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„Augsburger PostMungv.
Ireitag, den 25. Mai
18SH
Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarilchen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer Dr. Max Huttler).
Tante Kanna's Geheimniß.
Original-Roman von E. von Linden.
(Fortsetzung.)
Der Commtssar erzählte jetzt vsn dem Blitzstrahl/welcher das Haus der alten Tante Hanna eingeäschert,und dem seltsamen Befund dex Greisin, sowie ihrer Be-raubung durch fremde Hand; von den tödtlichen Schüssenim Hohlwege, durch welche zwei Menschenleben vernichtetworden und ein drittes nur durch ein Wunder demsicheren Tode entgangen war, und schloß mit dem ebensounheimlichen Attentat oben im Gebirge, welches wiederumzwei Opfer gekostet habe, von welchen das eine wahr-scheinlich dem Tode verfallen, das andere halbblindbleiben werde.
„Ooääaml" rief der Amerikaner, sich erregt er-hebend, „und der Hund sollte lebendig davon kommen?
— Er ist hier im Ort gewesen und keiner weiß vonihm? — Den hätten wir drüben schon gepackt und ge-lyncht. — Gar keine Spur von ihm als diese Knöpfe?
— Ich kalkulire, daß er den zweiten in der Westen-tasche getragen hat, weil Mr. Prien zu sehr Dandy war,um verschiedene Knöpfe zu nehmen. Gar keine andereSpur, Sir?"
Dem Kommissar wurde in diesem Augenblick voneinem Schutzmann ein Brief überreicht. Er riß dasCouvert auf und überflog die mit Bleistift geschriebenenZeilen.
„Keine Antwort nöthig," sagte er, worauf sich derSchutzmann zurückzog.
„Dies Briefchen kommt von meinem geschicktestenDetectiv," fuhr er rasch fort, „er ist auf der Suchenach Mr. Prien, und wenn einer, so findet er denPatron. — Haben Sie schon ein Unterkommen, Mr.Hilbrecht?"
„Im Kronprinzen wohne ich."
„Gut, ich erwarte bald Nachrichten von meinemDetectiv —"
„Wo ist er?" fragte Hilbrecht ungestüm, „ich willhin zu ihm, ohne mich kann er nichts anfangen, weiler den olä ido^ nicht kennt."
„Wo er ist, oder welche Reiseroute er eingeschlagenhat, kann ich Ihnen leider nicht sagen," erwiderte derCommtssar bedauernd. „Es ist auch besser, daß er alleinseiner Spur folgt, da Sie von jenem Prien gesehen underkannt werden könnten, was seine Ergreifung vielleicht
ganz unmöglich machen würde. Besser, Sie halten sichhier ruhig im Hintergrund, Mr. Hilbrecht, bis meinDetectiv geschrieben hat."
„Das wird mir verdammt schwer fallen," meinteder Amerikaner, „ich kann nicht faulenzen. Vielleichtist der Schuft auch noch hier, und wenn ich ihm be-gegnen sollte —"
„Dann halten Sie ihn fest, wie?"
„Lzf ckovs, ich halt' ihn fest, er soll mir nichtentkommen."
Der Kommissar betrachtete ihn nachdenklich.
„Wollen Sie mich zu Mr. Marbach begleitend"fragte er plötzlich.
„0 ^88, 8ir, mein Wagen, der mich hierhergefahren,hält noch vor der Thür."
„Vortrefflich, dann kann's gleich losgehen."
Er klingelte und gab dem eintretenden Schutzmanneeinige Befehle, worauf sie das Gebäude verließen undder Wagen mit ihnen davonrollte.
Der Kommissar ließ bei der Brandstätte halten,um Mr. Hilbrecht einige Erklärungen über den Fund-ort deS einen Manschettenknopfes zu geben, und zeigteihm dann später, als sie durch den Hohlweg fuhren, dieStelle, wo Warneck und das kleine Mädchen erschossenworden waren.
„Ja, zu schießen versteht er," sagte Hilbrecht, be-wundernd nach der Höhe, von wo die Schüsse gefallenwaren, hinaufschauend. „Trifft den Vogel im Flugeund hat, glaub' ich, noch nicht ein einziges Mal seinZiel verfehlt."
„Hat wohl den amerikanischen Krieg mitgemacht?"fragte der Kommissar.
„0 no, war viel zu jung dazu, höchstens zehnJahre drüben gewesen."
„Kannten Sie seine Frau, Mr. Hilbrecht?"
„O ^68, eine Lady vom Kopf bis zu den Füßen,— früher eine Schönheit gewesen, früh Ruine geworden,ihr Mann war ein Schurke gegen sie, verspielte Allesund hinterging sie. Er hat sie umgebracht durch Schlech-tigkeit. Starb im letzten December, arme Frau!"
„Der Kerl muß ein Unikum an Niederträchtigkeitsein," bemerkte der Kommissar, „dabei schlau und fein-gebildet, ein Apoll an Schönheit, ich bin wirklich rechtbegierig darauf, die Bekanntschaft dieses Mr. Prien zumachen."
„Armer Mr. Warneck," brummte Hilbrecht, „war