281
lachend, „wenn Armgard Holten zu der Sorte dieserElsa's gehörte! — Aber dergleichen ist bei ihr un-denkbar, eine Ortrud fände bei ihr keinen fruchtbarenBoden. Uebrigens," setzte er sehr ernst hinzu, „istIhr Verdacht auch im Grunde so ungeheuerlich, daßderselbe, wie ich fürchte, Ihrer Abneigung gegen Stein-dorf zumeist wohl entspringt. Nehmen Sie sich inAcht, lieber Marbach, mit solchen Gedanken ist nicht zuscherzen."
„Mögen recht haben, alter Freund," sagte derjunge Mann mit einem kräftigen Händedruck, „ich fühlestarke Abneigung gegen jenen Mann, das ist wahr,habe aber auch die Ueberzeugung, daß er mein Tod-
Reinhardt legte dem Erregten die Hand auf dieSchulter und sah ihm besorgt in die Augen.
„Scheinen meiner Treu auch zu fiebern, lieberJunge!" sagte er theilnehmend, „die teuflische Geschichtebringt ja das solideste Gehirn aus Rand und Band.Nun lassen Sie sich mal etwas sagen, Marbach! —Wenn Armgard Holten so bodenlos charakterschwach seinsollte, diesen Steindorf zu heirathen, dann hat sie ihrSchicksal verdient, denn des Menschen Charakter ist seinSchicksal und umgekehrt. Was mich nun anbetrifft, soglaube ich nicht daran, sondern halte sie für ein con-scquentes Frauenzimmer, das wohl augenblicklich unterso aufregenden Umständen den Kopf verlieren kann, ihn
Hrulcnde Derwische.
MMMM
V -
AM«
.»EN-'MÄÄ
KMMBK
MM
NSW
E»
MM
feind ist und mich herzlich gern aus dem Wege räumenmöchte, falls er damit sein "väterliches Gut wieder ge-winnen könnte. Wissen Sie^ es schon, daß FräuleinHolten plötzlich erkrankt ist?"
„Nein, - das sagen Sie mir erst jetzt?"
„Ich erfuhr es zufällig durch meinen Verwalter.Der Arzt fürchtet ein Nervenfieber, jetzt wird sich Stein-dorf wohl der Herrschaft dort bemächtigen. Nun, waskümmert's mich, vorerst wird die Hochzeit doch nichtstattfinden können, oder er müßie sich mit ihr auf demKrankenbette trauen lassen, da sie ihm, wie alle Weltglaubt, eine derartige Genugthuung des todten Kindeshalber nun einmal schuldig sein soll. Ist das auch IhreMeinung, bester Freund?"
aber auch zur rechten Stunde wiederfinden wird. Einst-weilen ist sie unter der Obhut des Doctor Peters undder alten Mamsell Evers, und diese beiden werden denPatron wohl vonihremKrankenzimmer fern zuhaltenwiffen."
Marbach's Gesicht hatte sich bei diesen Wortendes Malers erhellt, er drückte ihm stumm die Hand undfragte nach einer Weile: „Wie mag es der alten TanteHanna ergehen?"
„Na, die Aerzte hoffen sie am Leben zu erhalten,wollen sie aber, wenn ihr Zustand es erlaubt, in'sKrankenhaus bringen lassen, um sie genauer beobachtenund vielleicht noch einer Operation unterziehen zu könnenSchade, daß sich das Gehirn der Alten verschoben haich glaube die Aerzte haben Lust, mal hineinzuschauen.