Ausgabe 
(27.7.1894) 61
Seite
470
 
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ungcn erheben ihre Wellen im Brausen vieler Wasser.Wunderbar ist der Aufruhr des Wassers, wunderbar derHerr in der Höhe."

Dieses Mittelmeer haben wir überquert im Jahre1880 auf einer Palästinareisei Seltsame, erhebendeGedanken erfassen den denkenden Menschen auf dem Meere;man fühlt sich angeweht vom Odem der Ewigkeit, fürwelche das Meer, das unermeßliche, ein Gleichnis; ist,da sie nie aufhört, auch nicht, wenn so viele Jahrtausendeverflossen sind, als das Meer Wassertropfen enthält; hierlernt man von Herzensgrund beten zum Allmächtigen,dessen Hand das Schiff und seine Bewohner führt überdie sturmbewegtcn Wellen zum sicheren Hafen und vorUnglück bewahrt (Sturm, Blitz, Brand, Klippen, Sand-bänke rc.). Jenseits des Mittelmeeres liegt Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis ), Aegyptcn, sodannAsien mit dem heiligen Lande Palästina.

Ueber Montpellier nach Avignon . Hier benutztenMehrere den Aufenthalt von 1 Stunde 40 Min., umsich die Stadt zu besehen. Die Stadt zählt 33,000 Ein-wohner, ist am linken Ufer der hier mit einer prächtigenDrahtbrücke überspannten Rhone , liegt malerisch am steilenAbhang eines 60 rn hohen Kalkfelscns, der das mächtigeSchloß der Päpste und die Kathedrale Notre Dame trägt.Die .Stadt selbst hat noch die alten, thurmbewehrtenMauern ihrer Glanzzeit und die schmalen Straßen desMittelalters; aber vom Bahnhöfe zieht die schöne breiteStraße de la Republique schnurgerade durch sie hin-durch über den Nathhausplatz bis zum Felsen mit derPapsiburg. Zu Wagen gelangt man in etlichen Minutenvom Bahnhof aus hinauf. Dieser Palast ist ein weit-hin das Land beherrschender, majestätisch aufragender Bau,133664 von den damaligen Päpsten errichtet, breitund verschlossen mit wenigen und schmalen Spitzbogen-fenstern, großen Blendbogen, ernsten, bräunlichrothenMauerflächen, sechs massigen, viereckigen Thürmen; zurZeit ist die Burg Kaserne, soll aber eine andere Be-stimmung erhalten. Die Erlaubniß zum Besuch hat manim Nathhaus, Hotel de Wille, zu holen; wir hatten hiezukeine Zeit. Der Consistoriumssaal soll sehr berühmteFresken enthalten; außer vielen Nebensälen sei beachtens-werth der Nathssaal, die Galerie des Conclave , der nörd-liche Flügel mit mehreren Kapellen, die päpstliche Kapelle,die Kapelle des hl. Officiums und die Tour de Trouillas.Nördlich von der Papstburg ist die Kathedrale Notre Damemit prachtvollem romanischem Portal; das Schiff zeigtdas System der romanischen Kirchen Südfrankreichs , dieschmalen Seitenschiffe sind in Kapellen umgewandelt;neben der Sakristei das Mausoleum Johanns XLII.,ein Prachtwerk von Marmor in gothischem Stil, vongraziöser Leichtigkeit, aus dem 16. Jahrhundert. Vonden Päpsten, welche hier residirten, nennen wir Benedikt XII. ,Clemens VI. , Jnnocenz VI., Urban V. u. A. Aus derKirche auf die Promenade mit Gartenanlagen, Spring-brunnen, herrlicher Aussicht. Zurück in die Stadt, dessenMuseum Calvet sammt dem nahen botanischen GartenAndere besuchen, denen mehr Zeit gegönnt ist.

Die Straßen sind sehr belebt, wir gewahren sehrviele Officiere und Soldaten. Wir kommen noch recht-zeitig auf dem Bahnhof an; ein Oberst fragt uns, obwir Preußen seien? Wir antworten: äs Lrrvisro,^utrissis, aus Bayern und Oesterreich I trss Uion, sagter, und unterhält sich mit uns noch kurze Zeit, bis esheißt:en voitures", in die Wagen; der Zug geht ab

über Valence nach Lyon , wo wir Nachts 11 Uhr 26 Min.ankommen.

