266
Damaskius schreibt in seinem „Leben des WeltweisenJsidor": Glaubwürdige Leute versichern, daß man voneiner Ebene Siziliens aus häufig feindliche Reiter in derLuft miteinander kämpfen sehe. Dies komme besonders anjenen Tagen des Sommers vor, wo die Sonne von wolken-losem Himmel ihre Strahlengluth zur Erde sende.
Nach der Entdeckung Amerikas berichtet der SpanierHerrera: Die heidnischen Bewohner Guatemalas sahenöfters ihren Abgott, umgeben von vielen andern Göttern,in den Wolken schweben. Unvermögend, die Erscheinungzu erklären, fielen sie demüthig in den Staub und betetendas Wunder an. — Das Bild des Gottes wurde feier-lich am Meeresufer verehrt, und bei solchen Gelegenheiten
Siziliens aus, wenn die Morgenröthe nahe, verschiedeneThier- und Menschengestalten in der Luft erblicke; dieeinen schienen unbeweglich, während die andern hin undher huschten, bis sie von der aufsteigenden Sonne ver-scheucht würden.
-»-
Ueber Bauchrednerei.
- (Nachdruck verdaten.j
Der Name dieser Kunst entstand durch den irrigenGlauben, daß bei ihrer Ausübung die Stimme im Bauchegebildet werde. Der Bauchredner spricht jedoch wie jederandere Mensch, nur vermeidet er, die Lippen merklich zu
U
T r i r st.
spiegelte sich nicht selten das Götterfest in den Wolkenab. Darum hörte die Erscheinung auch auf, als von denchristlichen Sendboten das Götzenbild zerstört worden war.
Auf gleiche Weise, meint der berühmte Kircher, läßtsich auch der Irrthum der mauritanischen Hirten erklären.Diese glaubten nämlich, wenn sie beim lärmenden Spielihre mit Thierfellen bekleideten Gestalten in der Luftschweben sahen, und der Widerhall der Gesänge, derPfeifen- und Flötentöne hundertfach aus den Waldes-schluchten schallte, die Gegend sei mit Teufeln und Ge-spenstern angefüllt.
Eine andere, von den bisher beschriebenen Luftbildernabweichende, geheimnißvolle Erscheinung schildert ThomasFazette. Er erzählt, daß man von einem Küstenorte
öffnen oder zu bewegen. Er muß lediglich verstehen, nachtiefer und genügender Athemholung langsam und gemessendie Luft wieder auszuathmen, dabei aber den Klang so-wie die Färbung der Stimme mittels Kehlkopfmuskeln undGaumensegel so abzuändern, daß die Stimme dumpfer,verändert und aus der Ferne kommend erscheint. Freilichwird dabei die Lunge angestrengt, so daß der Bauch-redner von Zeit zu Zeit genöthigt ist, mit natürlicherStimme zu reden, um sich zu erholen. Durch diesen Wechselwird auch die Täuschung erleichtert. Die Bauchrednersprechen ferner auch, indem sie einathmen. Der Ton,welcher so entsteht, scheint aus der Mauer oder vom Fensterher zu kommen. Um die Illusion zu vollenden, ahmen siedie Betonung eines aus großer Entfernung Rufenden nach