Ausgabe 
(5.6.1894) 45
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dratmeilen. Der Aschenregen fiel nördlich bis Valdivia,südlich bis Castro, also in einem Durchmesser von etwa200 Kilometer 50 chilen. Meilen 25 geogr. Meilen.

Der See Llanquihue am Fuße des Vulcans miteiner Oberfläche von 40 X 41 rund 1600 Qu.-Kilometer sank im Anfange des Ausbruchs um vier Centi-meter in wenigen Minuten. Wohin ging diese Wasser-menge? In das Feuer? Denke man sich 64,000,000Kubikmeter in Wasserdampf verwandelt! Die Wirkungendieses Ausbruchs, wer kann sie ermessen?

Menschenleben sind bis jetzt nicht zu beklagen. VieleKühe sind umgekommen, das Erdreich ist aber durch dieAsche besser geworden. Mit der einen Hand züchtigtder Herr, mit der andern spendet er Wohlthaten. (K. Vztg.) --

Allerlei.

Die Hinterlassenschaft großer Componi st en.Haydn befand sich in sehr guttu Verhältnissen. Außermehreren Dutzend Schnupftabaksdosen, von denen diemeisten, mit Brillanten besetzt, Geschenke seines Gönners,des Fürsten Esterhazy, einiger Souveräne und anderervornehmer Herren waren, hinterließ er 12 goldene Preis-medaillen, ihm zu Ehren geprägt und eine Menge gold-gestickter Uniformen. Brillantringe und Brillanttuchnadelnund eine beträchtliche Summe vervollständigten sein Ver-mögen. Auch Beethoven hinterließ eine große Summein baarem Gelde. Sehr gering dagegen war, wasman bei Mozart fand. Franz Schuberts Effekten je-doch waren die eines vollständig Verarmten. Er hinter-ließ nur einen Anzug nebst 10 Gulden 54 KreuzernPapiergeld.

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Zu unseren Bildern.

Floßfahrt.

Auf der Jsar geht's abtt)

Und 's Wasser geht groß;

Dös schäumt so schön grün,

Und da arbeit' der Floß.

Jetzt geht's um a Reiben,')

Jetzt reißt's uns am Sand

Wenn ma's jetza nit richten,

Fliegt all's auseinand'I

Und der Sepp, der packt's Ruder,

Der Hiesl packt's Steuer,

Dös is dir a G'frett')

Mit dem Wafferg'schäft Heuer?)

Nur der Alte, der lachtZu dem Dirndl daneben:

Siehgst, wie durch dös Wasser,

So roast ma durch's Leben!

Ha, fürchst di' jetzt nit,

Mir fall'n allez'samm 'nein?"

Da lacht die schön' G'sellinUnd halt't st' fest ein.

Na. Alter," hat's g'sagt,

Schaug, dös is ja a Freud'

Wie wilder 's dohingeht,

Wie größer wird d' Schneid!

As Wetter und 's WasserDarf warm sein und kalt:

Wenn der nur dabei is,

An dem ma' st' halt't."

_ Karl Stieler.

Lindau.

Lindau, unmittelbare Stadt und klimatischer Kurort imbayerischen Regierungsbezirk Schwaben, auf einer Insel im Boden-see, welche mit dem Festlande durch eine 219 Meter lange Holz-

') hinab. ') eine Ecke. ') eine Mühsal. ') dieses Jahr.

brücke und durch einen 555 Meter langen Eisenbahndamm inVerbindung steht, Knotenpunkt der Linie München-Lindau derbayerischen Staatsbahn und Bludenz-Lindau der VorarlbergerBahn, hat eine evangelische und eine katholische Kirche, ein altesund ein neues Rathhaus, einen alten römischen Wartthurm(Heidenmauer"), einen bedeutenden Getreidehandel, ein Theater,zwei Seebadeanstalten, ein reichdotirtes Spital und einen sehrschönen Hafen (Maximilianshafen), an welchem seit 1856 dasStandbild des Königs Maximilian II. steht. Die Zahl der Ein-wohner beträgt mit der Garnison ca. 6000. Bedeutender Wein-,

Obst- und Gemüsebau. Lindau hat ein Amtsgericht, Hauptzoll-amt, eine Latein-, Real- und Musikschule und eine Stadtbiblio-thek. Bereits die Römer hatten aus der Insel ein Lager gegendie Vindelicier und Alemannen (Oasdrum Mdsrii). Zur Zeitder Karolinger kommt (882) der Ort urkundlich unter demNamen Lintowa vor. In einer Urkunde Rudolphs von Habs-burg von 1274 erscheint Lindau als Reichsstadt. 1331 schloß sichdie Stadt dem Schwäbischen Städtebund an. 1496 fand einReichstag dortselbst statt. Die Stadt trat 1530 der Reformationbei. 164647 wurde sie von den Schweden unter Wrangel ver-geblich belagert.

Erst 1803, beim Reichsdeputations-Hauptschluß, fiel Lindau'sSelbstständigkeit. Napoleon's eiserner Besen hatte sie über denHaufen geworfen. Der eigentliche Sieger über die ein halbesJahrtausend währende Freiheit war freilich kein Monarch vonWeltbedeutung, es war der Fürst von Bretzenheim. Lindau wurde bretzenheimisch I Erst 1605 kam die Stadt an Bayern, dem sie ihre heutige Blüthe verdankt. Der Bretzenheimer Staatverfiel dem Wandel der Geschichte.

An dem schönen Lindavia-Brunnen, welchen Thiersch inGemeinschaft mit dem Münchener Bildhauer Rümann schuf,an den Hafenbauten und neuerdings an der Wiederherstellungdes Rathhauses steht man, daß es den alten Reichsstädtern nichtan Lust fehlt, ihre Stadt zu verschönern, und nicht an denMitteln dazu, daß sie also unter dem bayerischen Löwen ihreRechnung finden und sich wohl fühlen. Und daß der Wohl-stand nicht von gestern und die malerische Schmuckweise des Rath-hauses nickt der Stadt etwas Fremdes ist, das steht man andem von 1728 stammendenKawazzenhaus", dessen Außenseitevom Dach bis zum Sockel mit Bildwerk überdeckt ist. Auch dasInnere des Rathhauses bietet mancherlei Sehenswerthes. ^

Auf derselben Insel, auf welcher Lindau liegt, befand sichein gefürstetes Frauenstift, welches angeblich bereits 866 bestandund 1803 aufgelöst wurde.

Also, Ihr Reisenden nicht so hastig von der Eisenbahnzum Schiff! Lindau ist einer Rast und einer Umschau werth.

Der Bodensee ist so reich an landschaftlichen Schönheiten!

(Unsere Bilder sind nach Photographien von I. Bilgeri,Photograph in Lindau i B.)

ZLitder-Yäthser.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 44:

Weiß. Schwarz.

1. T. 24 »4

2 K. 23-22 Matt

oder

66-05

1.

2. L63 Malt

oder

67-V6

1.

2. L-22 Matt

oder

V7-26

1.

S. 26-04

2. L-64 Matt.

4-^-1-