Ausgabe 
(22.6.1894) 50
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Geschichte des Marktes Bruck die Rede ist, dürfen wirselbstredend der bedeutenden Männer nicht vergessen,welche anS demselben hervorgegangen sind. Groß'sChronik fuhrt als solche an: Karl Förg, kurfürstlicherKricgs-Hauptbuchhalterei-Nath in München, SebastianMoll, ordentlicher Professor der Theologie an der Uni-versität München, Jakob Klar, Bürgermeister vonMünchen , Joh. Bapt. Stiglmayr, Erzgießer zuMünchen , und Ferdinand v. Miller, ebenfallsErzgießer in München . Stiglmayr's Vater war alsHufschmied in Bruck ansässig; Miller's Vater, ein Uhr-macher, war aus Aichach eingewandert und hatte des.Hufschmieds Sticglmayr Tochter zur Frau.

Die größte Sehenswürdigkeit des Ortes ist dieKlosterkirche zu F-ürstcufeld, kaum einige Hundert Schrittevon Brück entfernt. Dieselbe hat eine bewunderungs-würdige Fagade von dreifacher Säulcnordnung und istvon dem Italiener Fiscati 17181741 erbaut. Inderselben befinden sich, wie schon erwähnt, die Kolossal-statnen Herzog Ludwigs des Strengen und Kaiser Ludwigsdes Bayern . Die Altäre weisen werthvolle Oelbildcrund treffliche Bildliaucr-Arbeiien auf, während die Wändedes imposanten Gewölbes reiche und kunstvolle Stucca-tnren zieren. SehcnZwerth sind außerdem noch die pracht-volle Orgel und in der Sakristei ein Oelbild, die Ent-hauptung der Maria von Brabant darstellend. VomKirchthurm aus genießt man einen herrlichen Ausblick.Die ehemaligen Klosterrüume dienen militärischen Zwecken.So ist dort auch die neu errichtete Unterosficiersschuleuntergebracht. Die Pfarrkirche wurde von 1673 bis1679 unter Pater Balduin Helm erbaut. Ihre Aus-schmückung erfolgte im Laufe der Zeit. Eine gründlicheRenovation erfolgte von 1814 bis 1860. Das herrlicheBild auf dem Choraltar wurde gemalt von Glink inMünchen , jene auf den Seitenaltären von Lachn er inMünchen . Nicht zu übersehen ist die kunstreiche Tauf-schüssel, welche in ihrem Grunde die Stammeltern imParadiese zeigt, deren Sünde durch die Taufe genommenwird. Der schöne Gottesacker weist ein Erabmonnmcutvon der Meisterhand Ludwig Schwant haler's auf.Des Besuches nicht unwcrth ist auch das Nathhaus,dessen Giebel zwei Porträimedaillons Kaiser Ludwigs desBayern und Herzog Ludwigs des Strengen zieren, vondem jungen Ferdinand Miller der Heimathsgemeiudeseines Vaters gewidmet.

Was aber macht Fürsten feldbruck so besonders ge-eignet zu einem sommerlichen Aufenthalte? Da ist nuneinmal seine hübsche Lage, die so recht in's Auge fällt,wenn man mit dem Lahnzuge von München kommt, woeinem die freundlichen weißen Häuser durch die schattigenGärten, zahlreichen Baumgruppen und Alleen so ein-ladend entgegen winken. Jedoch präsentirt sich Ort undGegend auch dem, der von Maisach her die Anhöheheruntersteigt, nicht uuvoriheilhaft, da derselbe durch diegegenüberliegende, Zum größten Theile bewaldete Hügel-reihe ein mehr abgeschlossenes Bild erhält. Der Haupt-anziehungspunkt für Bruck sind und bleiben aber dieAmperbäder. Soll ein Flußbad die Anforderung er-füllen, welche man von einem heilkräftigen Wasser er-wartet, so muß dasselbe frisch und möglichst rein fließen,soll keine Härte besitzen, sondern mild und weich sein.Neben diesen hervorragenden Eigenschaften soll die Be-wegung desselben nicht zu reißend, aber auch nicht zuträge sein und seine Temperatur sich ziemlich gleichmäßig

