Ausgabe 
(19.6.1894) 49
Seite
380
 
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bahn, vorbei in die nächste Nähe der doppeltgethüruitenHofkirche". Eine zur Linken neu angelegte, breiteStraßeLömenstraße" genannt führt direct zumLöwendenkmal" hin, dem genial in eine 20 Meter hoheFelswand gemeißelten Denkmal der Schweizer -Treue beimSturm der Tuilerien in Paris (10. August 1792). Etwa250 Schritte zuvor grüßt zur Rechten daskatholischeVereinshaus", das, frei an drei Straßen gelegen, nebendem Rundbau des Henneberg-Panoramas (Einzug derBourbakischen Armee in die Schweiz im Februar 1871)sich erhebt. Die Baufläche umfaßt 45 Meter Länge bei27*/z Meter Tiefe und 17^ Meter Fronthöhe. Durchein reich ausgestattetes Portal treten wir in eine flottherausgeschmückte Säulenhalle. Rechts vom Vestibüle liegtdas mit zwei ausgezeichneten Billards versehene, 230Sitzplätze enthaltende, sehr freundliche, heimelige Cafä-Nestaurant, dahinter Speisesaal und Office. Links vomVestibüle befinden sich 4 Magazine mit Entresol, daneben

in der Richtung Panorama und Löwendenkmaldie völlig abgeschlossenen Abtheilungen des katholischenGesellen- und Jünglings-Vereins, mit besonderm Zugang,dem Wunsche der Gesellen gemäß.

Der günstig beleuchtete und gelüftete Keller enthält:Küche, Spülküche, Office, große Vorrathsräume, Vier-und zwei Wein-Keller; das Kesselhaus für die Central-heizung nebst Kohlenräumen; endlich die Motoren fürdie großen hydraulischen Wein- und Speise-Aufzüge. Dergroße Kochherd der Hotelküche ist für mindestens 500Personen eingerichtet.

Vom Vestibüle aus führt eine schöne, fast 8 m. breite,massive Hauptstiege zum I. Stockwerk empor, zum GroßenSaal, der, 27 m. lang, 14 m. breit und 8^/g m. hoch,durch hohe, weite Bogenfenster erhellt wird und etwa 900Sitzplätze enthält. Zwei kunstvolle Kronleuchter spendenLicht durch je 48 elektrische Flammen. Im Vordergrundsteht ein herrlicher Concertflügel von Bechstein bereit.Galerien und Logen bieten Raum für Hunderte. Einegrößere Galerie-Oeffnung dient bei Tanzanlässen demOrchester. Vier kleine Nebensäle sind durch Glasthür-wände, die man bequem entfernen kann, verbunden unddienen zur Erweiterung des Hauptsaals.

Mit Sorge sah man dem Saalbau entgegen. DieSchaffung günstiger akustischer Verhältnisse bedingte jazum großen Theil ein befriedigendes, gedeihliches Ge-lingen des Unternehmens überhaupt. Diese nicht zu unter-schätzende Schwierigkeit ward durch die bauleitenden Archi-tekten die HH. Gebrüder Keller und Architekt Hanauer

glänzend überwunden: die außerordentlich feineAkustik des Saales hat die Bewunderung allerMusik-Künstler und Sänger gefunden, die bisher dieselbeerprobten. So erklärte der Direktor der städtischen Cur-capelle, ein Meister der Violine, uns gelegentlich hoch-erfreut, daß er noch keinen Saal mit besserer Akustikkennen gelernt und daß namentlich die Piano-Sätze ganzwundervoll gelingen. Aus diesem Grunde wurden dennauch die städtischen Abonnemcnts-Concerte sofort in'sVereinshaus" verlegt; Erwägungen politischer und andererArt mußten vor rein musikalischen Gründen besiegt zu-rücktreten.

Der II. Stock enthält außer Saal-Galericen undLogen u. a. eine Reihe Fremden-Zimmer, allesehr freundlich und comfortabcl eingerichtet (Logis von1 Mk. 20 Pfg. an). Zureisende Fremde werden hieraufspeziell aufmerksam gemacht. Auch im III. Stock finden

sich nicht minder hübsche Fremdenzimmer: daneben ent-hält diese Etage noch die Wohnung des Wirthes. Wirfügen hier bei, daß diese Abtheilung des VereinshausessichHotel Union" benennt. Der Hotelbetrieb erfolgtin Regie; derzeitiger Gerant ist Herr Truttmann-Oesch,Hotelier, von Seelisberg. Beide Stockwerke zusammendas zweite und dritte zählen 52 Fremdenbetten.Alle Corridore haben äußerst günstige Licht- und Luft-verhältnisse.

