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sicherlich nicht mit ihm. Aber jetzt rasch, ich sah ihnbereits in der Ferne, ein Versteck ist dort wohl nichtfür mich?"
„Werde Sie schon placiren, kommen Sie nurmit mir."
Mamsell Evers stieg mit jugendlicher Leichtigkeitdie Treppe hinauf, sie wußte nicht, wie es zugegangen,daß sie beim Anblick dieses Fremden unwillkürlich aneinen Polizeibeamten hatte denken und seine Anwesen-heit auch sofort mit der überraschenden Ankunft des vonihr tödtlich gehaßten Steindorf in Verbindung hattebringen müssen. Es mochte wohl daher kommen, daßsie dem Amerikaner, wie sie ihn im Stillen nannte, allesmögliche Schlechte zutraute und ihn sogar eines Ver-brechens fähig hielt. Da hatte sich denn nach und nachdie Ueberzeugung in ihr festgesetzt, daß Steindorf nie-
sle vollständig beruhigt, da ihm jeder gerne aus demWege ging.
Sie trat also mit dem Herrn, um dessen Namensie jetzt erst höflich bat, in's Wohnzimmer.
„Ich heiße Wolfius", erwiderte er ruhig, „werdenhoffentlich keinen Gebrauch davon machen."
„Gott bewahre, ich erfülle damit nur eine Pflichtgegen mein Fräulein, Herr Wolfius! Würde Sie auchnicht hier hereinlassen, wenn mir nicht ein bestimmtesGefühl sagte, daß ich recht daran thäte und daß IhreAnwesenheit ein Glück für meine arme Herrin wäre."
„Das ist es auch, liebe Mamsell!" erwiderte derDetectiv Wolfius sehr ernst. „Sie sollen sich darinnicht getäuscht finden. Jetzt aber," setzt er aufhorchendhinzu, „bringen Sie mich an einen Platz, von wo ichungesehen das Zimmer beobachten kann, und sorgen
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mals auf Edenheim Gebieter werden könne und nochvor der Vermählung sich etwas ereignen müsse, wasdiese unmöglich machen werde.
Die plötzliche Ankunft desselben, seine unbegründeteEile und sichtliche Unruhe hatten sie stutzig gemacht,worauf das geheimnißvolle Erscheinen des fremden Herrn,sein „um den Busch "-Horchen das Gemüth der altenEvers ungewöhnlich erregen und auf irgend etwas Uner-hörtes gefaßt machen mußte.
Daß dieser Fremde kein Freund des Herrn Stein-dorf war, lag auf der Hand, er wollte ihn vielmehrvon einem Versteck aus beobachten, das begriff die klugeMamsell Evers sofort und war deshalb auch fest ent-schlossen, ihm dabei in jeder Weise Vorschub zu leisten.Daß von den Knechten und Mägden sich Jemand unter-stehen sollte, dem gefürchteten Verlobten der HerrinMittheilung von dem Fremden zu machen, darüber war
al.
Sie womöglich dafür, daß er hierher kommt. Ich hörebereits unsern Freund dahergaloppiren, er hat ja ra-sende Eile!"
Mamsell Evers fuhr erschreckt zusammen und deutetedann auf einen dicken Vorhang, hinter dem Wolfius so-fort verschwand, worauf auch sie sich rasch unsichtbar machte.Der Vorhang verdeckte eine Nische, welche wahrscheinlichvon der Gutsherrin als Traumwinkel benutzt wurde, dadieselbe, mit einem Eckfenster versehen, das nach einerstillen, gänzlich abgeschlossenen Partie des Gartens unddes daran stoßenden Parks hinausging, nur einen be-quemen Sessel und ein Tischchen enthielt.
Die Dämmerung war allmälich herabgcsunken. DerDetectiv musterte den kleinen Raum, um auch hier einVersteck noch zu finden und auf alle Möglichkeiten ge-faßt zu sein. Der Fenster-Vorhang von dichtem, himmel-blauem Stoff bot ein solches, er ließ die beiden Gar-