Ausgabe 
(13.7.1894) 57
Seite
439
 
Einzelbild herunterladen

439

kirchlichen Autorität geprüft und anerkannt. Ich übergehedie zahlreichen Wunder, die in der Grotte und an derHeilquelle seitdem geschahen bis heute, und die noch zahl-reicheren Bekehrungen; bei der französischen National-Wallfahrt 1882 sind, wie die Annalen berichten, 176wunderbare Heilungen und 800 Bekehrungen bewirkt wor-den; zahllos sind die Gebetserhörungen l Eine auffallendeHeilung geschah auch an einem Gelähmten, der täglichim Wägelchen zur Grotte und Quelle gefahren wurde undam letzten Tage geheilt mit uns heimkehren konnte, L.aus Nicderbayern, außer ihm noch drei Kranke, nämlichzwei Priester, ein Laie, und merkwürdige Gebetserhörungen,sowie eine auffällige Bekehrung eines Sünders, der 14Jahre lang nicht mehr die Sakramente empfangen hatte.Die vielen Hundert Krücken, womit der untere Theil desFelsens weit hinauf bedeckt ist, sind auch Zeugnisse dervielen Wunder, die hier geschehen. In der Grotte brennenmeistens 200 Kerzen; am Gitter steht eine große Kisteauf vier Rädchen, welche fort und fort wieder gefüllt wirdseitens der Pilger mit größeren und kleineren Kerzen.Wie wir bereits angegeben haben, befindet sich die Grottein einer senkrecht abfallenden Felsenwand, hat unten eineBreite von 6 Metern, eine Tiefe von 5 Metern, nachoben sich verengend betrügt die Höhe 6 Meter; die Nische,in welcher die unbefleckte Empfängniß dem begnadetenMädchen erschien, bildet den Schluß der Höhle nach oben,deren ganzen Raum die herrliche, lebensgroße Statue auscarrarischem Marmor ausfüllt. Die Mitte der Höhle nimmtein kleiner Altar ein, in dessen Nähe große eiserne Kron-leuchter mit brennenden Kerzen, während große brennendeKerzen im Hintergrund aufgestellt sind. Die neben derStatue befindliche Felswand ist mit Epheu und anderemwirr verschlungenen Gewächse bedeckt, das mit seinenZweigen bis zur Statue sich ausdehnt; zur Rechten machtsich ein Nosenstock breit. An die Felscnwand halten diePilger alle religiösen Gegenstände, die sie zur Erinnerungan Lourdes den Ihrigen nach Hause bringen wollen, unddrücken die Stirne an dieselbe. Von dem Gewölbe derGrotte herab schwebt eine goldene Lampe vor dem Altare,zu dessen linker Seite Sitze angebracht sind für den Klerus,auch für Kranke, die hier im Anblicke der Madonna-Statue ihre Gebete um Heilung ihrer Gebrechen verrichten;in Nollwägelchen ruhen solche Kranke, die, des Gebrauchesihrer Glieder beraubt, täglich hierher gebracht werden, bissie Erhörung finden. Von Zeit zu Zeit verkündet einMtsstonspriester eine Reihe von Anliegen und bittet umdas Gebet der Pilger, worauf eine Litanei folgt. Einzierliches Gitter trennt das Heiligthum vom Vorplätze,der sich bis zu dem hier kanalifirten Gavefluß ausdehnt,mit Asphalt gepflastert und seitwärts durch hohe Bäumegeschützt ist; in mehreren Reihen sind Knie- und Sitz-Bänke aufgestellt. Dieser große schöne Platz, auf dem für20,000 Menschen Raum ist, wurde dadurch gewonnen,daß man den Gavefluß zurückdrängte. Seitwärts führtan der Felsenwand, in drei Abtheilungen gebrochen, einbequemer Weg auf die Anhöhe zur Basilika, der bei denLichterprozessionen einen wundervollen Rückblick auf diegroßartige Illumination gewährt.

