Ausgabe 
(27.7.1894) 61
Seite
471
 
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Danksagung hier abzustatten für den glücklichen Verlaufunserer großen Wallfahrt, während welcher wir den SchutzMariens so reichlich erfahren hatten. Auch hier, au diesermarianischen Gnadenstätte, sind schon Tausende in ihrenGebeten erhört worden und haben wunderbare Hilfe ge-funden durch Mariens Fürbitte in leiblichen und geist-lichen Nöthen; Tausende wallfahrten alljährlich hierheraus der Schweiz, Süddeutschland, Oesterreich, Italien undSüdfrankreich ; Tausende empfangen alljährlich hier diehl.Sakramente. Wir erwähnen noch die einzelnenAltäre. BeimEintritt in die Kirche links ist der Nosenkranzaltar, aus Mar-mor, vorzüglich für den Pfarrgotkesdienst bestimmt, hier istdas Allerheiligste aufbewahrt; ferner der St. Josephsaltnrmit dem Neliquienschrein des hl. Blutzeugen Dionys;der St. Konrads-Altar; der hl. Bischof ward im Jahre948 berufen, die Kirche zu weihen, was in Folge einerVision unterblieb; der Altar St. Meinrads, des Stiftersvon Einsiedeln , mit trefflichen Statuen; ein anderer Altarist Kaiser Heinrich II., dem Heiligen, geweiht; der fol-gende ist der Altar des Kirchenpatrons, des hl. Mauritius,neben demselben führt ein Flügelthor in eine geräumigeSettenkirche mit 29 Beichtstühlen; der hl. Kreuzaltar mitReliquien. Imposant ist der herrliche Hochaltar, aus feinenMarmorarten gefertigt, im Tabernakel das Sauctissimum,im Hintergründe das AltarbildMaria Himmelfahrt";neben demselben der Oelbergaltar; der zehnte Altar istdem hl. Burgunderköuig Sigismund geweiht, -j- 530, mitdem Leibe der hl. M. Candida; es folgen der Herz Jesu-Altar, der St. Benedictus-Altar, der Herz Maria-Altar,St. Anna-Altar, der Schutz-Altar zu Ehren der Be-schützerin der Christen, Maria. Diese 15 Altäre umgebendie Gnadenkapelle mit dem Gnadenbilde , vor welchemschon St. Meinrad so viel gebetet hat. Am Sigismund-Altare werden täglich die Devotionalicn geweiht. DieWallfahrtskirche erfreut sich des Privilegiums der 7 Kirchen.Nach kurzer, herzlicher Abschiedsandacht mußten die Pilgereilen, um rechtzeitig zum Bahnhof zu gelangen. Vielewaren ja schon früher in Einsiedeln gewesen. Freitagden 20. April fuhren wir in Einsiedeln ab um 7 Uhr33 M. und gelangten über Wädensweil um den ZüricherSee herum, den Ausblick auf dessen reizende Gestade mitzahlreichen Ortschaften und blühenden Obstbaumgärten ge-nießend. Ankunft in Zürich um 9 U. 45 M. Vorm. Hiergesellten sich zu uns ein paar zurückgelassene Pilger, diein Genf das Abfahrtssignal überhört hatten in der Re-stauration. Im hiesigen Bahnhof war Gelegenheit gegeben,sich zu restauriren.

Von Zürich fuhren wir ab um 10 Uhr 18 Min.Weiter ging die Fahrt auf derselben Linie, wie herwärts,durch schöne, im Frühlingsschmucke prangende Landschaften,vorbei an Städten, Dörfern und Stationen, viel schnellerund mit weniger Anhalten, als bei der Herfahrt, beigünstiger Witterung. Nach 2 Stunden, um 12 Uhr35 Min., erreichte der Zug Nomaushoru. Freudig be-grüßten wir den Bodensee und seine schöne Umgebung.Zwei geräumige Dampfer nahmen uns auf, um uns beilieblichem Sonnenschein ins deutsche Vaterland hinüber-zuführen. Während der ruhigen Ueberfahrt wurden vonvielen Pilgern nochmals Wallfahrtslieder gesungen, mitweithin tönendem Schalle. Alle erfreuten sich an derherrlichen, erquickenden Seefahrt, die nur 100 Minutendauerte.

