Ausgabe 
(22.5.1894) 41
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mit rmktoskvpischen Untersuchungen, ohne daß es ihm gelungenwäre, .ine neue Entdeckung zu machen. Er ist von seinemMißgeschick wenig erbaut und wird in die höchste Aufregungversetzt, als ihm ein anderer Ordensmann mittheilt, er habenun einen neuen Bacillus entdeckt und ihn regelrecht unterdas Vergrößerungsglas gebracht. Ob der neueste Bacillusirgend ein kleines Thier oder ein minimaler Theil der Priseist, die einer der zuschauenden Patres seinem Riechorgan zu-führen will, ist auf dem Bilde leider nicht zu unterscheiden.Jedenfalls kann man sich an der sorgfältigen Ausführungder Details und an der vorzüglichen Zeichnung erfreuen, dieRauecker geliefert hat.

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Allerlei.

Ein socialistischer Mönch. Am 16. April habendie Trappisten auf dem Oelenberg bei Mülhausen imElsaß einen ihrer Mitbrüder begraben, einen alten Mannvon 78 Jahren, einfach und arm, wie es die strengeRegel vorschreibt, und doch hat der Mann mehr für seineMitmenschen gethan, als Mancher, der in der Welt glänztund Titel und Orden trägt. Von dem Manne nur einpaar Zeilen. In der Welt hieß er Alois von Bostel undstammte aus vornehmer westfälischer Familie, die zuBocholt ansässig war, wo Alois 1816 geboren wurde.Zum Glanz und Reichthum der Familie kam eine glän-zende Begabung; dem Jüngling stand in der That dieWelt offen, kein nothwendiges Mittel fehlte, um jedeStellung mit Erfolg anzustreben. Da ging Alois vonBostel in's Seminar und wurde katholischer Geistlicher.Der junge Priester war der Schwestcrfohn des Kardinalsvon Diepenbrock, Fürstbischofs von Breslau. Diepenbrockwar ein ganz ausgezeichneter Bischof, und, was nichtjedem Bischof zu Theil wird, er besaß in hohem Gradedas Ohr seines Königs, Friedrich Wilhelms IV. vonPreußen. Es wäre dem jungen Bostel ein leichtes ge-wesen, in der Diöcese des Onkels geistliche Carriäre zumachen. Er ließ aber den Onkel in Breslau und bliebin der Heimathsdiöcese Münster einfacher Pastorations-geistlicher, wie andere auch. Diepenbrock starb. PfarrerAlois von Bostel war bereits 42 Jahre alt geworden.Da verließ er Welt und Heimath. Auf dem Oelenbergtrat er im Jahre 1858 in den strengsten aller Orden,um alles abzulegen, was an weltliche Ehre und irdischenBesitz erinnert, und die eigene edle Person in Buße undSchweigen zu begraben. Bald sollte indeß der neue Namedes Ordensmannes, Fulgentius, bekannter werden,als der des westfälischen Edelmannes Alois von Bostel.Ill Fulgentius derLeuchtende" würde es auf deutsch heißen wurdeBeichtvater der Fremden", d. h. derGeistlichen und Laien männlichen Geschlechtes, welche dasKloster Oelenberg besuchten. Wer selbst dort war, weiß,daß kein Tag vergeht, ohne daßFremde" kommen;neben Hunderten von Geistlichen Männer aus allen Lebens-stellungen : Jünglinge in Bernfszweifeln, junge Männer,die nach der Zeit des Sturmes und Dranges wieder ihrenFrieden mit Golt machen wollen, auch Geheimkatholikenaus der vornehmeren Gesellschaft und Beamtenwelt, diedaheim nicht beichten mögen. Für sie alle war derFulgentius ein überaus milder, freundlicher und dabeieifriger Berather und Seelsorger, und wer einmal da-gewesen, kam immer wieder, so daß der gute Pater täglichvon dem kleinen Oratorium aus stundenlang daran arbeitete,Gott zu versöhnen und der Welt den Frieden zu geben.Auch brieflich war er in letzterem Sinne vielfach thätig,und Hunderte, die ihren Beruf gefunden, ihren Seelen-

frieden wiedererlangt, von Lebensüberdruß und Verzweif-lung geheilt, zu ihrer Pflicht und damit zu ihrem Lebens-glück wiedergekommen, mußten, nach der Ursache so gün-stiger Fügung gefragt, den Namen des ?. Fulgentiusnennen. Mit Recht schreibt dasMülhauserVolksblatt":k. Fulgentius wird nicht so bald vergessen werden, be-sonders nicht von jenen unzähligen Seelen (nota. staiis, essind ausschließlichMännerseelen", da Frauen im Klosterkeinen Zutritt haben), die er im Beichtstuhl von Oelen-berg so wunderbar zu trösten und zu einem tugendhaftenLeben anzuleiten gewußt hat." Jetzt ruht der edle Greisauf dem Trappistenfriedhof zu Oelenberg, ohne Sarg derMutter Erde übergeben, wie es die Regel vorschreibt, imglatt geebneten Grab. Nur ein Holzkreuzchen, nicht 20Pfennig werth, weist die Stätte, wo der westfälische Edel-mann seinen Lebensweg vollendet, in freiwilliger Armuthund langer Buße für sich selbst, in unermüdlichem Wohl-thun und Sorgen für die höchsten Anliegen seiner Neben-menschen.

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- Eine hübsche Stilblüthe zeitigte einer derhöchsten geistlichen Würdenträger in Berlin bei Gelegen-heit der Konferenz der Jungfrauenvereinsvorstände. Beieiner an den Gang der Jünger nach Emmaus anschließen-den Nutzbetrachtung kam er zu dem Schluß:Wer einenSpaziergang in's Grüne ohne Gott macht, läuft in'sBlaue."

Polizeiverordnung. Mit anbrechender Dunkel-heit hat fortan jedes Fuhrwerk eine Laterne zubrennen. Die Dunkelheit tritt ein, wenn dieStraßenlaternen angezündet werden.

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Schachaufgabe.

Schwarz.

Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt.

(Wir bitten, bei dieser Aufgabe nicht gleich ein Versehen desSetzers zu vermuthen, wenn auch dem geübten Löser die Lösungeigenartige Schwierigkeiten bereitet. Weiß verbirgt durch ein sehrfeines Scheinmauöver die von ihm befolgte Idee!)

Auflösung des Arithmogryphs in Nr. 38:

Leopard, Opal, Perle, Oel, Adele, Leo, Alce , Paar.

Auslösung des Bilder-Räthsels in Nr. 39:

Frauen kann man überreden, nie überzeugen.

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