Ausgabe 
(13.7.1894) 57
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Gewerbsleute und von jedem Alter. Diese große Be-rühmtheit von Lourdes verdankt es eben den Erschein-ungen der unbefleckten hl. Jungfrau Maria in der Felsen-grotte zu Massabielle und den zahllosen Gnaden, die seitdiesen Erscheinungen dort gespendet werden.

Betreffs dieser Erscheinungen müssen wir auf dieSpecialbeschreibungen und Schriften über Lourdes ver-weisen, wie von Dr. Hofele-Leutkirch, Laserre, die kleinerenSchriften von k. Koneberg und k. Eberle, Dr. Ackerl-Linz, und bemerken hierüber nur Folgendes:

Am 11. Februar 1858 gingen die zwei SchwesternBernadette und Marie Soubirous und ein drittes Mäd-chen, Töchter armer Leute aus Lourdes , hinaus an daslinke Ufer des Gave zum Felsen Massabielle, um dortHolz zu suchen. Bernadette hört ein Geräusch, sie schautempor und steht in der ober der Grotte befindlichen läng-lichen Felshöhluug eine Frau von unvergleichlicher Schön-heit, von himmlischem Glänze umflossen, eine Frau vonmittlerer Größe und jugendlicher Anmuth; in edler Ein-fachheit wallt ein blendend weißes Kleid herab, an jedemihrer Füße erblüht eine goldene Rose, von ihrem Hauptefließt ein faltenreicher Schleier fast bis zum Saume desKleides, während ein himmelblauer Gürtel ihre Hüfteumschlingt, dessen beide Enden bis an die Füße reichen.Freundlich, mit einem Blicke unvergleichlicher Milde lächeltdie wunderbare Erscheinung dem 14jährigen Kinde zu,neigt Haupt und Hände grüßend gegen Bernadette, welchenun den Rosenkranz betet; nach 20 Minuten verschwindetdie Erscheinung. Von nun an zieht es Bernadette mitunwiderstehlichem Dränge zur Grotte hin; vor vielenTausenden denn die Sache wurde bald bekanntkniet sie da in Verzückung und schaut hinauf zur Felsen-höhle, in der sonst kein Auge als das ihrige die wunder-bare Gestalt erblickt. Vom 10. Februar bis 10. Juligenoß sie dies Glück 18mal. Bei der 6. Erscheinung bracheine Quelle aus dem Felsgestein der Grotte hervor, wo-bei die himmlische Erscheinung sprach, nachdem sie derBernadette zuvor ein dreifaches Geheimniß Mitgetheilthatte:Und nun trinke und wasche Dich an der Quelleund von den Kräutern, welche dort wachsen!", welchenAuftrag sie erfüllte. Anfänglich war es ein schmalerWasserstreifen, der gegen den Eingang floß; am andernMorgen sprudelte die durch eine unbekannte Macht ausgeheimnißvoller Tiefe heraufbeschworene Quelle immerstärker; anfangs etwas schlammig, wurde sie hell undklar, sprudelte in einem Wafferstrahle, der die Stärkeeines Kinderarmes hatte, aus der Erde hervor, 85 Literper Minute, 5100 Liter per Stunde, 122,400 Liter perTag. So fließt das Wasser nun schon seit 35 Jahren,ohne an Kraft und Stärke abzunehmen; die Pilger tretenehrfurchtsvoll hin, um zu trinken und sich zu waschenoder zu baden, und Tausende von Litern werden jährlichnach allen Theilen der Welt versendet zum heilbringendenGebrauche. Durch einen gedeckten Kanal wird es außer-halb der Grotte zu einem geschlossenen Marmorbehältergeleitet, den als Inschrift die an Bernadette gerichtetenWorte der seligsten Jungfrau zieren:Trinke aus derQuelle und wasche Dich daselbst!"; aus mehreren Röhrenfließt dasselbe. Es ist ein außerordentlich frisches Wasser,das die Quelle gibt. Durch einen neuen Kanal wird esnach seinem Abflusse aus dem Marworbassin einige Schritteweiter längs der Felswand zu zwei größeren Bassins inein Badehäuschen mit zwei Abtheilungen für Männer undFrauen geleitet für diejenigen Pilger, welche durch Ein-

