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Apothekenbesitzer unserer Tage, der sein Walten auf einenso kleinen Umfang eingeschränkt sieht.
Die Allgemeinheit aber muß sich glücklich schätzen,daß mit der Reform der Arzneikunde, mit ihrer wissen-schaftlichen Begründung und naturgemäßen Vereinfachungeine gründliche Umgestaltung des Apothekenwesens Handin Hand gegangen ist. („Köln . Ztg.")
-S-88NS-
Zu unseren Bildern.
wurde am 25. Januar 1776 zu Coblenz am Rhein geboren.Sein Vater war ein braver, schlichter Holzhändler, die Mutterstammte aus Italien . Er absolvirte das Coblenzer Gymnasiumund sollte sich in Bonn der Arzneiwissenschaft widmen. Dazogen die französischen Truppen in die Rheinlande ein. Dieganze Bevölkerung wurde vom politischen Freiheitstaumel fort-gerissen, alle jungen Köpfe, unser Görres voran, wähnten, dasEnde der alten, vielfach verrotteten Zustände sei gekommen unddas Morgenroth einer besseren Zeit angebrochen. Kaum zwanzig-jährig, trat er in Clubs und Volksversammlungen als feurigerRedner für die Sache der neuen „Freiheit" in die Schrankenund gründete zuerst „Das rothe Blatt", später den „Rübezahl ",zwei Zeitungen, in denen er mit größter Schärfe und Uner-fchrockenheit zunächst den alten Mißständen Deutschlands , balddarauf aber auch den französischen „Schurken und Bösewichtern"entgegentrat und die deßhalb beide nach kurzem Bestände unter-drückt wurden. Später zog er sich vom öffentlichen Leben gänz-lich zurück und nahm 1804 eine Stelle als Lehrer der Physikan der Secundärschule seiner Vaterstadt an. 1806 begab er sichnach Heidelberg , wo er an der Universität Vorlesungen überGeschichte und Literatur hielt und mit Clemens Brentano undArnim die „Einsiedlerzeitung" und hierauf mit UnterstützungJos. v. Eichendorff's „Die deutschen Volksbücher" herausgab.1813 wandte er sein Interesse der glorreichen Erhebung Deutsch-lands zu und ließ nun den „Rheinischen Merkur" erscheinen,der 1816 durch eine Cabinetsordre aus Berlin unterdrückt wurde.1820 mußte er vor den Nachstellungen der preußischen Regierungnach Straßburg flüchten. Hier verweilte er bis 1827. In derBroschüre „Die heilige Allianz und die Völker auf dem Con-gresse zu Verona " hat der große Geist die Hoffnung, daß „vonder Politik der Höfe ein Heil für die Völker zu erwarten stehe",endgtltig aufgegeben und tritt von jetzt an immer emschiedencrauf als Vertheidiger der gläubig-christlichen Weltanschauung undder katholischen Kirche gegen die unchristliche Geschichtsforschungund Philosophie sowie gegen die Hebelgriffe des protestantischenStaatsgötzenthums. Seine Thätigkeit in dieser Richtung ent-wickelte er zuerst als Mitarbeiter des „Katholik", dann nachseiner im Jahre 1827 erfolgten Berufung als Universitäts-professor nach München , wo sich ein großer Kreis hochbegabterkatholischer Männer und Jünglinge um ihn schaarte, durch dieSchrift „Ueber Grundlage, Gliederung und Zeitenfolge der Welt-geschichte" (1830), weiter in seiner merkwürdigen „Mystik", dannin seinem aus Anlaß der Verhaftung des Kölner Erzbischofs er-schienenen unsterblichen „Athanastus" (1838), ferner als Mit-gründer und Mitarbeiter der berühmten gelhen Hefte, der„Historisch-politischen Blätter", endlich durch die gegen denDeutschkatholizismus gerichtete Schrift „Die Wallfahrt nach Trier"(1845) und durch seine als Mitglied der kgl. bayer. Akademieder Wissenschaften verfaßten geschichtlichen Abhandlungen. Görres wurde an seinem 72. Geburtstage von einer ernstlichen Krank-heit befallen und starb nach kurzem Leiden am 27. Januar 1848.Er war ein „Hercules der Wissenschaft", ein Publicist und Ge-schichtsphilosoph ersten Ranges, ein gewaltiges Schwert seinerNation und seiner Glaubensgenossen im Kampfe für Wahrheit,Freiheit und Recht. _
