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mit mehreren Gebeten und jeweilig drei Ave Maria,11 Uhr Rosenkranz, 2 Uhr deutsche Vesper-Andacht,4 Uhr Kreuzweg-Andacht, 6 Uhr Rosenkranz , */z9 UhrAbend-Andacht; so wurde der Reise die religiöse Signaturals Pilgerzug aufgeprägt! Bei Ankunft an größeren Halt-stationen war Pause im Beten und Singen, um keinAufsehen zu machen. Die Lieder waren, mit Ausnahmedes Lourdesliedes „Ave Maria", dem Augsburger Ge-sangbüchlein entnommen (Gelobt sei Jesus Christus , GroßerGott, Salve Regina usw.). In Lyon hatten wir gesternum Regen gebetet, auch in Süd-Frankreich hatte es schonein paar Wochen nicht mehr geregnet. Heute, Donnerstag12. April, gab es in der Provence ein ansehnliches Ge-witter mit Blitz und Donner, es regnete in Strömenbis 5 Uhr Abends. Wir näherten uns Avignon , dasuns mehr interessirte als die bisherigen größeren Stationenseit Lyon, wie Tournon, Lavoulte, Viviers , St. Esprit,Bagnols, Villeneuve, die wir eilig Passirt hatten!
(Fortsetzung folgt.)
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Oberstaufe«.
(Htezu das Bild Seite 415.)
Der Markt Staufen ist im Bezirksamt Sonthofcn,Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg, gelegen. Esist wahrscheinlich, daß der Ort ein Bestandtheil jenergroßen Grafschaft im Albegau gewesen, welche Graf Hart-mann von Landau mit der Burg Meglofs oder Eglofs im Jahre 1243 zu Capua um 3200 Mark Silber anden Kaiser Friedrich II. verkauft hat.
Im Besitze der Beste Staufen findet man zu An-fang des 14. Jahrhunderts die Familie von Schellenbergbeurkundet. Der Ritter Marquart von Schellenberg ver-kaufte die Burg mit der Pfarrei Staufen 1311 um 650Mark Silber an den Grafen Hugo von Montfort . Dieserneue Besitzer stiftete 1328 zu Staufen eine neue Collegiat-kirche mit einem l-'ruspoLitus (Propst) und sechs Pres-bytern. Das Schloß Staufen lag auf einer Anhöhe beidem jetzigen Markte Staufen. Im Bauernkriege wurdees zerstört, von dem Grafen Wolf von Montfort aberwieder erbaut. Auch nach einem zweiten Brande 1611hat Graf Hugo von Königsegg - Rothenfels das Schloßwieder repartren, einen Schloßflügel und eine Kapellehinzuerbauen lassen. In der letzten Zeit wurde das Schloßnur noch als Jagdschloß benützt, 1807 wurde es gänzlichabgebrochen. Die Herrschaft Staufen mit der GrafschaftRothenfels war 1567 von dem Grafen Ulrich von Mont-fort an den Freiherrn von Königsegg um 155,000 fl.verkauft worden. 1804 verkaufte Graf Franz v. Königs-egg-Rothenfels die Reichsgrafschaft Rothenfels mit Staufenan den Kaiser Franz II. von Oesterreich . Der PreßburgerFriede vom 26. Dezember 1805 theilte die HerrschaftStaufen der Krone Bayern zu. Der Markt Staufen , dergegenwärtig ca. 900 Einwohner zählt, ist 1680 bis aufdrei Häuser abgebrannt.
Oberstaufen ist eine beliebte „Sommerfrische", be-sonders auch der Augsburger; in den dortigen zahlreichenguten Gasthäusern ist für Speise und Trank bestens ge-sorgt bei civilen Preisen.
(Unser Bild ist nach einer Photographie von K. Ebertin Kempten .)
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Zu unseren Bildern.
