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Liebchen trällernd. Keck saß ihm sein grüner Waidmanns-hut auf dem lockigen Haupte, und die Lebenslust blitzteaus seinen schwarzen Augen. „Mein ist der Wald mitall seinen Vögeln und Blumen", so sang und jubilirteer in seinem jungen Uebermuthe. Da sieht er das weißeKöpfchen der Anemone im goldenen Morgenlichte schim-mern. „Mein auch Du", jauchzt er und faßt mit rauherHand sie an, die duftende Blüthe, und steckt sie zu seinemGcmsbart auf den grünen Hut. „Da hast Du nochmehr Licht, mehr Luft und Wärme, als unten auf demmoosigen Grunde", tröstet er. Armes, liebliches Blüm-chen! Warum hat es keine Dornen, um zu stechen,warum keine Kraft, zu widerstehen? Flora gab ihmnichts als Waldcsduft und sein so köstliches Weiß. Undwar das nicht genug? War es denn ein Unglück, derSonne näher zu sein? Unter ihrem Einfluß fühlt sichdas Blümchen nun ganz wohl, es glänzt noch schönerals zuvor da unten auf dem kalten Grunde.
Doch die Küsse der Sonne werden immer brennen-der und glühender, sie saugen allen Lebenssaft aus demzarten Pflänzchen. Müde läßt es seine welken Blättchenhängen, um — zu sterben. Dahin ist der köstlicheWaldduft und, ach, auch das schneeige Weiß ....
Ein böser Räuber hat das gethan, ein kecker, wilderJägersmann, aber — warum mußte denn die Anemonegerade am Wege stehen?
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Allerlei.
ES ist eine längst bekannte Thatsache, daß sogen-gefirnißte Thiere, deren Haut mit einem anhaftendenStoff, wie Leim, Gummi, Gelatine, Olivenöl, Theeru. s. w. überzogen ist, unter eigenartigen Krankheits-erscheinungen zu Grunde gehen. Die Thiere verlierendie Frcßlust, werden unruhig, bekommen Zittern undbeschleunigte Athembewegungen und verstärkten Puls, diespäterhin aber allmählich immer langsamer werden. Dabeisinkt die Bluttemperatur immer mehr, manchmal bis auf19 Grad, und das abgekühlte Thier fällt endlich todtzusammen. Je kleiner das Thier ist, desto schneller gehtes an der Ueberfirnissung zu Grunde. So starbenKaninchen schon nach 6 bis 12 Stunden, während dasPferd erst nach mehreren Tagen zu Grunde geht. NachEdenhuizen ist ein Thier unrettbar verloren, wenn dieUeberfirnissung mehr als den sechsten Theil der Körper-oberfläche beträgt. Was den Menschen betrifft, so kenntman aus der Ueberlieferung einen Fall, wo das Ueber-ziehen der Haut mit einem undurchlässigen Stoff denTod zur Folge hatte. Zur Krönung des Papstes Leo X. wurde ein Kind, das einen Engel darstellen sollte, ver-goldet und starb in der Nacht darauf, noch ehe es seinehohe Rolle ausspielen konnte. Manche Völker habenja noch heute, wie früher die Griechen, die Sitte, sichden ganzen Körper mit Fett einzuschmieren, und auchunter den modernen Culturmenschen bekämpft man mancheHautkrankheiten damit, daß man den Leib mit Salbeneinschmieren läßt, ohne daß es den Menschen schadete.Es ist daraus der Schluß gezogen worden, daß imGegensatz zum Thier der Mensch das Uebersirnissen seinerHaut ohne Schädigung ertragen könne. An welcherTodesursache geht aber das Thier zu Grunde? DieseFrage haben im Laufe der Zeit eine ganze Reihe vonGelehrten durch Versuche zu lösen gesucht, ohne endgiltigeKlarheit zu bringen. Die Einen glauben, daß durch das
Uebersirnissen die Hautathmung unterdrückt wird, so daßdie Ausscheidungsstoffe der Haut, als Wasser, Kohlen-säure, Ammoniak, flüchtige Riechstoffe und andere nochunbekannte Verbindungen sich im Thierkörper anhäufenund Vergiftung und Tod bedingen. Einige russischeForscher vertreten die Anschauung, daß der durch dasFirnissen verursachte Hautreiz in Folge seiner großenAusdehnung zu schweren nervösen Störungen und schließ-lich zur Lähmung der nervösen Centralorgane führe.Versuche aus der jüngsten Zeit unterstützen mehr einedritte Ansicht, daß nämlich die Todesursache einesüberfirnißten Thieres wenn nicht allein, so dochzum Wesentlichen in der Abkühlung liege, welche eSinfolge des gesteigerten Wärmeverlustes bei dem Versucheerleiden muß, die der Mensch bei sich aber durch dieKleidung oder die Bettdecke verhindert. Denn das Thierwird vor dem Uebersirnissen geschoren und ihm damitseine wesentliche Schutzwehr gegen die Abkühlung geraubt,und gradweise nimmt damit die Eigenwärme ab. Derbeste Beweis für die Abkühlungstbeorie wäre der Nach-weis, daß gefirnißte Thiere durch Aufhebung des Wärme-verlustes vor dem Tode bewahrt werden können, und inder That haben einige Forscher ihre Thiere durch Ein-packen in Watte, durch Halten in einem erwärmten Raumüber einige Tage nach dem Firnissen am Leben erhalten.Die Fähigkeit der Gewebe, den vom Blut hinzutretendenSauerstoff aufzunehmen und zur Verbrennung zu ver-werthen, ist, wie alle Lebensvorgänge im Thiere überhaupt,an gewisse Temperaturen gebunden. Je tiefer die Eigen-wärme des Warmblütlers unter 30 Grad sinkt, destomehr leiden die für die Oxydation im Körper unerläß-lichen Vorbedingungen; das die Gewebe durchströmendeBlut kommt schließlich als arterielles, d. h. noch mitSauerstoff beladen, in das rechte Herz zurück. Auch diekünstliche Athmung vermag somit den Tod der Thierenicht zu hemmen, und man könnte das Unvermögen derabgekühlten Zelle, den nöthigen Sauerstoff zu erhaltenund zu verbrauchen, als die eigentliche Todesursache an-sehen. Daß der Mensch scheinbar an der Ueberfirnissungnicht zu Grunde geht, hat eben dadurch seine Ursache,daß man ihn vor Abkühlung schützt; er liegt im Bettoder hat Kleider an. Ein nackter erwachsener Menschkann seine Eigenwärme unter einer Außentemperatur von27 bis 28 Grad Celsius nicht gleich erhalten, wennandere auf die Wärmeregelung einwirkende Bedingungen,wie Muskelarbeit, Aufnahme von Nahrung, ausgeschlossensind. Gewöhnung, Abhärtung, Fettpolster u. s. w. könnenja allerdings die Grenze etwas verschieben; so viel istaber sicher, daß kein Mensch bei gewöhnlicher Zimmer-wärme (17 bis 18 Grad) es eine halbe Stunde ohneFrost aushalten würde.
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Logogryph.
Es dehnt sich auö nach allen Seiten,
Und Alles, was uns rings umglänztIst d'rm, war d'rin seit Ewigkeiten,
's ist grenzenlos und doch begrenzt.
Schwer ist'S zu fassen, ohne Gleichen,
Sobald es an kein Ding gebannt,
Dock wird eS, streichst du nur ein Zeichen,Getränk, das dir gar wohlbekannt. 3.
Auflösung des Fiill-Räthsels in Nr. 52:
Bei Nacht find alle Katzen grau.
--EZS--