zwischen 1418" II. halten. Diese Vorzüge vereintdie mit Recht gepriesene Am per in seltenem Maße.Während ihres Laufes durch den Ammersee sinken dieüberschüssigen Mineraltheile, welche der kohlensaure Ge-birgsquell enthalten hatte, zu Boden, der Fluß verliertdadurch seine Rauhigkeit und Härte und wird auf dieseWeise zu einem so vortrefflichen Badewasscr umgestaltet.Auch die frühere kalte Temperatur hat sich durch dieMischung des SeewasserS ausgeglichen,, ohne daß dieAmpcr die durch den kohlensauren Gehalt bedingte Frischeverloren hätte. Ihre Temperatur beträgt im Anfangedes Monats Juni meist 14° II., steigt in den heißestenSommertagen bis zu 18 und 20 Grad, während siegegen Ende des Monats September selten unter 14° L.sinkt. Auf ihrem dreistündigen Lause vom See bis nachBruck wälzt die Ampcr ihre smaragdgrünen Wogen überSand und Kicsgerölle, weßhalb ihre Reinheit und Helleimmer zunimmt, während sie aber auch ihre nicht zurasche Strömung beibehält. In ihrem weiteren Laufedagegen nimmt die Amper die Zuflüsse aus den sie be-gleitenden Moorgründeu auf und erhält dadurch denCharakter und die Temperatur eines Gewässers des Flach-landes. Aber auch die klimatischen Verhältnisse vonBruck sind dazu angethan, die wohlthätige Wirkung einerFlnßbadekur günstigst zu beeinflussen. Die hohe Lagedes Ortes, welcher sich 1730 Fuß über die Mccresslächeerhebt, die Nähe des Gebirges, die ihn rings umgebendenHarzdustenden Waldungen und die reiche Vegetation be-dingen eine sehr reine und gesunde Luft, welche im Hoch-sommer durch die frischen Wogen der grünen Amper an-genehm gekühlt wird. Weder Fabriken noch schädlicheHandwerke verpesten die Atmosphäre; der durchlässigeKiesboden unter der Hnmusschichte verhindert die An-sammlung übermäßiger Feuchtigkeit.

Dazu kommt noch, daß Bruck schöne und gut ein-gerichtete Gasthäuser, welche der Nähe der Hauptstadtwegen alle Ansprüche zu befriedigen im Stands sind,zahlreiche hübsche Privatwohnungen und Zimmer undrecht einladende Gärten und Sommerkeller besitzt, in welchletztem es immer munter hergeht, wie denn überhauptin Bruck ein reges, geselliges Leben herrscht. Dabei sinddie überall geforderten Preise anerkanntermaßen mäßig,das, was aber an Verpflegung geleistet wird, gut. Auchfür geistige Nahrung ist gesorgt, welche daS von Beamtenund Bürgern gegründeteLesezimmer" in reichlichemMaße bietet. Mehr als dreißig Zeitungen, Journale undBlätter jeder Richtung liegen auf, während eine ziemlichumfangreiche Bibliothek belletristischer und gemeinnützigerWerke auch jedem Fremden gegen geringe Vergütung zuGebote steht.

Die Umgegend ist Zwar ländlich, aber reizend. Rein-lich bekicste Wegs durchschneiden die blumigen Wiesenund die schwellenden Felder. Der Verschönerungsvereiuhat auch an lauschigen Plätzchen oder gewählten Aus-sichtspunkten reichlich für Ruheplätze gesorgt. SolchePlätzchen sind: dasEmeringer Hölzl" mit seinenmächtigen Eichen, der Maisach er und Lind ach erHart, welche Bruck im weiten Kreise umspannen undkühlenden Schatten und würzigen Tannenduft bieten,während in den Hängen der Kloster- und Nicola-lcithen die Kühle des Buchenwaldes zum Erquickenunwiderstehlich einladen. Viele derselben gestatten aucheine liebliche Fernsicht, während man in dem fünf Viertel-stunden von Bruck entfernter: GermunAberg ein weit-