Ausgabe 
(22.6.1894) 50
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1745 da zu ertragen hatte an Quartierlasten, die zudemregelmäßig mit Geld- und Naturalieuerpressuugen ver-bunden waren. In dieser Zeit haben unter den Markt-bewohnern durch patriotischen Sinn, Klugheit und Ent-schlossenheit in den schwierigsten Lagen und durch steteOpferbereitwilligkeit für ihre Mitbürger mehrere Männerbesonders hervorgeragt, namentlich der damalige Nechnungs-führer Bierbrauer Bernhard Hueber, welcher sich unteraugenscheinlicher Hintansetzung seiner häuslichen Angelegen-heiten ganz und gar dem öffentlichen Dienste gewidmet hat.Ohne Rücksicht auf persönliche Gefahren, unternahm ervielseitig Reisen zu den feindlichen Heerführern und warverschiedene Male nicht ohne Erfolg der Vertreter derfchwergedrückten Gemeinde bei dem berüchtigten Panduren-Oberst Trenk, bei den Generalen Bernes, Bern-klau, dem Obrist Menzel, dem ObristwachtmeisterAndrassi und Anderen, sowie bei der österreichischenLandesadministration in München . Der Posthalter undGastgeber Jakob Weiß, dessen Familie schon vor demSchwedcnkriege zu Bruck seßhaft war und heute noch zuden angesehensten des Marktes gehört, stand ihm inpatriotischem und gemeinnützigem Wirken rühmlich zur Seite.Er entging am 26. Sept. 1742 nur durch eilige Fluchtder Gefangennahme durch feindliche Husaren. Vermuth-lich hatten die Oesterreicher ihn wegen Einverständnissesmit der bayerischen Besatzung in Landsberg in Verdacht.Außer diesen vorgenannten Beiden haben sich währendder Kriegszeit auch noch die Bürger Martin Prugg-mayr, Peter Loder, Franz Saurle, Johann Hvrlhervorragend an den Markts-Angclegenheiten betheiligt,nicht minder auch durch Vorschüsse und Naturalleistungenverdient gemacht.

Nun war Ruhe bis zum Jahre 1792, wo in demKriegs der europäischen Mächte gegen die aus der Revo-lution hervorgegaugene französische Republik die Truppen-durchzüge der Oesterreicher begannen. Im August 1796kamen die ersten Franzosen, womit eine Acra von Be-lästigungen, Erpressungen und vielerlei Drangsalen begann,die durch den Friedensschluß im Jahre 1801 beendigtwurde.

Nach dem Schwedcnkriege hatte sich die Bevölkerungdes Marktes und des Ammcrihales allmälig wieder er-holt und vermehrt, und wenn auch der spanische undösterreichische Erbfolgekricg neuerdings bittere Wundengeschlagen hatten, so waren doch auch diese bald vergessen,so daß wir vor Beginn der französischen Invasionen einemim Ganzen freundlichen und heiteren Bilde von häus-licher Behäbigkeit begegnen, welches sich in den Urkundenjener Zeit vielfach wiederspiegelt. Lorenz Westen-ried er sagt in seiner Beschreibung der vier RentämterBayerns (Landshut 1790):Der zu diesem Kloster (näm-lich Fürstenfcld) gehörige Markt Prnck ist ein schönerOrt, und sind daselbst sehr vermöglichc Bürger und schöngebildete Leute beider Geschlechter." Auch entnehmen wirAdrian v. Niedl's 1796 zu München erschienenem Neisc-Ailas von Bayern, daß Bruck damals 152 Häuser undetwa 800 Einwohner zählte. In diesen artigen Häusernwohnten tüchtige Bürger, deren Haupterwerb in dem Ver-dienste bestand, welchen das Handwerk brachte. Die Meistenhatten wohl auch Grundbesitz und trieben Ackerbau, aberschon Wenning berichtet in seiner Topographie des Rent-amts München :Der Traidtboden ist mittelmäßig, nochschlechter aber der Wieswachs. Die Gewerkschaft mußalso bei den Bürgern zur Nahrung das Bebte thun."

