Ausgabe 
(8.6.1894) 46
Seite
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setzt, wovon am Rücken schwarzseidene Bänder herabfielen.Darüber thürmte sich eine glänzende Krone, von Flitter-gold und Perlen auf's Künstlichste gebildet. Die Neuzeithat diesen Hochzeitsstaat so ziemlich beseitigt und durcheinen Kranz von künstlichen weißen und rothen Blumenersetzt; der Bendel verschwindet immer mehr. Anderswoin Süddentschland ist das Kraul beliebt, die kleine, mitPerlen, Schmelz und Flinserchen umzogene Krone, welche,durch eine lange Nadel mit verziertem Knopf mit demoben zusammengestrichenen Haare verbunden, als ehrbarsteTracht für eine Hochzeiten« gilt und keine Wittwe schmückendarf, was sich auch auf den Bendel bezieht, sowie denhohen Flitterkranz mit 12 Sternchen, wozu im Genickeder Bendel gehört, in diesem Falle ein Nest von Gold-fransen und Perlen. In Vclburg in der Oberpfalz trägtdie Braut den Prangenkranz von Pappendeckel, eine ArtCylinder, der sich nach oben erweitert, mit Goldflittern,Perlen, Sternchen, dem zunehmenden Monde, einer lachen-den Sonne, verschlungenen Händen und anderen Sym-bolen reichlich behängt, auf diesem die Brautkrone, reichund prächtig von Rauschgold. Von letzterer fallen zweirothgoldene Bänder mit Perlen geziert den Rücken hinunterund sind oberhalb der Hüfte anf einem viereckigen, mitRauschgold bedeckten Schilde befestigt und straff ange-zogen, damit die Braut den Kopf nach vorn nicht senkenkönne. Das Haar ist germanisch aufgebunden; auf demNeste haftet die Krone. Ganz origineller Weise trügt umNeustadt in der Oberpfalz die Braut keine Krone oderKranz auf dem Haupte, sondern dafür ein Kränzchen amArm und ein Sträußchen an der Brust. Zum Schlußnoch einige Hochzeitssitten aus Mittel- und Süddeutsch-land. Einer Braut muß man an ihrem Hochzeitstage ohneihr Wissen Salz und Brod in die Schuhe schütten, dasbringt ihr Segen. Eine Braut muß an ihrem Hochzeits-tage neue Strümpfe tragen, sonst wird sie viel Mißge-schick erleiden. Der Bräutigam muß seiner Braut dasHochzeitskleid, und zwar ein weißes, schenken. Wenn eineBraut an ihrem Hochzeitstage in einem schwarzen Kleidegeht, so bedeutet das großes Unglück. Wenn vor demAltar während der Trauung die Steine unter den Füßendes Brautpaares feucht oder naß werden, so stirbt baldEines von den Beiden. Wenn auf der Hochzeit recht vieleGläser und Flaschen zerbrochen werden, so bedeutet dasGlück, ebenso wenn ein neu Getrauter ein Glas hintersich wirft und es zerbricht. Begegnet einem neu copulirtenEhepaare eine alte Frau, so ist das eine böse Vor-bedeutung. Wenn soeben Getraute zuerst in das Haustreten, so müssen sie über eine Axt und einen Besenschreiten, dann werden sie nicht behext.

6 Merkwürdiges Beispiel chinesischenAberglaubens. Man sollte es kaum für möglichhalten, daß selbst in den gebildeten Ständen China'sheute noch der ungeheuerste geradezu überaus komischeAberglaube herrscht. Bei den Vorarbeiten für eine Bahn-linie, die von der Mandschu-Stadt Kinn nach Mulden,der Hauptstaot der chinesischen Mandschurei, weiter geführtwerden sollte, beschlossen die Ingenieure, die Linie überLamp im Weichbilde von Mukden zu führen. Da er-klärten die Geomantiker in ihrem Gutachten, das könnenicht durchgeführt werden, dadie langen eisernen Schienen-Nägel dem heiligen Drachen, der die Stadt mit seinemLeibe in weitem Umkreise umgürte, auf diese Weise mittendurch die Rückenwirbel gehen würden". Auf diesen weisen

