Ausgabe 
(1.6.1894) 44
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gesagt wurde, mag auch von ihr gelten. Die Kreuzigungs-gruppe entbehrt eines wirksamen, malerischen Hinter-grundes, war aber im Uebrigen von großer Würbe undWirkung. Die Kreuzabnahme erfolgte in derselben Weisewie in Oberammergau, macht aber wegen zu großerNähe der Bühne nicht den Eindruck wie dort. DenSchluß bildet die Auferstehung und als Apotheose dieVerklärung des Auferstandenen mit Schlußchor, ein er-hebender Abschluß.

Wer, wie schon gesagt, mit Wohlwollen nach Waal geht, der wird wie ich am Abende bei der Heimfahrt(billige Fahrgelegenheit ist nämlich gegeben, obschon manauf dem näheren, aber durch keine Tafel angezeigtenFußwege ebenso schnell den Weg zwischen Buchloe undWaal macht) nicht ohne Befriedigung auf den traulichenFlecken zurückblicken, und wenn ihm dabei auch die Ketteder Allgäuer Alpen nicht in so herrlicher Beleuchtungden Abschiedsgruß winkt, wie mir. Mögen diese Zeilendazu beitragen, recht Viele nach Waal zu führen. Ver-dienen thun es die biederen Schwaben dort immerhin.

A. Planer.

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Die AirMrtrger Weber zn Reichsstadt Zeiten.

(Nachdruck verboten.)

A. II. Ucbcreinstimmeud mit anderen Chronistenberichtet Paul von Stellen in seiner Geschichte der Heil.Nöm. Neichs Freyen Stadt Augsburg:Anno 055 wurdedie Stadt Augsburg von den Hnngarn hart gcängstiget,dann sie belagerten schon wirklich die Stadt, als ihnenKönig Otto mit einer gar nicht sehr großen Armee schnellüber den Hals gekommen und sie den 10. August aufdem Lechfeld in einem hitzigen Treffen überwunden. Zudiesem Sieg solle der Heil. Udalrich durch sein Gebetund Aufmunterung zum Streit, durch seinen Muth undTapferkeit gar vieles beigetragen haben. Sonderlichhaben auch die Augsburger in diesem Treffen sich hervor-gethan» dahero Otto den Webern den Schild, welchensie von einem Huugarischen Heerführer erbeutet, zumZunft-Wappen gegeben."

Geschichtlich ist diese Darstellung nicht unanfechtbar.Allerdings hatte schon Karl der Große (ft 81-1) ausseinen Meierhöfen durch Leibeigene alles, was zum täg-lichen Leben nöthig war, anfertigen lassen, nur dasSpinnen und Weben blieb ausschließlich die Arbeit desweiblichen Geschlechts. Einhundert Jahre später beschäf-tigten die Bischöfe und die königlichen Vögte in gleicherWeise an ihren Sitzen die Hörigen, unter denen bereitsauch Weber sich befanden. Diese Leute arbeiteten jedochblos für ihren Gebieter, der ihnen das erforderliche Roh-material nebst dem nöthigen Werkzeug gab und für ihrenLebensunterhalt sorgte, daher sie nicht als Handwerkerin dem Sinne erscheinen, als wollten sie mit den sichangeeigneten gewerblichen Fertigkeiten dem gemeinsamenBedürfnisse dienen, sei es vereinzelt, sei es in irgendwelcher Vereinigung unter sich. So mögen auch dieVerhältnisse in Augsburg gewesen sein, als die Hunnenden Lech überschritten und vom 7. bis 9. August 955die Stadt hart bedrängten. Bischof Ulrich rief zur Ver-theidigung alle Männer, freie und hörige, herbei, undals König Otto mit seinem Heer sich näherte, stieß derLandvogt mit dem ganzen Hansen zu demselben, und am10. August floh Attila mit dem Nest seiner Barbarenüber den Lech zurück. Der heilige Ulrich nahm an der

