Ausgabe 
(12.6.1894) 47
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dinen zusammenfallen und machte ein zufriedenes Ge-sicht, während er mit allen Sinnen hinaushorchte.

Herr Julius Steindorf war angekommen, er hörteihn auf der Treppe, Mamsell Evers hatte ihre Pflichtgethan. Jetzt wurde die Thür geöffnet, er trat mitMamsell Evers ein.

Befehlen Sie ein Abendessen, Herr Steindorf?"fragte die Evers mit fester Stimme.

Nein, nur Licht und eine Flasche Wein," lautetedie Antwort.Ich wollte Ihnen nur die Nachrichtbringen, daß Fräulein Hollen erkrankt ist und schwer-lich heute noch kommen wird. Geben Sie den Be-fehl, daß das Pferd, welches mich von der Stationhierher gebracht, gesattelt wird. Und nun bitte ich noch,sich zu beeilen."

Mamsell Evers setzte das Licht auf den Tisch undverschwand. Wolfius zog sich jetzt ebenfalls hinter den

schnell zu öffnen verstand. Dann trat er, die Thürhalb hinter sich zuziehend, hinein.

Wolfius, der durch den Spalt des Vorhanges allesgenau beobachtet hatte, zog sich geräuschlos die Stiefelaus und schlich vorsichtig näher, um mit sicherm Blickeinen Standpunkt einzunehmen, von wo er das ganzeCabinet ungesehen überschauen konnte. Dabei lockerteer einen geladenen Revolver in der Tasche, überzeugtesich von dem Vorhandensein einiger eiserner Armbänder,packte seinen Stock mit dem bleigefülltcn Knopf rechtfest und ließ seinen Mann nicht mehr aus den Augen,weil er sich's nicht verhehlen durfte, daß derselbe sichnicht so leichten Kaufs fügen werde.

In einer Ecke des Cabinets stand ein zierlich ver-schnörkeltes Schränkchen von Eichenholz, in welchem,wie Steindorf von früher sich noch erinnerte, der alteHolten sein baares Geld, sowie seine Werthpapiere und

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Fenstervorhang, der ihn gänzlich verhüllte, zurück. Erhatte richtig vorhergesehen, oa Steindorf in der Thatdas Licht ergriff und den Vorhang der Nische ausein-anderschlug, um hineinzuleuchten.

Alberner WeiberwinkelI" stieß er dabei verächtlichhervor, ließ hierauf den Vorhang wieder zusammen-fallen und kehrte mit dem Lichte an den Tisch zurück.Die Mamsell brachte selber den Wein, stellte die Plattemit Flasche und Glas hin und entfernte sich schweigend.

Steindorf folgte ihr rasch bis an die Thür.

Ich will ungestört bleiben I" rief er ihr nach,worauf er die Thür schloß und den Schlüssel schnellumdrehte.

Hastig öffnete er die Flasche, leerte einige Gläserrasch hinter einander, als ob er sich Muth trinken wollte,und trat ohne Zögern an die Cabinetthür, die er mitdem nach Art der Dietriche gebogenen Nagel überraschend

Maat.

sonstigen wichtigen Documcnte aufbewahrte. Er zweifeltenicht daran, daß Armgard ebenfalls dieses Schränkchendazu benutzte, weil dasselbe eigens für jenen Zweckangefertigt und mit einem geheimen Mechanismus ver-sehen worden war. Sein Vater hatte sich darnach einähnliches Möbel machen lassen, dessen Mechanismus zumOeffnen und Verschließen nur ein wenig verändert war,in der Construction aber mit diesem genau überein-stimmte. Man hatte sich damals keine Skrupel darübergemacht, weil Notenhof und Edenheim über kurz oderlang in eine Hand übergehen sollten. Dann aber wardas Steindorf'sche Schränkchen bei dem Concurs ver-kauft worden und in ganz fremde Hände gekommen.

Heute nun kam diese Erinnerung dem Heimge-kehrten gut zu statten. Er hatte den Mechanismus nacheinigen vergeblichen Versuchen gefunden, das Schränkchengeöffnet und mit gierigen Händen den Inhalt durch-