Kadi Carnot, priistdent der franröstschen Republik
Am 24. Juni l. I. wurde der Präsident der französischenRepublik, Sadi Carnot, von dem Italiener Cesario GiovanniSanto in Lyon, wie bereits durch die Tagesblätter des Näherenmitgetheilt, auf offener Straße erdolcht. Ueber den äußerenLebensgang Sadi Carnots sei Folgendes mitgetheilt: MarieFrantzvts Sadi Carnot, Sohn des Staatsmannes und Publi-zisten Lazare Hippolyte Carnot, Enkel des Grafen Lazare Nico-las Marguerite Carnot, der unter dem Konsul BonaparteKriegsminister war, wurde am 11. August 1837 zu Limoges geboren, trat 1857 in die polytechnische Schule ein und wurdespäter zum Ingenieur in Annecy ernannt. Am 10. Januar1871 wurde er von Gambetta zum Präfeklen des Departementsder unteren Seine eraannt und mit der Organisation dernationalen Vertheidigung in den drei Departements der unterenSeine, Eure und Calvados betraut. Am 8. Februar desselbenJahres wurde er auch in die Nationalversammlung gewählt.Carnot trat der republikanischen Linken bei und wurde derenSchriftführer; 1876 wurde er in die Abgeordnetenkammer ge-wählt ; hier trat er für alle Maßregeln ein, die geeignet waren,die Republik zu befestigen, und gehörte am 16. Mai 1877 zuden 363, die dem Ministerium Broglie ein Mißtrauensvotumertheilten. Er trat besonders bei den Verhandlungen über dieöffentlichen Arbeiten, die Eisenbahnen, die Binnenschifffahrthervor, auch als Berichterstatter der Budgetkommission, undwurde am 26. August 1378 Unterstaatssekretär im Ministeriumder öffentlichen Arbeiten, um am 22. September 1880, nachFreycinets Sturz, die Leitung dieses Ministeriums zu über-nehmen. Im November 1882 vom Amte zurückgetreten, wurdeSadi Carnot im April 1885 zum Finanzminister im Ministe-rium Brisson und dann auch im Ministerium Frcycmet ernannt.Als GrSoyö Stellung unhaltbar geworden war. faßten dieentschiedenen Republikaner neben Freycinet Sadi Carnot wegenseines berühmten Namens wie wegen seiner bewährten Uneigen-nützigkeit inö Auge, zumal Herrichsucht und Ehrgcir ihm fremdzu sein schienen. Bei dem ersten Wahlgang am 3 Dezember1887 erhielt er die relative Mehrheit, 303 Stimmen, während212 auf Ferry, 148 auf General Saussier und 76 auf Frcy-cinet fielen, bei dem zweiten Wahlgang, nachdem Ferry undFreycinet zu seinen Gunsten zurückgetreten waren, 616 von827 Stimmen. Seine Wahl war besonders durch den Umstandgefördert worden, daß er als Finanzminister die Rückerstattungvon 150,000 Fr. Stempelsteuer an die — Grsvy und Wilsonbefreundeten — Bankiers Dreyfus verweigert hatte, die feinNachfolger Dauphin genehmigte. Als Herr Rouvier diese That-sache zur Kenntniß der Kammer brachte, erhob sich diese ein-müthig und brachte dem Ehrenmann eine stürmisä e Huldigungdar. — Carnot hat die Erwartungen gerechtfertigt, die seineWähler in ihn gesetzt hatten. Er war ein fester Republikaner,ein tüchtiger Redner und verstand es auch, mit der nöthigenWürde das Staatsoberhaupt zu spielen.
Hastige Arrestanten.
Die drei Schlingel, die Du hier siehst, haben heute ihrPensum nicht gelernt und müssen nun ihre Faulheit mit Schul-Arrest büßen. Das scheint den Burschen aber nicht sonderlichKummer zu verursachen, denn sie befinden sich in heitersterLaune; wenigstens die Zwei da, der Seppl mit der langen Pfeifedes Herrn Lehrers und der Maxl mit der Geige. Hansjörgscheint es augenblicklich ernst zu nehmen; den Hopf auf dieHände gestützt, ist er gar eifrig in seine Lektüre vertieft.^ Wasmag sich da wohl der alte Schulmeister denken, der, eben zurThür hereingekommen und hinter der Schultafel stehend, dasKleeblatt betrachtet. Am Ende gibt's für den Raucher und denGeigenvirtuosen noch einen Extra-Airest.
Kchlangendändiger.
Schlangenbändiger gibt es hauptsächlich im Orient und beiden afrikanischen Völkern. Unser heutiges Bild stellt eine Scenedar, welche uns den Schlangenbändiger eben in Ausübung seiner„Kunst" vergegenwärtigt. Auf einer Reise dui ch das Wüsten-land begriffen, haben die Beduinen Halt gemacht, um dem selt-samen Schauspiele des Schlangentänzers ihre Aufmerksamkeitzu widmen. Auf dem Boden kauernd, spielt ein brauner Sohnder Wüste zum Tanze auf. In Nianchen Ländern Afrika's wer-den eigene Schlangenfesttage gefeiert und spielen die Schlangcn-bändigcr, auch Schlangenzauberer genannt, dort eine große Rolle.