In Lindau angekommen, begrüßten wir mit Hoch-gefühl die weiß-blaue bayerische Fahne. Weiß-blau ist

die Farbe des Himmels, weiß-blau ist die Farbe derMuttergottes, die in weißem Gewände mit hellblauemGürtel geschmückt erschienen ist zu Lourdes ! Weiß-blauist die Farbe unseres engern, lieben Vaterlands Bayern !Nach geschehener, gütiger Zollrevision bestiegen wir, vonBekannten und vielen Zuschauern empfangen und zumBahnhof begleitet, voll Zufriedenheit die bequemen baye-rischen Wagen; manche Pilger aus den Seegegenden und 'aus Vorarlberg, Württemberg verließen uns. Der Zugeilte durch's liebliche Allgäu mit seinen schönen land-schaftlichen Scenerien, nach kurzem Aufenthalt in Jmmcn-stadt und Kempten, wo wieder Viele den Pilgerzug ver-ließen. An den Stationen und aus manchen Häuser»der angrenzenden Ortschaften waren wir freundlich be-grüßt worden mit Tücherschwenken und Zurufen.

Verfasser dies hatte in 5 Correspondenzartikeln andie katholischen Augsburger Zeitungen aus Lyon undLourdes unsern bayerischen Landsleuten, und speciellden Angehörigen der Pilger, Kunde gegeben von demVerlaufe der Pilgerreise, von unserer Rückreise und An-kunftszeit an den bayerischen Hauptstationen, so daß manallerorten genau orientirt war. So war auch kurze Rastin Bieffenhofen und Kaufbeuren .

Endlich um 8 Uhr 15 Min. abends (20. April)erreichten wir gottlob wieder den Ausgangspunkt,nunmehr die Endstation Buchloe ; die Pilger trenntensich mit kurzem und herzlichem Abschiede.

Von hier begaben sich die Theilnehmer wieder inihre Heimath, mit Benützung der Abendzüge. Vielekonnten aber erst andern Tags heimkommen und mußtenin München oder Augsburg übernachten.

Dem hochw. Herrn Director Beyrer und dem ganzenComitö, den Herren Hackl, Sibold, Sontheim, Präg,Chordirector Preinfalk rc., gebührt in hohem Grade Dankund Anerkennung für so viele Mühe und Aufopferung.Der Geist des Pilgerzuges war ein recht guter, ein all-gemeines friedliches Zusammenleben; man fühlte sich wieeine Familie, obgleich wir verschiedenen Ländern an»gehörten.

Dank auch der kaiserlich deutschen Botschaft in Paris ;dieselbe hatten wir vor der Abreise von dem beabsichtigtenPilgerzug (10.21. April) benachrichtigt, uns unter ihreProtektion gestellt, was auch für künftige Karawanen zuempfehlen ist.

Wie das Bayernvolk die Muttergottcs Maria alsLandes-Patronin verehrt, so war und ist auch das König-liche Haus Wittelsbach von jeher der heiligsten Jungfrauergeben. Auch die Allerhöchsten Herrschaften haben Kennt-niß genommen von dem bayerischen Pilgerzug nach Lourdes und der in der Basilika dort celebrirten heiligen Messefür daS kgl. Haus, wie die Obersthofmeisterin Gräfinv. Oberndorff dem Celebranten Pfarrer M. zu G. am8. Mai mittheilte:Im Auftrage I. K. H. PrinzessinTherese und im Auftrage Sr. K. Hoheit des Prinz-Regenten vielmals für die loyale Kundgebung und dieGebete (heilige Messe) verbindlichsten Dank aussprcchend;daß Ihre Königlichen Hoheiten für Alles hocherfreut unddankbar waren!"

Auch von diesem zweiten bayer. Pilgerzuge kehrtejeder Theilnehmer hochbefriedigt heim. Für alle Opfer,alle Anstrengungen und Entbehrungen haben sie reich-lichen Segen für sich und die Ihrigen geerntet! Siehaben dort am heiligen Gnadenorte gutes Beispiel ge-geben, wie dasJournal de Lourdes" vom 22. April