tauchen des Körpers oder einzelner Glieder Heilung suchen.Von jenem Moment an mehrten sich Tag für Tag diewunderbaren Heilungen an Kranken, welche das Wassergebrauchten. Die Quelle ist wie der Schafteich zu Jeru-salem ; in diesem lag eine große Menge von Kranken,Blinden, Lahmen, Abgezehrten, welche die Bewegung desWassers durch einen Engel des Herrn abwarteten, derzur bestimmten Stunde in den Teich hinabstieg; wer zu-erst nach der Bewegung des Wassers in den Teich hinab-stieg, der ward gesund, mit welcher Krankheit er auchbehaftet sein mochte. Joh. V, 25. Schon wenige Stundennach ihrer Entstehung begann die Quelle ihre Heilskraftzu äußern und hat sich bis heute an Tausenden erprobtin Lourdes und sonst aller Orten, wo man dieses Heils-wasser sich hatte schicken lassen. Andere Aeußerungen derhimmlischen Frau an Bernadette waren:Ich versprecheDir, Dich glücklich zu machen, nicht in dieser, aber inder andern Welt!" und sie setzte hinzu:Ich wünsche, daßviele Leute hierherkommen!" Am 21. Februar sagte dieErscheinung, mit Trauer erfüllt, dreimalBuße!" undBete für die Sünder!" Am 23. Februar sagte sie mitfreundlichen Worten:Meine Tochter, geh' und sage denPriestern, daß ich an diesem Orte eine Kapelle errichtethaben will, und daß man in Prozessionen hierher ziehe!"Die Stelle, wo Bernadette zu beten pflegte und die Er-scheinung sah, ist mit einer Marmorplatte bezeichnet, daraufdie Worte stehen:Hier hat Bernadette gebetet!" Inden Morgenstunden des 25. März, dem Feste MariaVerkündigung, folgte das begnadigte Mädchen wiedereinem inneren Rufe und eilte zur Grotte. Bisher hattedie Erscheinung ihren Namen nicht genannt; sie wollteZuerst durch unzählige Werke himmlischer Barmherzigkeitden Herzen der Gläubigen ihren Namen einprägen underst dann durch eine feierliche Offenbarung die frommeUeberzeugung und den Glauben des christlichen Volkesbestätigen, welches längst erklärt hatte, die Erscheinungkönne nur die allerseligste Jungfrau gewesen sein.

Jetzt, nachdem 3 Jahre und 3 Monate verflossenwaren, seit Pius IX. , der große Verehrer der Gottes-mutter, umgeben von vielen Bischöfen, als Glaubenssatzerklärt hatte, daß Maria ohne Makel der Erbsünde em-pfangen, jetzt wollte sie selbst feierlich die frohe Botschaftverkünden und den vor 39 Monaten verkündeten Glaubens-satz wunderbar durch ihren eigenen Ausspruch bestätigen.Bernadette war wieder zur Grotte geeilt, eine großeMenschenmenge war ihr gefolgt; sobald sie sich auf dieKniee niedergelassen, zeigte sich ihr die Erscheinung imherrlichsten Strahlenglanze in unendlicher Lieblichkeit undsprach auf die wiederholte Anfrage des Kindes:Ich bindie unbefleckte Empfüngniß!" (js sui8 iramaoulös con-osxtioll), Worte, die sie nie gehört, die sie dem Pfarrermittheilte, dieser und das christliche Volk verstandenes wohl, man hatte sich nicht geirrt, die wunderbare Frauwar die allerseligste Jungfrau, die unbefleckt empfangeneMutter des Herrn. Eben diese Worte prangen jetzt ingoldenen Lettern über dem Haupte der Marien-Statue.

Noch zweimal erschien die himmlische Frau dem un-schuldigen Kinde, zum letzen Male am Scapulierfeste, dem16. Juli, um das hartverfolgte Mädchen zu trösten, fürdie Vergangenheit zu belohnen und für die Zukunft zustärken. Mit unendlicher Liebe neigte die Himmelsköniginihr Haupt zum Abschied und verschwand, um in die ewigenWohnungen des Himmels zu ihrem göttlichen Sohne Jesuszurückzukehren. Diese Offenbarungen sind von der höchsten