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ten aber auch ebenso gut daS reifere Alter andeuten,welches seine BernfSstellung erforderte. Name und Standthaten zu den angenehmen Manieren des gefälligenHerrn noch das Ihrige. Wolfgang nannte feinen Na-men ebenfalls und folgte dem Assessor die Straße entlang.
Sie hatten nicht weit zn gehen. Assessor vonMalten bog in ein Hans ein und führte seinen Beglei-ter durch einen langen Hof in ein am Ende desselbengelegenes, sehr einfaches Gastzimmer.
Es waren keine Gäste da, als drei Herren vonverschiedenem Alter und sehr distingnirtem Aenßern,welche an einem Sctteutische Karten spielten.
„Ist der Kriminalcommissar Nuglisch noch nichthier gewesen?" fragte der Assessor den Wirth.
Wolfgang sah nicht, wie der Assessor dem Wirthemit den Augen zwinkerte und dabei eine leichte Kopf-bewcgnng nach seinem vornehmen Begleiter machte.
„Nein, er war noch nicht da," antwortete laut derWirth, das Zeichen sogleich verstehend, „aber er kommtganz gewiß noch."
Der Assessor bestellte sich Wein und empfahl demBaron die gleiche Marke. „Sie meinen also," fragtedieser den Assessor, „daß es einen Zweck haben könne,wenn ich hier auf Ihren Bekannten warte?"
„Ei, natürlich!" versicherte der Gefragte. „Siekönnen Ihre Sache in keine bessern Hände legen. Nug-lisch ist der schneidigste und findigste Kriminalbeamte inganz Berlin ."
Der Assessor erzählte hierauf vom Kriminalcommissareine Reihe Bravonrstückchen, die sehr unterhaltend warenund einen überraschenden Einblick in die Berliner Ver-brecherwelt eröffneten.
Vom Tische der Kartenspiclcr her tönte ein lautesGähnen.
„Der Skat langweilt mich heute," sagte unterneuem Gähnen der älteste der drei Herren, dessen Phy-siognomie mit dem starken grauen Schnurrbarte etwasMilitärisches hatte. „Machen wir ein anderes Spielchen!Da meine Frau und meine Tochter im Opernhanse sind,so habe ich heute längeren Urlaub."
Der Baron sah, wie nun jeder der Spielenden einHäufchen Geld neben sich legte. Der militärische Herrnahm drei Karten in die Hand, indem er sie mit denFingerspitzen an den schmalen Seiten berührte. Eineder Karten, die Coeur-Dame, klemmte er zwischen Dau-men und Zeigefinger, die beiden andern Karten zwischendie andern Finger. Nachdem er den Mitspielenden dieKarten gezeigt hatte, warf er dieselben mit einer raschen,eigenthümlichen Haudbewegung auf den Tisch, so daßjede mit der Rückseite nach oben zn liegen kam. DerGegenspieler hatte nun anzugeben, welches die Coeur-Dame sei. Traf er es, so hatte er gewonnen, andern-falls verloren.
Das Spiel wurde sehr lebhaft und das Geld rolltehin und her.
Woflgnng hatte zwar nie besonderes Gefallen amSpiele gefunden, hier aber reizte ihn die Eigenartigkeitdesselben.
Er bat ebenfalls, auf einige Minuten am Spieletheilnchmen zu dürfen, und man stellte sich gegenseitigvor, wie es unter Männern von gutem Tone Sitte ist.
Wolfgang beobachtete sehr aufmerksam, wohin dieKarte flog, auf die er pointirte, und traf es auch richtigmehreremale hintereinander. Plötzlich aber wendete sich
das Glück, und so fest er auch stets überzeugt war,daß er die betreffende Karte genau im Auge behaltenhatte, so oft irrte er sich dennoch. Je mehr sein Er-staunen wuchs, desto mehr erregte ihn das Spiel. Alser jedoch sah, daß das Glück sich bch^'rlich von ihmabwandte, und sein Verlust nahezu hundert Mark betrug,hörte er mit Pointiren auf.
Der alte Militär sah nach der Uhr. Er fand, daßes Zeit sei, Frau und Tochter aus dem Opernhanseabzuholen, und empfahl sich. Bald verabschiedeten sichauch die beiden Andern.
Wolfgaug befand sich mit dem Assessor allein, wel-cher sehr bedauerte, daß der Kriminalcommissar Nuglischheute nicht gekommen war. Wahrscheinlich sei er durchirgend ein wichtiges Awtsgeschäft abgehalten worden.
Wolfgang fand es an der Zeit, sein Hotel aufzu-suchen. Der Assessor begleitete ihn bis zum nächstenDroschken stand, gab ihm gute Rathschläge, welche Schritteer morgen früh zur Wiedererlangung seiner Uhr thunsolle, und zog, als Wolfgaug in die Droschke stieg, mitgraziöser Höflichkeit seinen Hut, indem er ihm versicherte,er schütze sich glücklich, seine Bekanntschaft gemacht znhaben, und hoffe, daß man sich wieder begegnen werde.
Diese Hoffnung sollte sich bald genug unter über-raschenden Umständen erfüllen.
(Fortsetzung folgt.)
Fttrstrnfeldbttiik in OberLnhml«
(Schluß.)
Zn den merkwürdigen Ereignissen aus jener Zeitgehört auch das am 11. Okt. 1317 erfolgte Hinscheidendes deutschen Kaisers Ludwig IV. des Bayern .Er war von München zur Bärenjagd herausgeritten genFürstcnfeld und hauchte in den Armen eines Landmannessein Leben aus. Das dem Andenken an seinen Tod ge-weihte Monument an der Augsburger Landstraße erhebtsich nicht an der Stätte seines Hinscheidens, sondern diesewird vielmehr auf dem sogenannten Kaiscranger bei Puch zu suchen sein. Dort sank der Fürst vom Pferde, undvon dort wurde sein Leichnam zuerst nach Fürstcnfeldgebracht, dessen größter Wohlthäter er gewesen. Spätergeleiteten ihn die Bürger von München trauernd in ihreStadt. Im Kloster Fürstenfcld, dem Stifte seines Vaters,sieht man in der prächtigen, 1716 erbauten Kirche nochseine 13 Fuß hohe Statue gegenüber der seines VatersLudwig, gefertigt von Anton Boos .
Auch im Kriege der Münchener Herzoge Ernst undWilhelm mit Ludwig dem Gebarteten von Jngol-stadt (1421—1422) hatte die Drucker Gegend viel znleiden. In den Jahren 1632, 1633, 1646 und 1643erfolgten wiederholte Einfälle der Schweden und ihrerVerbündeten, und Hand in Hand mit dem Würgengeldes Bürgerkrieges ging die Pest. Fast noch Schlimmereserfuhr Brück im spanischen Erbfolgekriege. Ließ doch einösterreichischer Officier im August 1704 den Markt, nach-dem er vorher 300 Gulden gefordert, die mit mehrfacherLeibes- und Lebensgefahr aus München geholt werdenmußten, in Brand stecken, wobei nur wenige Häuser demFeuer entgangen sind. Gelderprefsnngen und Quartier-lasten waren überhaupt an der Tagesordnung. Folgtennun neue Drangsale im österreichischen Erbfolgrkriege.Es ist unglaublich, was Brück in den Jahren 1742 bis