Kattune und Bombasine beschränkte. Den strebsamenSinn des jungen Mannes befriedigte diese Beschäftigungnicht. Es gelang ihm, von den Directoren des Zucht-hauses ein vncantes Druckerzeichen (Concession) und pacht-weise ein Wasserrad neben der Holzhütte beim Arbeitshanse1758 zu erlangen, und er fand tüchtige Weber, welche sichbereit erklärten, die Stühle für feine ostindische Kattuneeinzurichten, was ihren Lohn von 2 fl. 20 kr. auf 7 fl.steigerte. Unterstützt von dem hiesigen Bankhause JohannObwexer begann Schüle 1759 mit eigener Druckerei zuarbeiten, aus welcher in kurzer Zeit Zitze auf den Marktkamen, welche durch Farbe und Muster alle derartigeFabrikate überflügelten. Das Geschäft nahm einen sostaunenswerthen Aufschwung, daß es innerhalb siebenJahren nur an sogen. Salempours und Drittelstücken75,936 Stücke verarbeitete, von den hiesigen Webern221,645 Stück rohe Zitz- und Kattunwaare, das Höchstewas sie zu leisten vermochten, bezog, was ihnen unddem asrario xufflicv an baarem Gelde 3,754,829 fl.eintrug, und daß es mehr als 3000 Personen beschäftigte.Mit dem riesigen Verbrauch des Rohmaterials gleichenSchritt in der Production zu halten, sah sich die Weber-schaft um so weniger in der Lage, als nur wenige Meisterim Stande waren, die allein brauchbaren, fehlerfreienTücher anzubieten. Die Einfuhr ausländischer Stoffegestaltete sich deßhalb zu einem dringenden Bedürfnisse,was der Rath schon 1693 anerkannte, als er den Bezugder ostindischen Waaren, ohne Unterschied der Qualität,erlaubte. Von jeher war aber den Webern die Be-günstigung des Imports ein Dorn im Auge, wodurchbereits 1753 ein bitterböser Federkrieg zwischen demWeberhause und der Kaufleutstube sich entzündet hatte.Jenes verlangte das Verbot des Kaufens und Drückensfremder Leinwand, damit nicht wegen einiger eigennützigerHandelsherren der ganzen numeroscn Weberschaft mit 2000bis 3000 Personen das letzte Stücklein Brod entrissen werde.Die Kaufmanns-Jnnung entgcgnete darauf: „Nicht dieEinschränkung des Handels schütze das unverhältnismäßiggroße Handwerk vor dem gänzlichen Ruine, sondern dasZurückkehren zu solider Arbeit. Die allhiesige Gotckonoräinari, die vor Zeiten einen starken Abgang gehabt,ist wegen nunmehriger geringer Beschaffenheit in diegrößte Verachtung gekommen, und in Italien wird siebloß „Fischers Netze" genannt."
Während das Ausland mit Bewunderung auf dieAugsburger Kattnndrnckerei schaute, rüstete sich in derHeimath eine durch Neid und Mißgunst genährte Un-zufriedenheit zu einem Vernichtungs-Augriff auf diesenblühenden Industriezweig. Die Leitung des umfangreichenGeschäfts ließ nicht länger das Zusammenfassen allerüber die ganze Stadt ausgebreiteten Bestandtheile desBetriebs entbehren, und Schüle entschloß sich 1761 vordem rothen Thore eine große Fabrik zu erbauen. DieserPlan gab das Signal zum Ausbruch eines „reichs-satzungswidrigen" Unfugs der Weber, welche in demUnternehmen ihrer Aller Untergang vorhersahen unddurch gefährliche Drohungen die Arbeiter der Art ein-schüchterten, daß sie die Arbeit einstellten. Die fort-gesetzten Straßentnmulte ängstigten den Rath und preßtenihm, der die Wiederherstellung der Ruhe um jeden Preiswünschte, am 28. Oktober 1762 die Entschließung ab,daß nur noch die extrafeine weiße ostindische Waareeingeführt werden dürfe, weil dieselbe wegen des mangeln-den Gespinnstes hier nicht verfertigt werden könne.