Wenn man über den Fluß hinüberschaut, so siehtman ein schönes, geräumiges Gebäude, von Anlagen undBaumgruppen umsäumt, den Karmeltter-Convent auf demBerge Karmel, von welchem oft melodisches Geläute er-tönt. An der Anhöhe hin schlängest sich das Geleise derBahn nach Spanien um den Hügel herum, so daß die

von dorther kommenden Pilger von den Waggons ausdie Grotte sehen und begrüßen. 5 Minuten nördlich istdas arme Kloster der Frauen von der unbefleckten Em-pfängnis;, wo auch Pilgerinnen billig beherbergt werden;man. gibt ihnen Almosen, indem man dort Devotionalienkauft. Von der Grotte, welche unter dem Presbyteriumder auf dem Felsen thronenden Basilika liegt, führt einSerpentinweg im Schatten duftender Akazien hinauf zumgroßartigen Marmorbau dieser weltberühmten Wallfahrts »Kirche 10 Minuten westlich von der Stadt Lourdes . Sieist in romanisch-gothischem Stile erbaut und hat zweiStockwerke, eine Krypta und über dieser die dreischiffigeHauptkirche, zu der außerhalb der Krypta eine breite Stein-treppe führt. Wir treten zuerst in die Krypta ein; sieist halbkreisförmig gebaut, reich verziert, enthält fünfkleinere Kapellen mit ebensoviel Altären, in zahlreichenNischen eine Menge von Beichtstühlen. Hier wird die ganzeWoche der Gottesdienst gehalten, in der oberen nur anSonntagen; diese unterirdische Kirche enthält drei durchPfeiler getrennte Schiffe; der Hochaltar ist unmittelbarüber der Erscheinungs-Nischengrotte. Vom frühen Morgenan wird das hl. Meßopfer hier dargebracht und sie ist stetsvon Andächtigen gefüllt. Eine große Anzahl von Votiv-Kerzen erhellt das Halbdunkel. Wegen Mangel an Mi-nistranten müssen sich immer zwei Priester vereinbarenund an einen Altar treten. Dort ist alles Nothwendigevorbereitet, bis auf die Hostien und das Kelchtuch, wasin der Sakristei geholt wird. Nun macht zuerst Einer derHerren den Meßner und Ministranten, und xosb missain Itrifft den Andern das Ministriren. Klingeln werden betder heil. Wandlung nicht benützt, weil meist 5 Priestercelebriren zu gleicher Zeit. Gerade in dieser dunklenKrypta sind schon viele Wunder geschehen! Auf zweigroßen Treppen, die zu beiden Seiten des Eingangsemporsteigen, gelangt man zum Atrium der Basilika; inschönster Lage auf hohen Fels gebaut, beherrscht dieserGottestempel die ganze Gegend. Steht man unter dergeräumigen Vorhalle, die von hohen Säulen getragenwird, so genießt das Auge einen wundervollen Anblick.Ueber dem Ufer des Gave gewahrt man südlich auf steilerFelswand die Stadt und Burgveste, zur Linken herrlicheTriften und grünende Wiesen und die stets belebte Straßenach Pau, zur Rechten die hohen Pyrenäen, oben mitSchnee bedeckt, tief unten der reißende Gebirgsfluß. Ander Fatzade der Kirche steigt ein schöner gothischer Thurmhoch empor, dessen Fuß das Portal mit einem zierlichenPortikus bildet. Ueber dem Portal sieht man das Bild-niß Pius' IX. in Mosaik und darüber eine zierlicheFensterrose.

Die Basilika ist von milchweißen Quadern erbaut.In ihren weiten Räumen umfaßt diese Wallfahrtskircheeinen Kranz von 15 Kapellen, die das Schiff und denChor umgeben; alle Altäre sind von schönem weißemMarmor. Den Glanzpunkt der Kirche bildet der hohe,reiche, prachtvolle Hochaltar Unserer Lieben Frau vonLourdes auf dem herrlichen hohen Chor. Ueber ihm haltenzwei silberne Engel eine aus Gold gefertigte Doppel-Palme, welche Pius IX. als Weihegeschenk hierher ge-sendet, und unter dieser leuchten aus flammenden gol-denen Herzen künstlich zusammengesetzt die Worte, durchwelche die allerseligste Jungfrau sich als die unbefleckteEmpfängniß offenbarte; der Hochaltar, aus weißem Mar-mor zierlich erbaut, ist von einem prachtvollen Broncegitterumschlossen. Die hohen Stufen des Altares und den