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schnitt 33 Mk., in Halbleder mit echter Vergoldung undGoldschnitt 36 Mk., in Kalbleder mit echter Vergoldungund Goldschnitt 48 Mk., in Schweinsleder mit echterVergoldung und Goldschnitt 66 Mk. 2) Das NeueTestament: gebunden in Leinen mit Brouzevergoldungund Rothschnitt 8,50 Mk., in Leinen mit Goldschnitt10 Mk., in Halbleder mit echter Vergoldung und Gold-schnitt 15 Mk., in Kalbleder mit echter Vergoldung undGoldschnitt 25 Mk., in Schweinsleder mit echter Ver-goldung und Goldschnitt 40 Mark.
Für diejenigen, deren Geldbeutel die Bezahlung desganzen Betrages auf einmal nicht zuläßt, sei bemerkt,daß Pfcilstückers Bibel auch gegen monatliche oder viertel-jährliche Ratenzahlungen oder auch allmählich in zusam-men 42 Heften zu 50 Pf. durch jede Buchhandlung oder auchdirekt von der Verlagsbuchhandlung bezogen werden kann.— -
Ein Kadetrunk.
(Zu unterem BUd Seite 327.)
Das war eine mühsame Wanderung heute. In der Hitzedes Sommernachmittags nicht gerade zum Vergnügen in denBergen umherstolpern zu müssen ist eine schwere Ausgabe beson-ders für den, der an der Bergquelle mehr die poetische Seitekennt, als den praktischen Nutzen des Wassers. Wie einladendwinkt da das freundliche Gasthaus, in dem der Wanderer zuseiner großen Freude vernimmt, daß eben frisch angestochenwurde. Ein prüfender Blick auf das volle Glas hat das be-stätigt. Hei, wie das schmeckte! Der dienstbare Geist ist auchordentlich erfreut über das Wohlbehagen, das sich auf demAntlitz des Gastes nach dem ersten kräftigen Zuge ausprägt.Freilich mag das Vergnügen noch die Aussicht erhöhen, daß esnoch lange nicht das letzte Glas ist, um das der Fremde heutedie Biervorräthe des Wirthes verringern wird. Pros't!
-S-KWcS-
Allerlei.
Die englische Monatschrift „The new Neview" ver-öffentlicht bisher unbekannte „Memoiren", die über dasLeben und Treiben am Hofe des spanischen KönigsFerdinand VII. neues Licht verbreiten. Die „Nation"giebt aus diesen Erinnerungen folgende anschauliche Schil-derung wieder: Ferdinand, der Gemahl der späterenKönigin-Regentin Christine, hatte bekanntlich durcheine pragmatische Sanktion im Jahre 1830 — kurz vorder Geburt der späteren Königin Jsabella — die An-sprüche weiblicher Nachkommen auf den spanischen Thronsicher gestellt und dadurch zugleich die Erbansprüche seinesBruders Don Carlos zerstört.,. Als nun wenige Jahrespäter der König in eine schwere Krankheit verfiel, suchtedie carlistische Partei, an deren Intriguen sich auch derPremierminister Calomarde betheiligte, den todkrankenKönig zu bewegen, von der pragmatischen Sanktion zu-rückzutreten. Die „Memoiren" erzählen nun weiterFolgendes: Die Carlisten hatten keinen Augenblick mehrzu verlieren; Calomarde setzte das Papier, durch welchesdie Tochter des Königs von der Thronfolge ausgeschlossenwerden sollte, auf und erlangte ohne große Schwierigkeitendie Unterschrift des todkranken Königs. Die KöniginChristine, durch Nachtwachen geschwächt, entmuthigt, ver-lassen, von Feinden umgeben, hatte nicht die Kraft, demKomplott Widerstand zu leisten. Die in der Form einesKodizills verfaßte Urkunde war kaum unterzeichnet, alsFerdinand in einen starrkrampfartigen Schlaf verfiel.Man nahm an, er sei todt, und Calomarde erklärteöffentlich, daß er es sei. Der französische Gesandtesandte die Nachricht nach Paris , und Christine dachtedaran, zu fliehen! Ihre Sachen wurden thatsächlich schongepackt. Don Carlos benahm sich als König. Die