Spruch hin gebot der Gouverneur den Ingenieuren, ihrenPlan zu ändern und die Linie direct über Nju-tschangzu führen. Das war nun allerdings der gerade Weg.Allein diese Linie führt weithin durch tiefliegendes Moor-land, das zur Zeit der Ueberschwemmungen ganz unterWasser liegt und außerdem so wenig bevölkert ist, daßder Verkehr sich nicht rentirt, während die projectirteFahrlinie ein höher gelegenes und stark bevölkertes Ge-biet durchziehen würde. Das Alles gaben die Ingenieuredem Gouverneur zu bedenken und erörterten es in ihremBerichte an den Vicekönig Li Hung Tschang. Das wäreAlles nicht nothwendig gewesen. Der Gouverneur hättedie erste Linie genehmigen dürfen, ohne erst die Geoman-tiker zu befragen. Der Vicekönig belobte in seinemSchreiben den Gouverneur wegenfeiner gewissenhaftengeomantischen Feststellung der dem Kaiserhause gefährlichenEinflüsse", die ausgesprochene Besorgnis; (Entzweischneidungdes heiligen Drachens) hielt der Vicekönig fürunbe-gründet". Da aber der Gouverneur nun einmal ent-schieden habe, so müsse man die Sache dem Kaiser vor-legen. Dies war jedoch dem Gouverneur nicht erwünscht,und erbat den Vicekönig, der Sache ihren Lauf zu lassen.Er, der Gouverneur, wolle inzwischen einen Ausweg über-legen. Ein solcher wurde auch gefunden. Man bog umeinige hundert Schritte von der zuerst geplanten Richtungab; und nun erklärte der Zauberer, das reiche hin, undso werde der heilige Drache nicht gestört. Freudig be-richtete der Gouverneur diese glückliche Entscheidung demVicekönig.

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0 Eine Orgel mit Bambuspfeifen. ZuShanghai in China wurde jüngst in der dortigen Jesuiten -Kirche eine Orgel eingeweiht, welche von einem chinesischenOrdensbruder gebaut wurde. Das Pfeifenwerk ist nichtaus Bietall gefertigt, sondern aus Bambus. Der Wohl-klang dieser Orgelpfeifen ist überraschend, ja unvergleich-lich schön. Man hat, wie ein englisches Blatt berichtet,in Europa noch niemals etwas Lieblicheres und dem Ohre Wohlgefälligeres gehört. Die Tonfülle und die Klangfarbelassen sichnur als übermenschlich, engelhaft" bezeichnen.Die Bambus-Orgel gewährt aber auch rein materielleVortheile, da ihr Preis um zwei Drittel billiger istals jener der Metallorgeln.

-i-a--

F.rithmogrl-py.

1 3 4 7 3 1 zeiget dir

Die Kunst und Wissenschaft in reicher Zier,

2 6 6 7 7 legt man gerne an,

Damit der Mensch im Schatten wandeln kann.

3 6 7 1 2 ist, waS in der Welt

Des Islams jeder Gläub'ge heilig hält.

4 2 6 1 benennt dir einen Fisch,

Du triffst ihn häufig auf der Reichen Tisch.

5 4 4 2 ist dir gewiß bekannt

AIS ein Gebirg im schönen Griechenland .

6 2 12 benennt ein nützlich Thier,

Beim Wollehändler frag', der sagt es dir.

7 4 7 6 ein Thier, das nützlich auch,

Doch hält man es für dumm nach altem Brauch.

3 6 1 ist in Deutschland eine Stadt,

Die einen mächt'gen Festungsgürtel hat.

1 5 4 7 4 ist ein gcwalt'ger Mann,

Was er gethan, das zeigt "die Bibel an.

Nimmst du das Haupt von einem jeden Wort,

So wird bezeichnet dir der sich're Port,

Wo Ruhe finden, die vorher gar oft

Den Erdkreis zu erobern einst gehofft.