Ausgabe 
(8.5.1894) 37
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nämlich meinem Freunde erzählt. Uebrigens habe ichIhnen wohl noch gar nicht mitgetheilt, daß Mr. Prienein auffällig schöner Mann von hoher, prächtiger Körper-gestalt, ganz besonders kleinen Händen und Füßen, miteinem Wort ein germanisch-blonder Recke sein soll, dessenunglückliche Frau drüben im letzten Dezember gestorbenist. Von mehreren Kindern, welche ebenfalls gestorbensind, hat er ein einziges nur behalten, mein Freundwußte nicht, ob es ein Knabe oder Mädchen, da das-selbe in der Pension erzogen worden ist. Diese Personal-beschreibung paßt freilich auch auf Andere, zum Exempel,wie mir eben einfällt, auch auf diesen Herrn Steindorf."

Marbach hatte den letzten Satz im gleichgültigstenTone, ohne den Maler dabei anzusehen gesprochen.

denkt denn auch daran?" versetzte Marbach,aber Vieleswürde dadurch in die rechte Beleuchtung kommen. DerSchuß zum Exempel, der mir galt, er mußte unzwei-felhaft durch Feindschaft gelenkt worden sein. Wir beide,mein Freund und ich, waren dem mörderischen Schützenzuviel in der Welt. Liegt in dieser Behauptung keineLogik?"

Freilich freilich, aber hüten wir uns doch,einen solchen ungeheuerlichen Gedanken laut werden zulassen, mein bester Marbach, der Tod des Kindes wäresein bester Schild."

Er könnte sich ja leicht durch das Fehlen jenesKennzeichens reinigen," meinte Marbach, den eine fieber-hafte Unruhe zu erfüllen schien.Bedenken Sie, Rein-

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Tanzende Derwische.

Eine augenblickliche Stille trat ein, als er sichwieder zu Reinhardt umwandte, sah er diesen mit er-blaßtem Gesicht unbeweglich vor sich Hinstarren. Dannbegegneten sich ihre Blicke mit einem festen Ausdruck.

Hat die Polizei eine solche Personalbeschreibungerhalten?" fragte Reinhardt.

Allerdings, bis auf den rothen Strich. Ichglaube, daß Herrn Steindorf ein zierlicher Schnurrbartauch sehr verjüngen würde."

Der Maler erhob sich rasch und schüttelte sich, wievon einem plötzlichen Grauen ergriffen.

Nein, nein, das wäre zu gräßlich," sagte er,denken Sie an das erschossene Kind!"

Ein furchtbarer Zufall, keine Absichtlichkeit, wer

hardt, wenn es diesem unheimlichen Menschen glückte,Fräulein Holten zu heirathen."

Der Maler sah ihn nachdenklich an.

Na, wir können's nicht hindern"

Vielleicht doch," knirschte Marbach mit einemwahrhaft ingrimmigen Lächeln.Irgend eine guteFreundin müßte Ortrud spielen und der leichtgläubigenElsa von Brabant etwas Mißtrauen gegen ihren blond-bärtigen Lohengrin in's Ohr träufeln. Zum Exempel,weßhalb er den häßlichen Kinnbart, der ihn ganz ent-schieden älter macht und sogar seiner Schönheit Eintragthut, sich habe wachsen lassen? Wenn Elsa daraufbestände, ihn ohne denselben zu sehen"

Ja, wenn, mein Lieber!" rief Reinhardt, laut