Schlacht persönlich nicht Theil, daß aber bei dem hef-tigen Ringen um den Sieg unter seinen und des VogtsDienstlenten die Weber sich besonders auszeichneten unddaß ihnen der Schild eines erschlagenen Anführers derwilden Horden zur Beute geworden war, hat an sichnichts Unwahrscheinliches. Gänzlich unmöglich ist aberdie Erzählung von der Verleihung der Trophäe alsZunft-Wappenschild", denn sie setzt dabei bürgerlicheVerhältnisse voraus, welche erst 3- bis 400 Jahre spätereintraten. Wann und unter welchen Umständen dieWeber mit dem roth und gelb qnadrirten Wappen begna-digt worden waren, muß bei dem Mangel urkundlicherNachweise eine offene Frage bleiben.

Mit dem Eintritts Augsburgs in die Reihe derfreien Städte des Reichs entwandten sich die Gewerbeder lästigen Fessel der Leibeigenschaft, und keines nahmso rasch an Umfang zn, als das der Weber. Auf gol-denem Boden arbeitete der Webstnhl und der lohnendeVerdienst lockte viele Weber aus dem offenen Lande hinterdie schützende Mauer. Unter den Hereingezogenen befandsich 1367 Hans Fugger aus Graben, einem Dorfe ausdem Lechfeld, und sein Name wurde in der Geschichteder Gewerbe der glänzendste, da er durch außerordent-liche Ereignisse einen europäischen Ruf erlangte und seineTräger Zn einem sprichwörtlich gewordenen Reichthumkamen, wobei allerdings der Betrieb des Bergbaues auchmitgewirkt hatte. Hans Fnggers Sohn erwarb 1370durch Verheirathnng daZ Bürgerrecht, wurde in den Rathgewühlt und hinterließ in Folge glücklich geführten Lein-wandhandcls 1409 den Kindern das beträchtliche Ver-mögen von 3000 Gulden. Der Sohn Jakob, gleichfallsein Weber, besaß ein Haus am Eöggingcrthore. Schondie nächste Generation hatte sich so emporgearbeitet, daßsie mit den hervorragendsten Familien eheliche Verbind-ungen einging. Ungeachtet aber Kaiser Friedrich III. dieFugger durch das Wappen mit den zwei Lilien geschmücktund Kaiser Maximilian I. demselben 1530 die Grafen-krone aufgesetzt hatte, ließen Raimund und Anton 1533in die Geschlechtersiube ihrer Vaterstadt sich aufnehmen.

Solange das Haus Fugger aus dem engen Kreiseder Werlstäite zu einer politischen Macht sich ausdehnte,erfuhren die Weber mit den anderen bedeutenderen Ge-werben wiederholt einen gewaltigen Umschwung in demVerhältnisse zu der Gemeinde. Die im 13. Jahrhundertin Italien aufgetauchten Gedanken über eine christlicheNegimcntsordnimg überflutheten ganz Deutschland undnährten einen Lieblingswunsch der ihrer Kraft bewußtgewordenen Handwerker, weil ihr Endziel in der Ver-treibung der Geschlechter aus dem alleinigen Besitze derNegierungsgewalt gipfelte. In Augsburg wagte dieBewegung 1303 den ersten Ansturm, der abgeschlagenwurde. Der Mißerfolg entmuthigte die Gewerbe nicht,er machte sie nur vorsichtiger, und geleitet von den zahl-reichen Webern, die durch den Verkehr mit der Schweiz längst für die Neuerungen schwärmten, trafen sie bei ihrengeheimen Versammlungen in der außerhalb des Sträf-fmgerthors gelegenen St. Jakobskapelle, weshalb mandie Häupter des Bundes gemeinhin die Jakobiten hieß,alle Maßregeln mit solcher Umsicht, daß sie erst mitder gereiften That der Bürgerschaft bekannt wurden.Als daher am 21. Oktober 1368 mit Tagesanbruch dieHandwerker in Waffen auf die Sammelplätze eilten unddie Sturmglocke läutete, vermutheten die Nathsherreneinen in der Stadt ausgebrochenen Brand oder eine von

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