Besonders scheinen im Markte geblüht zu haben: dieBierbrauereien, die Kramereien, das Lederer-, Weiß-und Nothgerbergeschäft, die Schmieden, insbesondere dieWaffenschmieden, die Mühlen, Bäcker und Metzger. Je-doch auch in den andern Gewerbszweigcn gab es fort-während hervorragende, zu Wohlstand gelangte Männer,und es saßen schon seit dem Ende des 16. Jahrhundertshäufig auch Maler, Sattler, Kürschner, Schäffler, Schuster,Schneider u. s. w. im engeren Rath der Gemeinde alsVierer".

Das bedeutsamste Ereigniß in der Geschichte Brnckswar jedenfalls die am 17. März 1803 und den darauf-folgenden Tagen vollzogene Aushebung des KlostersFürstenfeld, wobei als Aufhebungs-Commissär derchurfürstliche Landrichter von Dachau , Lizentiat Hey-dolph die Bauern nannten ihnHeuteufcl"fuugirte. Dabei wurden viele Brutalitäten begangen,z. B. ein altes Btlduiß, darstellend die Hinrichtung derMaria von Brabant , zum Fenster hinausgeworfen, demBildnisse des erlauchten Stifters, Herzog Ludwigs desStrengen , die Augen ausgestochen, die Pfeifen der großen,schönen Orgel den Gassenjungen preisgegeben, in derKlosterbibliothek heillos gewirthschaftet, den Klostergcistlichenwährend des Mittagsmahles die Stühle weggenommen, sodaß sie stehend essen mußten u. s. w. Am 13. Juli 1803wurden die Kloster-Realitäten an den KattunfabrikantenLeite nberg er von Reichsstadt in Böhmen , einen Prote-stanten, verkauft, wobei als churfürstlicher Commissär GrafLodron fungirte. Der Kaufschilling betrug mit Einschlußder zwei Höfe Roggenstein und Puch und 600 TagwerkWaldungen 130,000 Gulden, und das war nach den da-maligen Verhältnissen noch ein guter Preis. Gleichzeitigmit dem Kloster verfiel auch die Kapelle St. Leonhardizu Bruck der Versteigerung, wurde aber um 310 Guldenvon einigen Brucker Bürgern erstanden und so erhalten.Bruck, bisher vom Kloster Fürstenfcld aus pastorirt,wurde nun eine eigene Pfarrei. Herr Leiteuberger, wel-cher als ein wohlwollender Mann geschildert wird, er-laubte allen Religiösen, unentgeltlich im Kloster wohnenzu bleiben, wofür ihm letztere herzliche Dankbarkeit zollten.Die Klosterkirche, eigentlich zum Abbrüche bestimmt, bliebnun geschlossen, bis sie vom König Max I., welcher siegelegentlich eines Jagdausfluges (1804?) persönlich be-sichtigt hatte, unterm 13. August 1816 zur königlichenLandhofkirche erhoben wurde. Das Kloster zählte imGanzen 41 Aebte, der letzte war Gerhard (Führervon Erding).

Selbstredend blieb Brück auch durch die nachfolgen-den napoleonischcn Feldzüge nicht unberührt. Die Truppen-durchzüge wurden während jener Zeit als schwere Lastempfunden. Im russischen Feldznge sind auch zweiBrucker geblieben, Xaver Griesbeck und Johann Dall-maier. Unterm 13. Juli 1813 verlieh König Maxi.dem Markte Fürstenfeldbruck ein besonderes Wappen,das in einem blauen Schilde, worin sich eine auf einemgrünen Felde aus weißen Quadersteinen erbaute Brückebefindet, über welcher drei silberne Kreuze schweben, be-steht". Das frühere Wappen, welches der Markt be-sessen, scheint ganz und gar in Vergessenheit gerathengewesen zu sein. Dieses trug im Schildcshaupt diebayerischen, blan und weißen Stauten und dann im rothenFelde eine weiße, steinerne, über einen blauen Stromgespannte Brücke mit goldenem Geländer und einemsolchen einfachen Kreuze in der Mitte. Wenn von der