Ausgabe 
(22.6.1894) 50
Seite
387
 
Einzelbild herunterladen
  

887

reichendes Gebirgspanorama vor sich hat. Vorn Watz-mann bis zürn jähen Abstürze der Zugspitze und vornSailing bis zum Grünten reihen sich Berge an Berge,ragen Zacken und Spitzen, Hörner und Kuppen wie auseinem blandustigen Moore. Im Vordergründe wechselnKirchen, Weiler und Bauernhöfe, umrahmt von dunklenForsten und wellenförmigem Hügellande, über welchemim Waldesgrün das herrliche Andechs thront. Letzteresselbst ist leicht erreichbar, wenn man mit der Eisenbahnnach dem nahen Grafrath und von dort mit demDampfer auf der Amper und dem Ammersee nachHcrsching fährt, von wo aus man zu dem hochgelegenenKloster zu Fuß in einer Stunde gelangt. Aber auchwer den Geist der Sage zu sich sprechen lassen will, derfindet da und dort Anregung, so z. V. auf dem nahenOsterberg, dessen Hain einst der Göttin Ostara geweihtwar, oder in Buch, der einstmaligen Wohnstätte derseligen Königstochter Edigna , welche da am 26. Februar1109 starb und deren vom Volke hoch verehrte und inSagen gepriesene Reliquien sich daselbst noch vorfinden,oder weiter weg bei Schöngeist« g, dem einstigenSommersitze Orlando di Lasso's, im Mühlhardt,wo sich in Mitte von Hunderten alter Grabhügel zweiheidnische Opfersteine befinden, welche einst von dem Bluteder den Göttern geschlachteten Menschen und Thiererauchten. Noch ist das von Bruck in zwei Stunden er-reichbare Schloß Weihern zu erwähnen, welches wegenseiner herrlichen Gemälde- und Kunstsammlungen, dannwegen seiner weit bekannten Musterwirthschaft eine wahrePerle der Umgegend ist. Zuletzt nicht zu vergessen dasliebliche Seefeld mit seinen herrlichen Anlagen undAlterthnmsschätzen, das allen Fischliebhabern wohlbekannteWalchstadt, welch beide Orte von der Station Türken-feld aus besucht werden können.

Schließen wir mit den Worten von Hart mann'sSchriftchcnBruck und die Ampcr-Bäder", denen wirvöllig beipflichten:Somit dürfte genug des Beweisessein, daß Bruck viele Vorzüge in sich schließt und reicheQuellen reinen Genusses bietet, welche nicht nur dieReize eines Landaufenthaltes erhöhen, sondern sogar dieFreuden und Genüsse des Stadtlebens leicht vergessenlassen, weßhalb ganz wahrunsergemüthlicherK o bell singt:

Geht Einer aut's Land 'naus,

Betracht' die Natur,

So kehrt er mit Unwill'nZur städtische» Flur!"

---

Eine kleine Neger-Heldin in der Neligions-Versolgrrng.

- (Nachdruck verboten.)

ES ist ein gar rührendes und exemplarisches Ge-schichtchcr?, welches wir da in Kürze erzählen wollen.

Man wird sich wohl noch des unerhörten Verso!-gungskriegcs erinnern, der im Sommer 1892 im afri-kanischen Neger-reiche gegen die dortigen Katholiken(bekehrten Eingeborenen) von Seite der dortigenProte-stanten" Neger-Christen deranglikanischen" Kirche stattgefunden hat. Bei dieser Verfolgung haben diearmen Katholiken, selbst die Kinder mit außerordentlichwenigen Ausnahmen, einen Glaubensmuth und eine Stand-hafligkeit bewiesen, welche bewunderungswürdig sind.