Wir haben kürzlich die Ansichten des Städtchens Füssen und der beiden Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwan-stein gebracht und laden heute den freundlichen Leser ein,mit uns die landschaftlichen Reize der Umgebung Füssens zugenilßen. Aus der Ferne grüßen im Süden die Höhenzüge desBreitenbergs, während in majestätischer Pracht im nahen Hinter-gründe der Säuling zum Himmel ragt, weit hinausschauendüber die bayerische Hochebene. Hier siehst du die Berge um Seeg und den langen Rücken des Sulzberges, den Auerberg und ander Grenze des Hochlands gelegen den Senggele, Buch-, Zwiesel -und Tiefenthalberg. Und hast du dich satt gesehen an den
schönen Reizen, welche die Landschaft im weiten Umkreise dirbietet, dann lenke deinen Weg zum nahen Walde mit seinenherrlichen Anlagen und Spaziergängen. Und willst du mit demSchönen auch das Angenehme verbinden, so führt dich der Alpen -rosenweg nach einer Stätte, wo deiner Erholung und Erfrisch-ung wartet, wie du dir es kaum besser wünschen mögest. Esist das allen Touristen wohlbekannte und mit Vorliebe aufge-suchte Gasthaus, benannt Weißhaus. Hier findest du alles,wonach ein Touristenherz verlangt: eine vorzügliche Küche, ex-cellenten Keller, aufmerksame und freundliche Bedienung undgemüthliche Gesellschaft. (Unser heutiges Bild ist nach einer Pho-tographie von Ludwig Scbradler in Füssen am Lech.)
Heimwärts.
Heute bringen wir unsern Lesern ein Bild nach einemOriginalgemälde des russischen Malers Adolf Lüben. DerKünstler hildete sich ursprünglich in Berlin aus, wirkte seit 1860in Antwerpen und trat hierauf zur Landwirthsckast über. Lübengab dieselbe indeß bald wieder auf und übte in Berlin sclbst-ständig seine Kunst aus, um 1876 nach München überzusiedeln.Unser heutiges Bild ist dem landwirthschaftlichen Leben ent-nommen. Die gründen, frischen und kräftigen Gestalten —Oberländer vom Mähen heimkehrend —, welche der Künstlerim Bilde so naturgetreu zu fixiren verstand, werden gewiß auchbet unsern Lesern eines symvatbiscben Eindruckes nicht verfehlen.
St. Sfra.
Die Lohe glüht, das Reisig brennt,
Und Rauch zum Himmel steigt,
Am Pfahl das Mädchen jeder nennt,
Das heut zum Tod sich neigt.
Die Bublin ist's, die manche NachtBeim Schwelgermahle hingebracht,
Die Christum jetzt bekennt.
Statt Perlenschnüren zwängt ein StrickDie edlen Glieder wund,
Sie klagt nicht um ein Jugendglück,
Leis betet nur der Mund.
Ihr Fuß ging oft die Sündenbahn,
Nun lecken schon die Flammen d'ran,
Der Henker weicht zurück.
Und dichter wallt der schwarze Qualm,
Der helle Brand verglimmt,
Es hat noch einen DankespsalmDie Martyrin angestimmt.
Still wird's nun auf dem Hochgericht,
Ihr Leben flieht, wie's SonnenlichtIn Wolken jetzt verschwimmt.
Hoch oben glänzt das Sternenzelt,
Die Woge mit Woge tauscht,
Im nächt'gen Schweigen ruht die Welt,
Und auch kein Häscher lauscht.
Vom Ufer her auf schwankem KahnMit Priestern fromme Frauen nah'n,
Indeß der Strom entrauscht.
Ein kleiner Kreis steht an dem Pfahl,
Den noch das Holz umbaut,
Sie baben wie ein GlaubensmalDie Todte angeschaut.
Der zarte Leib war unversehrt,
Die Flamme hat ihn nicht begehrt. —
Eilt fort, der Morgen graut!
Unfern der Stadt ein Grabmal stand,
Darin im Sarkophag
Die Martyrin ihre Ruhe fand,
Eh' neu erschien der Tag.
Und über'm Grabe pries man lautDie Heldin und die Gottesbraut,
Wenn auch ihr Leib erlag.
Ein hehres Münster wölbt sich jetztUeber dem Martyrgrab,
Zum Ruhm des Glaubens hingesetzt,
Den Gott der Heldin gab.
Schon viele Wetter hielt es aus,
Es bleibe stets des Glaubens HausJahrhunderte hinab. Adolph Müller.