Es wäre damit ohne jeden Gewinn für die rebel-lirenden Bürger der Kattundruckerei der Todesstoß ver-setzt, den tüchtigsten Webern und Färbern ein schöner Ver-dienst genommen und den Steuerherren eine namhafteSumme entzogen gewesen, hätten nicht die politischenZustände das Nathhaus gewarnt, den folgenschweren Schrittin nochmalige Erwägung zu ziehen. Die im NordenDeutschlands 1756 angezündete Kriegsfackel verbreitete1762 ihren grellen Schein bis an die Donau . ImNovember durchschwärmte ein 6000 Mann starkes preußi-sches Streifcorps den fränkischen Kreis, es überfiel Nürn-berg, welches gleich Bamberg eine schwere Brandschatzungzu erdulden hatte, und machte der Neichsabtei Kaisheimeinen sehr unliebsamen Besuch. Augsburg schritt zu Ver-theidigungsmaßregeln, und die drohende Gefahr vonaußen brachte die Unruhen im Innern der Stadt zumSchweigen. Die ziemlich erschöpften städtischen Cassenmachten dem Rathe begreiflich, daß das Verstopfen einerergiebigen Einnahmsquelle ihnen nicht zuträglich wäre,und so blieb das kürzlich ergangene Dekret unausgeführt.Ohne Anstand passirten die ostindischen Waaren jederGattung die Thore, und sie unterlagen keiner Besichtigung.
Nach dem Hubertsburger Frieden 1763 athmetenIndustrie und Handel frisch auf, in den Kattundrnckereienherrschte reges Leben, und die Zollgebühren wuchsen mitjedem Tage. Nur die Weber sahen scheel dazu, obwohlman auch ihren seit 1746 verbotenen Handel mit Lein-wand nach auswärts nachsichtig beurtheilte. Im Jahre
1765 wagten sich abermals aufreizende Stimmen gegenSchüle wegen ungeheurer Menge ausländischer Tücheran die Oeffentlichkeit, und hievon unterrichtet, bot erden Webern an, von ihnen jährlich 25,000 StückL 10 fl. zu nehmen, während der übliche Preis selten7 fl. erreichte, wie er auch thatsächlich im ersten Quartal
1766 über 5360 Stück ihnen abgekauft hatte. Die
wohlwollende Gesinnung verachtend, weil, was doch selbst-verständlich war, die Fabrik nur mit guten Stoffen sichbedienen ließ, schloffen die mit geringen Tüchern abge-wiesenen Weber sich enger zusammen, es begannen wiederdie Straßen-Excesse mit Einwerfen der Fenster und Miß-handlung der Comptoir-bediensteten, die endlich, da alleAusschreitungen ungerügt blieben, im Mai bis zu einemförmlichen Aufruhr sich steigerten. Trotzig verlangtendie Ruhestörer eine Visitation des Schüle'schen Waaren-lagers, und der ihnen geneigte Bürgermeister von Kuenzeigte sich dazu willfährig. Sogleich arrestirte er mannmilitarr den ganzen Vorrath an Tüchern in der Fabrikund auf der Bleiche und übergab ihn den Webern undeinigen ihnen nahestehenden Baumwollenhändlern zur Fest-stellung der Beschaffenheit der ostindischen Kattune. Einsolches Verfahren billigte der Rath nicht, und er setzteeine „aus bescheidenen Webermeistern und unparteiischenKaufleuten bestehende Commission" ein, welche zu ent-scheiden hatte sx Hnisiuo irotis crstaraateii8bieis
das ostindische Gewebe zu erkennen sei. Nur ungern unter-zogen sich die gewählten Sachverständigen dem Auftrageund erst dann, als ihnen genehmigt wurde, das Gutachtennicht zu beschwören, „weil sie sich nicht getrauten, ein un-trügliches Zeugniß abzulegen". Indessen fuhren dieWeber fort zu rcbelliren, die Fabriken Tag und Nachtzu bewachen, die Magazine zu durchstöbern und dieHausbewohner zu belästigen. Vergeblich wartete Schüleauf den erbetenen obrigkeitlichen Schutz, und so blieb ihmnichts anderes übrig, als die Hilfe des Herzogs von