In Lyon kamen ein paar Herren wieder zu uns,die von Lourdes aus einen Abstecher nach Marseille ge-macht hatten. Nach eiuem Aufenthalte von 25 Minutendampfte der Expreßzug weiter; seit Cette hatten wirwieder die wohnlichen Lyoner Wagen, in denen wir eSuns bequem machen konnten; Alle überließen.sich demSchlafe bis zur Greuz-Station Bellegarde , wo wir dieSchweizer Waggons besteigen mußten. Eiligst fuhren wirweiter nach Genf, vorbei an gewaltigen Bergriesen (Mont-blanc ), die blaue Flnth des See's bewundernd, die schmuckenLandhäuser wie die ausgedehnten Weinberge und Gärtenmit Vergnügen betrachtend. Nach 4 Uhr waren wir inGenf angekommen, verließen es nach dreiviertelstündigemAufenthalte; die Landschaft am See bietet ein unver-gleichlich schönes Bild; wir sehen das hübsch gelegeneschöne Lausanne ; später entschwindet der See unserenBlicken; in Freiburg erreichen wir die deutsche Sprach-grenze. Es war nicht möglich, länger anzuhalten, sonstwären wir gerne wie die Pilger von 1880 betend zumGrabe des seligen Petrus Canisius in Prozession gezogen,der ja auch ein Apostel Deutschlands war, in Bayern den Irrlehren entgegenwirkte und zuletzt, am Ende seinesthatcnreichen Lebens, auch den Kanton Freiburg zumkatholischen Glauben zurückgeführt hat. Sein Andenkenlebt besonders in der Stadt Augsburg und in der ganzenDiözese fort, wo er so viel gewirkt hat für den kathol.Glauben, ebenso in Jngolstadt, Landshut .

Wir fahren sodann durch fruchtbare Gefilde, eilenvorbei an Bern , der Bundeshauptstadt, Vorm. 9 Uhr48 M., erreichen den lieblichen Vierwaldstütter-See undverweilen eine Viertelstunde im schönen Luzern. EinigeHerren wollen den See befahren und uns bis Einsiedeln nachfahren. Die Fahrt führte an den Ufern des See'shin, den viele Fahrzeuge belebten; von dem diesseitigenlanggestreckten Ufer winkten eine Reihe freundlicher Ort-schaften herüber; sodann ging es in sanfter Steigungaufwärts, mit dem Ausblick nach dem Nigi, vorbei anStation Goldau; welcher Unterschied in der Vegetationhier, im Vergleich zu Frankreich! wir sahen Tausendevon Kirschbäumen! Endlich gelangen wir nach vierund-dreißigstündiger ununterbrochener Fahrt, während der wirzwei Nächte in dem stets rollenden Zuge verbracht hatten,nach Einsiedeln, Nachmittags vor 4 Uhr.

Es ist ein lieblicher, an einen Hügel malerisch hin-gestreckter Ort, gekrönt von der großen Wallfahrtskirche,vor welcher ein großer freier Platz sich erstreckt, der durcheinen hübschen monumentalen Brunnen geschmückt ist.Hier sind die Geschäftshäuser der großen Firma Benziger ,in der ganzen katholischen Welt bekannt. Nachdem diePilger in verschiedenen Quartieren gut untergebrachtwaren, eilten Alle, um ihre Begrüßuugs-Audacht vor demGnadenbilde zu verrichten. Abends 6 Uhr beteten wirgemeinsam den Rosenkranz. Jeder suchte zeitig nach ein-genommenem Abend-Imbiß die Lagerstätte auf, um vonder langen Fahrt auszuruhen. Morgens 5 Uhr eilten diePilger wieder zu der großartigen Kirche, wo an vielenAltären heilige Messen celebrirt wurden. Alle waren er-staunt über die Größe und Schönheit dieses prächtigenTempels, in dessen Mitte die Kapelle mit dem gold-strahlenden Gnadenbilde der Himmelskönigin Maria mit demJesukinde sich befindet, stets umlagert von Andächtigen.Wir Lourdes -Pilger hatten gewiß Grund, eine herzinnige