Höflinge begrüßten ihn mit dem Titel Majestät, dasVolk sammelte sich um den Palast, bereit, dem neuenHerrscher zu huldigen. Da ereignete sich etwas völligUnerwartetes. Die ältere Schwester der Königin Christine,die Jnfantin Carlotta, Gemahlin eines jüngeren Brudersdes Königs, des Jnfanten Franz de Paula, erschienplötzlich auf der Bildfläche. Donna Carlotta hatte seinerZeit die Heirath ihrer Schwester Christine mit dem KönigFerdinand vermittelt und auch bei dem Zustandekommender pragmatischen Sanktion ihre Hände im Spiele gehabt.Jetzt kam sie wie ein Wirbelwind in den Palast dessterbenden Königs. Sie hatte in ihrer Residenz, tief imInnern von Andalusien, erfahren, was vorging: dieKrankheit des Königs, sein vermuthliches Ende, dieIntriguen der Carlisten, ihrer Schwester verzweifeltepolitische Lage und die mutmaßliche Zerstörung ihreseigenen Werkes. Ohne Zeit zu verlieren, hatte sie an-spannen lassen und kam nun in fliegender Hast, ent-schlossen um jeden Preis ihrer Nichte Jsabella die Kronezu retten. Die erste Person, auf welche sie im Palaststieß, war kein Anderer, als Calomarde selbst. Es kamzu einer heftigen Auseinandersetzung in der Galerie desköniglichen Schlosses. Calomarde versuchte, die Jnfantinam Weitergehen zu hindern. Die Jnfantin überhäufteihn mit Vorwürfen. Als aber Alles nichts half, schriesie außer sich vor Wuth den Premierminister an: „Ah,Sie wollen mir den Eintritt verweigern!" und damitgab sie ihm eine schallende Ohrfeige. Der Minister wareinen Augenblick starr vor Verwunderung, dann aberverbeugte er sich und sagte gezwungen lächelnd: Zlanoastlaneas no otksnäair ssnoru: (Weiße Hände beleidigennicht, Senora!) karo (aber sie treffen), ant-
wortete die Jnfantin, und damit eilte sie in das Gemachdes Königs. Hier fand sie ihre Schwester Christine,die völlig den Kopf verloren hatte, unfähig, einen Ent-schluß zu fassen. Sie redete sie auf italienisch an: Voisiate nun ra^ing, äi ooinrll6<1ia>l (Du bist eine Theater-königin!) Und ohne ihrer Schwester weiter Beachtung zuschenken, schreitet die Jnfantin auf das Bett zu, wo derKönig ausgestreckt liegt, faßt ihn an dem Arm, schütteltihn und ruft: „Fernando, Fernando, antwortet mir!"Der König öffnet die Augen und stiert umher. Sobalddie Jnfantin dies bemerkt, zieht sie ihn aus dem Bette,stellt ihn auf seine Füße, richtet ihn auf, führt ihn ansFenster, reiht dieses auf und schreit, indem sie den beinaheleblosen Körper dem erstaunten Volke zeigt, mit lauterStimme: Gutes Volk, sieh her, Dein König ist nichttodt! Die aufregende Scene, deren Einzelheiten früherniemals bekannt geworden sind, wenn gleich CalomardesAntwort auf die Ohrfeige durch die weiße Hand derJnfantin Carlotta Berühmtheit erlangt hat und in L-paniensprichwörtlich wurde, drehte die Dinge um, wie maneinen Handschuh umkehrt. Ferdinand, ins Leben zurück-gerufen, erfuhr, was vorgefallen war, und wurde vonrasender Wuth gegen den Premierminister und gegenseinen Bruder Don Carlos erfüllt. Diese Wuth stellteihn soweit wieder her, daß er seinen Willen kund thunkonnte, und er lebte noch gerade lange genug, um dieUrkunde, die ihm von Calomarde abgeschwindelt war,zu zerreißen, ein neues Ministerium zu ernennen undseine Gattin Christine zur Regentin zu machen. Sowurde durch die „rnunos plunoas" einer thatkräftigenFrau dem Schicksal des spanischen Volkes und des spanischen Herrscherhauses eine entscheidende Wendung gegeben.
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