Es war am 24. Januar 1892, an dem Tage, anwelchem der über alle Maßen traurige Krieg losbrach.

als ein Negermädchen, das noch nicht 10 Jahre alt war,sich zu den Missionären nach Rnbaga bei der Haupt-stadt flüchtete. Es befand sich bei den Missionären mittenin den Flammen, welche die Mission verzehrten, und er-hielt vom apostolischen Vicar, Bischof Msgr. Hirth, selbstdie heilige Taufe, gerade in einer Zeit, in welcher dieMissionäre ihre lctzle Sttmde, ihren letzten Augenblickgekommen glaubten. Das arme Kind folgte dann denFlüchtenden versteckt unter der Scham von Frauenund Kindern, welche in ihrer Verzweiflung an die Mis-sionäre sich hingen. So folgte es auch auf der Fluchtnach der Nyauza-Jnsel Bulingugc. Auf dieser waram 30. Januar 1892 das furchtbare Blutbad, das denKatholiken so viele Menschenopfer kostete. Mit diesemSchrcckenStage war den Missionären die kleine Neger-christin aus dem Gesichtskreis gekommen.

Das arme, verlassene Kind war am Leben geblieben,aber in Gefangenschaft gerathen und Sklavin eines prote-stantischen Negers geworden. Es weinte bitterlich undglaubte, die Missionäre feien alle um's Leben gekommen.Sein Herr wollte das Mädchen mit Gewalt dahin bringen,sich als Protestantin zu erklären. Es war in derkatholischen Religion wohl noch nicht gründlich unter-richtet; aber so viel wußte es, daß die Aufnahmein die katholische Kirche , welche ihm zu Theil ge-worden, zwischen ihm und dem Manne, der sich seinenHerrn nannte, eine tiefe Kluft gebildet hatte. Darumvermochten weder die rohcstcn Beschimpfungen, noch diehärtesten Schläge den Willen der kleinen Bekennen» zubeugen; sie erklärte sich nicht als Protestantin. Sie trugdie Hoffnung, entfliehen zu können.

Ihr Herr merkte, daß er auf diese Weise nichtserreiche; auch befürchtete er, es werde ihr bei ihm in derHauptstadt das Entfliehen möglich. Sie mußte fort, ineine ihr ganz unbekannte Gegend und wo sie untergrößerer Aussicht stehe. Und so brachte er das Mädchengen Westen, bis an die Grenze von Unyoro. Dorthatte er eine Besitzung. Da konnte das kleine Wesen ganz verloren in einer wildfremden Gegend nichtan Flucht denken. Uebcraus traurig, ergab es sich insein Schicksal. In den Vanancnpflanzungcn mußte cSmit protestantischen Sklaven arbeiten. Diese Sklaven ver-spotteten fortwährend das arme Kind, schimpften esnwxapa," d. h. Püpistin, undmu Eäali"d. h. Medaillcn-Anbctcrin u. s. w., und quälten undmißhandelten es, weil es nicht au ihrem Gebete thcil-nehmen wollte. Trotzdem und allcdcm blieb die Kleinestandhaft. Dieses harte Leben dauerte 15 Monate.

Gott erbarmte sich der kleinen Bekennen», die manumsonst durch Schläge zum Abfall zu bringen versuchte.Ihrem Herrn war die Sklavin in seiner Vanancnpflanznngzu Mengo, der Hauptstadt Uganda's , gestorben undglaubte er nun die kleine Katholikin für die leer ge-wordene Stelle gut verwenden zu können. Dabei mußihm der Gedanke an ein Entfliehen der Kleinen ganzaußer Acht gekommen sein.

Der Herr holte also die Sklavin und wies sie einin ihren neuen Dienst. Sofort kam ihr wieder der Ge-danke zur Flucht. Wohin? Das bedachte die armeWaise nicht. Es war, als ob der nicht fern von ihrliegendeheilige Hügel von Nubaga", wo so viele jugend-liche Märtyrer schliefen, wie magnetisch sie fortziehe.Und so nahm sie sich dennein Herz" und entfloh schonam zweiten Tage nach ihrer Ankunft. Zunächst suchte