Ausgabe 
(15.6.1894) 48
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wiederholen will, ist vielmehr folgende: Die Gezeitcn(Ebbe und Flut) unserer Weltmeere sind bekanntlich eineFolge der Anziehung des Mondes und der Sonne; dieseAnziehung bewirkt aber auch Deformationen des festenGerüstes der Erde, die freilich viel geringer sind als dieder flüssigen Oberfläche. Die ganze Erdoberfläche wirddurch die gewaltige Anziehung von Sonne und Mondin geringem Grade wie eine elastische Masse gehoben undgesenkt, und in diesem periodisch wiederkehrenden, baldschwächern, bald stärker», aber lediglich von der Mond-fund Sonnen-) Stellung abhängigen Pressen und Dehnender Schichten ist der Factor zu suchen, welchen der sonstdurchschnittlich zu allen Zeiten gleich häufigen Erschüt-terungen eine periodisch größere Häufigkeit verleiht. Erd-beben würden auch ohne die Mondanziehung stattfinden,aber diese verursacht periodisch häufigere Auslösungen, undes ist daher ganz richtig, zu erwarten, daß um die Zeit,in welcher die flutherregende Kraft des Mondes am stärk-sten wirkt, Erdbeben häufiger eintreten werden als zuandern Zeiten. Natürlich kann man aber niemals imvoraus den Ort bestimmen, wo dann Erdbeben sich er-eignen werden, und ebensowenig läßt sich etwas Näheresüber den Verlauf derselben, ihre Heftigkeit oder die Aus-dehnung ihres Erschüttcrungsgebietes voraussagen. JedesProphezeien von Erdbeben, das über die oben bezeichnetenallgemeinen Angaben hinausgeht, ist unwissenschaftlich, ja,völliger Humbug. Auch sichere Anzeichen kommender Erd-beben gibt es nicht. Aus dem Zustande des Wetters kannman nicht auf demnächstiges Eintreten von Erdbebenschließen, und das vom Volke so genannteErdbebenwetter"ist nicht nachweisbar. In Italien behauptet man, daßkurz vor Erdbeben der Wasserspiegel der Brunnen zusinken pflege und man die Brunnenscile verlängern müsse;sichere und ausreichend zahlreiche Beobachtungen liegenaber hierüb:r nicht vor. De Nossi behauptet, eine un-gewöhnliche Aenderung der Temperatur der warmenQuellen fei in Italien ein ziemlich sicheres Anzeichenbald eintretender Erdstöße, und er hatte schon früher denAntrag gestellt, aus Jschia Tag für Tag die Wasser-wärme der dortigen Thermen messen zu lassen. Manhat dies dort nicht gethan, vielleicht, weil man fürchtete,solche Beobachtungen könnten von den Fremden als Zeichennaher Gefahr angesehen werden. Bei dem heutigen Zu-stande des Wissens kann man Erscheinungen wie den inRede stehenden gegenüber alles und nichts als Warnunggelten lassen, und kein besonnener Forscher wird es aufsich nehmen, Ort und Zeit eines kommenden Erdbebensspeciell voraus anzukündigen.

-S-MSe-

G o 1 d k L v rr e rr.

Den Personen gegenüber ist Unparteilichkeit Gerechtigkeit;den Meinungen gegenüber ist sie Gleichgültigkeit oder Geistes-schwäche. Donald.

Man fordere nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so langeman sie in dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszwecksei zu gefallen. Ebner-Eschenbach .

Nicht tadeln können ist Denkdnmmheit und Gefühlsträg-heit; nicht loben können Denkhochmnth oder Gefühlskalte.

Wer die Ehre Dessen sucht, Der ihn gesandt bat, der istwahr." (Joh. VII, 16)

Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht;nach huirdcrt Jahren klingt sein Wort und seine That demEnkel wieder.

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Originelles über das Musikivesen der Neger.

(Nachdruck verböte»)

Die Neger sind leidenschaftliche Mnsikliebhaber. Essind dies aber überhaupt alle sogenannten Naturvölker.

Es summt und singt in jeder MenschcnseeleUnd unaufhaltsam es nach außen dringt.

Ob bärenrauh ob lerchenglatt die Seele,

Ob was da auch an Takt und Wohlklang fehle:

ES ist Musik, wie es auch immer klingt;

Zumal für den der's bringt.

Es ist Musik, wie es auch immer klingt." Aber es klingt oft entsetzlich, ja geradezu zum Tollwerden.So z. B. bei den Neger-völkern in Westasrika, an derSklavenküste, bei den wilden Aschanti, den Dahomehern,welche diefreundliche", nach Menschenfleisch duftendeNachbarschaft unseres deutschen Colonialländchens Togo bilden. Diese Neger haben die zweckmäßigsten Instru-mente zu einer Höllenmusik: da haben sie Trompetenaus Elephautenzähnen, gegen welche die mächtigenJericho-Posaunen wahre Kindertrompcten gewesen seinmüssen. In ihrem erschrecklichen Gebrülle erzittert derBoden; mit ihm vereinigt sich der Tamtam mit seinemunheimlichen, dumpfen, stoßweisen Dröhnen; dazu dasRasseln der mit Knochen und Scherben, Metallstückengefüllten Kürbisse; endlich noch die schrillen Töne derTriangel und alter zerbrochener Schellen. Und dieseMusik ist hoffähig. Die afrikanischen Fürsten habenganze Banden mit solchenInstrumenten".

Und welch geschickte Musiker ließen aus diesen Negernsich nicht bilden! Wir haben davon ein überraschendesBeispiel in einer Neger-Capelle von circa 25 jungenNegern mit europäischen Instrumenten, welche schon inden 1870er Jahren bestand und Respektables in derkirchlichen wie in der weltlichen Musik leistete. DieseMusiker waren Zöglinge der Mission am Gabun inWestafrika . *)

Nichten wir nun einige Blicke in's Innere vonSüdafrika und nach Uganda in Accmalorial»Afrika.

Aus dem Matabelen-Reiche in Südafrikanordwestlich hintcrm Kapland. Die Malabelen, deren tyran-nischer Herrscher Lobengula von den Engländern endlichunterjocht wurde, sind ein außerordentlich kriegerischesVolk und noch sehr leidenschaftlich und unbändig. Sielieben Tanz und Gesang wie alle Neger auch leiden-schaftlich (wie überhaupt dasgewöhnliche" Volk darfman sagen). Diese Matabelen aber haben nicht etwanur einen wilden, regellosen Sang. Ihre Melodien, soeinfach sie auch sind, haben Rhythmus Takt, Beweg-lichkeit und merkwürdig die Cadcnz, wie wir ausfolgendem Beispiele ersehen:

, 2 ,

F *

Diese Melodie bildet einen Marsch und auchdenKönigsgruß" mit dem Texte:llodo, llsbo, öobo,

*) Das Gabungkbiet liegt ober dem Mündungsgebiet desKongo, in nordwestlicher Richtung. Der Gabun ist keinFluß, sondern eine wenige Minuten nördlich vom Acguatoretwa 15 deutsche Meilen in die Westküste Afrikas einschneidendeMeeresbucht, in welcbe nur einige kleine Flüsse münden. DieseBucht hielt man früher für einen großen Strom. Das Gebiet