Der Estrich enthält für die Hotel-Abtheilung ver-schiedene Dienstboten - Zimmer, sowie 45 Zellen mit 90Betten für katholische Gesellen.

Für Sockel und Treppen wurde Gotthard - Granit,für die Parterre-Verblendung Mügenwiler Muschelkalk,für die oberen Architektur-Gliederungen Sandstein, fürdie 7 Säulen der Hauptfoyade und die inneren Säulendes Vestibules polierter Kalkstein verwendet. Die Mittel-partie über dem Saale erhielt einen völlig eisernen Dach-stuhl. Die Bauzeit für den gesammtenBau dauerte 14Monate.

Die Pensionen in beiden Abtheilungen dürfenals vorzüglich bezeichnet werden, bei anständigen Preisen,und finden auch bereits erfreulichen Zuspruch.

Hoffen wir, daß das herrlich gelungene Werk katho-lischer Opferwilligkeit und sozialpolitischer Thatkraft inden Kreisen unserer Jahr für Jahr in so großer Zahlhier zusammenströmenden Gesinnungsgenossen aus demIn- und Auslande die verdiente Sympathie und werk-thätige Unterstützung finde! Starkes, lebendiges Gottver-trauen hat das Unternehmen geschaffen, und es wird, so-fern das letztere seinem Zwecke treu bleibt, auch sichernicht zu Schanden werden. Gott gebe es!

Zu unseren Bildern.

Orlando di Kasso.

(Zur Erinnerung an seinen 300jährigeu Todestag.)

Orlando di Lasso (eigentlich Roland de Lattre ) ist geboren1532 zu Mons im Hennegau. Er kam früh nach Italien , woer besonders in Neapel seiner musikalischen Ausbildung oblagund, kaum 21 Jahre alt, zu Rom die Kapellmeisterstelle anSän Giovanni im Lateran erhielt. Später bereiste er England und Frankreich und scheint dann einige Jahre in Zurückgezogen-heit in Antwerpen gelebt zu haben, bis er 1557 von HerzogAlbrecht V. von Bayern nach München berufen wurde. Hiererhielt er 1862 die erste Kapellmeisterstelle, sowie 1570 vomKaiser Maximilian den Reichsadel und wurde 1571 vom PapstGregor XIII . zum Ritter vom Goldenen Spom ernannt. AuchKönig Karl IX. von Frankreich überhäufte den Komponisten,als derselbe im letztgenannten Jahre nach Paris kam, mit Aus-zeichnungen und Geschenken. Ter berühmte Komponist starb inMünchen am 14. Juni 1594 im 62. Lebensjahre. Verheirathetwar er mit Regina de Wähkinger, berzogl. daher. Kammer-dienerin in der Domkirche zu U. L. Frau, mit welcher er 36glückliche Ehejabre verlebte. Orlando wurde auf dem ehemaligenFriedhofe der Franziskaner in München zur Ruhe gelegt. Erwar nächst Palestrina der größte Tonsetzer des 16. Jahrhunderts.Von seinem Fleiß und seiner Fruchtbarkeit zeugt die Zahl dervon ihm hinterlassenen Werke, deren nicht weniger als 2337nachweisbar sind, darunter die berühmten 7 Bußpsalmen.

Au hoch!

Die beiden Kleinen auf unserem Bilde befinden sich in einernicht geringen Verlegenheit. Mutter hat ihnen ein Brieflein zumBesorgen gegeben, das sollen sie in den nächsten Brieskastenwerfen. Allein die Kinder sind noch gar klein und der Brief-kasten hängt für sie zu hoch. Da hilft kein Strecken und Deh-nen, und wenn nicht eben der alte Gerichtsbote des Weges ge-kommen wäre, hätten die Kinder wohl unverrichteter Dingewieder heimkehren müssen. Der aber kann den Kleinen aus derVerlegenheit helfen, und weil Lischen ihn gar so schön bittet,wird er ihm sicherlich den Gefallen erweisen.

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