an-zuschütten. Die großartigste und schwierigste Aufgabeerwuchs am Eisernen Thor. Dort sollte am südlichenUfer der Donau ein Kanal von 80 Meter Sohlenbreiteund 2 Meter Tiefe durch das Felsengewirre im Strom-bett hergestellt werden; dazu waren Seitendämme vonzusammen etwa fünf Kilometer Länge anzuschütten, vondenen der im Strome liegende Damm 6, der am Uferliegende 4 Meter Kronenbreite erhalten sollte. Dadurch,daß man diese Dämme zuerst herstellte und aus demdurch sie eingeschlossenen Becken das Wasser auspumpte,konnte hier das Ausbrechen des Gesteins zu Tage, alsonicht unter Wasser ausgeführt werden.
Im Laufe der Arbeit selbst aber wuchsen die Pläne,als sich am unerwartet schnellen Fortschreiten derselbender Blick über die Tragweite des Unternehmens erweiterte