Ausgabe 
(6.7.1894) 55
Seite
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Anordnung eines hierauf bezüglichen Officiums und derMissa, die alljährlich am 18. Februar zu Ehren diesergeheimnißvollen Erscheinung zu cclebrircn ist. Nicht alsFremde fühlten wir uns hier, an diesem zum erstenmalegeschauten Orte, sondern wie Kinder in der Heimath, inder Nähe der Mutter! Der Felsen, auf welchem dieFüße der himmlischen Erscheinung geruht, liegt vor demPilger; heiliger Schauer ergreift ihn. er wirft sich niederauf die Kniee und betet: ^.vs Nuriu Imwaeulata!Die geheimnißvolle Anziehungskraft, welche die Grotteauf alle sich ihr Nahenden ausübt und auf Hundert-tausende ausgeübt hat, ist allein Beweis genug für dieWahrheit der Erscheinung. Welch liebliches, einzigartigesHeiligthum ist dies! Das Auge sieht npr die Felsen-höhle mit dem lichtumslossenen Marmorbilde der un-befleckten Gottesmutter, über dem Felsen ist der Himmels-dom, im Hintergründe die Gebirgslandschaft: die hohen,an den Gipfeln schneebedeckten Berge der Pyrenäen ; dasOhr hört nichts, als das Rauschen des nahen Gave-flusses und das Knistern der hundert brennenden Kerzen.Gewaltig ragen an dieser heiligen Stätte die schwarz-grauen Felsen empor, deren tiefer Ernst gemildert istdurch das zarte Grün der Gräser und Gesträuche. Dieheilige Grotte dehnt sich am Fuße des Berges aus,12 in breit, 7 m hoch und 8 m weit in den Felsenhinein. Rechts, etwas erhöht, ist die Nische der Er-scheinung mit der Marmorstatue derunbefleckten Em-pfängnis;", eine anmuthige, liebliche Gestalt, von einemder ersten Künstler Frankreichs in Lyon gebildet. DieNische ist eine große Fclsöffnnng in ovaler Form, 4 müber dem Boden, die sich etwa 1 m 50 am von untennach oben in den Felsen hinein vertieft und sich dannin zwei Arme abtheilt, von denen sich der eine in dieuntere Grotte herabsenkt, während der andere nach obenhin an der Außenseite des Felsens mündet.

Nachdem der hochw. ?. Superior der Missionäreuns in französischer Ansprache begrüßt hatte, deren Haupt-inhalt der deutsche k. Asprion wiederholte, hielt auchHerr Director Beyrer an die Pilger eine erhebende An-rede von der Kanzel aus, die neben der Grotte an-gebracht ist, unter Zugrundelegung des Kirchengeldes8t. Nrrriu, suoourrs miserm usw., nebst Aufforderungzum fürbittenden Gebete für Angehörige, Wohlthäter,Lebende, Verstorbene, für's Vaterland und Königshaus,für Papst und Bischof, für Alle, die sich in unser Gebetempfohlen!

In sehr gehobener Stimmung kehrten wir vornGnadenorte zur Stadt zurück, in die Hotels zum Mit-tag-Tisch. Um 2 Uhr fand für die sangeskundigen Pil-ger und Pilgerinnen in der Abri-Halle Chorprobe einerFestmesse von Stehle (gemischte Stimmen) für das Hoch-amt am folgenden Tage statt.

(Fortsetzung folgt.)

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ALLereLsi.

Naive Freude. Mutter (Bäuerin beim Besucheihres Sohnes in der Universitätsstadt ^:Ach, wie siehtes hier unordentlich bei Dir aus! Ich freue michnur, daß Du wenigstens die theuren Bücher recht ge-schont hast!"

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Großmutter und Kind.

Jung und All, lobet den Namen des Herrn.

Psalm 148, 12.

DaS waren beide ein seltenes Paar,

Sie zählten zusammen wobl hundert Jahr',Großmütterlein fröhlich und noch gesund,

Die Enkelin traurig und todcswund.

Oft sprach die Alle von alter Zeit,

Dann lauschte die Kranke in ihrem Leid,

Ein Znumer schloß Frühling und Winter ein,

Mocht'S draußen Frühling, mocht's Winter sein.

Als ich ein Mädchen, wie Du jetzt, war,

Trug ick ein Kränzlein im Lockenbaar,

Ich durfte gehen zum Tuch des Hwrn,

Wie liegen die Zeiten so weit, so fern!"

Großmutter, dort hanget ein Myrtenreis,

Mein Kleidchen im Kauen ist schnceigt weiß,

Bin ich nur gesund, dann gehe ich auchZu meinem Heiland nach and'rer Brauch."

Aus der Alten Aug' eine Thräne sich stahl,

Tes Kindes Wangen waren so fahl,

Und kannst Du nicht selber zum Heiland geh'N,

So sollst Du an Deinem Bette ihn seh'n."

Der Herbstwind färbte die Blätter roth,

Da kam in die S übe zu Gaste der Tod,

Dem Kinde zogen sie 'S Brautkleid au,

Es hat den Bräutigam sterbend empfahn.

Großmutter und Enkelin haben geweint,

Als sie mit dem Herrn sich selig vereint.

Die Kleine that es den Großen gleich,

An Jugcird wurde die Alte reich.

Das waren beide ein seltenes Paar,

Die welkende Blüthe beim grauen Haar,

Großmütterlein fröhlich und noch gesundUnd ihre Enkelin todeswund.

Adolph Müller .

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Schachaufgabe.

Von L. Tavcrnec (Boston ).

Scbwarz.

Weiß zieht an und seht mit dem 2. Zuge matt.

Auflösung des Logogryphs in Nr. 53:

Raum. Rum.

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