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bürg) noch auf dem „Freythof" gelegenen Trümmer einesheidnischen steinernen Altartisches, der früher hinter demeinzigen Altare der Kirche war, zu beweisen schienen.Den sehr schön nächst der Kirche gelegenen Pfarrhof bauteChristoph Lautier, Vierherr im Domstift Augsburg, imJahre 1736, wie die Inschrift über dem Eingang be-sagt. (kluo N6 vuäs via., nisi äixario iilariuNV60XXXVI.) Sein Bild ist noch im Pfarrhof.
Ueber die meist niederen Häuser erheben sich nochzwei besonders in die Augen fallende Gebäude: das„obere" und „untere Schloß"; beide durch den großenWechsel, wie zum großen Theil durch das Ansehen ihrerBewohner und Besitzer merkwürdig, das „untere" sogarvon kirchengeschichtlicher Bedeutung. Die Namender berühmtesten und edelsten Geschlechter Augsburgstragen mehrere ihrer Besitzer: Fugger und Weiser.
Die ältesten Notizen über Leitershofen und besondersdiese beiden „Schlösser" lauten nach dem Pfarrurbariumdaselbst wie folgt:
„Anno 1265 schenkte Conradinus, der zweyteKönig in Sicilien und Jerusalem, der letzte Herzog inSchwaben, des Bischofs zu Augsburg Neichslandvogt, „zuHeil und Trost seiner und seiner Erben seel der Kirchezu st. georgen in augsburg, in welchem stift damahlsUlrich Spannagl der Erste probst Ware, die Vogtey undFeldgüter der „Einöde" Leitershofen, so geschehen uo.1265 den 19 aprilis auf dem schloß Fridberg nägstaugsburg."
„Anno 1597 Er Kaufte Jacob Fugger der 4.und letzte Sohn des antonii Fuggers von Freiherrn vonSonnenberg David ungnad (so des berühmten Matthaeilang Erzbischofen zu Salzburg Schwester Eva zur Ehegehabt) das Schloß Wellenburg samt allen demselbigenzue- und ungehörigen Gütter um 60,000 fl., worunterauch das Dorf leitershofen gehörte." — Im „oberenSchlößle" war damals Friedrich Weiser. Nach demTode Jacob Fuggers 1598 (56 Jahre alt) erbte Leiters-hofen mit Schloß Wellenburg und zugehörigen Dörfernsein dritter Sohn Hieronymus. Maximilian Fugger kauftedas sog. „welserische schlößl" mit den „sölden und Zu-gehörung" um 17,000 fl. und „hat mithin im Dorfeleitershofen die völlige Jurisdiction bekommen". DemConrad Peuttinger (1635 Stadtpfleger in Augsburg ) ge-hörte damals der sog. „Sizinger-Hof" durch Kauf um2200 fl. 9. Juni 1626 unter Hrn. Hieronymus Fugger(1355 war Hans Langenmantel von Augsburg Besitzer;jetzt Mich. Sattelmair). Der sogenannte „Stiefelhof"(von den ehemaligen Besitzerinnen, den „Stiefelnonnen"in Augsburg , so genannt (jetzt Schnellj) war 1636 mitdem „oberen Schlößle", zu dem ehemals auch der Sizinger-Hof gehörte, im Besitz einer Edelfrau „anna MariaJnchhlin von Höhenwald". 16. Juni 1629 kaufte ihn H.Hieronymus Fugger um 18,000 fl. (1468—1531 hattendies Gut theilweise die Herren Patres Karmeliter zuSt. Anna in Augsburg („welche zu luthers zeiten sammtIhrem Prior Frosch fast alle apostasirt und ihr Klosterder Statt überlassen"j). Herr Duile, ehem. UlrikanischerKellerverwalter, ließ als späterer Besitzer des „obernSchlößle" die inneren zweiThürme abbrechen und darauseinen Stadel bauen. Derselbe baute die Kapelle im„obern Schlößle" 1769. 1772 starb und verdarb er inder „theuren Zeit". Das „Schlößle" fiel dem St. Georgs-Kloster in Augsburg anheim. Dann fiel es durch Kaufan Madame Sauttier, „augsburgische Handelsfrau", um
9500 fl. „baargelts"; nach ihrem Tode 10. Dez. 1794an Hofmedicus vr. Paul um 12,000 fl. 1. Dez. 1831verkaufte es Kaufmann und Wechselgerichtsassessor See-bacher in Augsburg an H. Wilhelm von Langenmantel um 7450 fl.; dieser 1833 1. Febr. mit Vieh, Futter,Getreide und Einrichtung an Herrn Zeitungsverleger Moyum 8000 fl.; letzterer 1837 an einen Güterzertrümmerer.Im Sommer 1844 und 1848 bewohnte es General -lieutenant und Divisionsgeneral Graf Albert Pappenheimmit Gemahlin und Tochter. Von der Frau Gräfin heißtes im Pfarrurbarium: „Die Frau Gräfin, eine Lieb-haberin des Landlebens, that den hiesigen Armen sehrviel Gutes, besuchte ihre Hütten und wohnte an Sonn-und Werktagen dahier dem Gottesdienste sehr fleißig beizur Erbauung der Gemeinde. Sie that auch Mancheszur Verschönerung der Kirche." Giulini und seine Schwesterbesaßen es nacheinander 1852—1854. Im Februar 1854kaufte es von letzterer die Doctorswittwe Frau Hoffmannaus Augsburg , deren Familie es noch besitzt. Genanntewollte — wie das Pfarrurbarium berichtet — (Protestantin)aus der Schloßkapelle eine Wagenremise machen. Aufoberhirtliche Anordnung wurde der Altar herausgenommenund der Leib des hl. Märtyrers Optatus am 30. April1854 früh 6 Uhr in aller Stille auf den Kreuzaltar derPfarrkirche übertragen. Der Bruder der DoctorswittweHoffmann, Excellenz Carl v. Heilbronner, Commandantder 3. Armeedivision in Nürnberg , war seiner Zeit einerder tüchtigsten bayerischen Generale. Der dahier verstorbene,als Historiker für Augsburg wohlbekannte Herr Dr. Hoff-mann wurde zum Wohlthäter für die Armen Leitershofensdurch Mildthätigkeit im Leben und eine Armenfonds-Stiftung (1000 M.) im Tode.
Besonderes Interesse kann (wegen seiner kirchen-geschichtlichen Bedeutung) das sog. „kleine Schloß" oder„untere Schlößle" beanspruchen.
Im Jahre 1575 soll das „untere Schlößl" zuhl. Kreuz in Augsburg gehört haben. „Das angebauteHaus an dem untern Schlößl solle Ehmahls vor altemden Juden für eine Synagog gedient haben. 1582 warensie noch da. Dieses untere Schlößl erkaufte unter PfarrerBiechele auf dessen Einrathen (damit es nämlich denlutheranern nicht mehr zur Wohnung dienen solle) Ttl.Herr xrolat zu St. Georg in Augsburg Melchior Vötteruo. 1722 von der Vormundschaft des minderjährigenFuggers Joseph Maria sr. Excellenz Frau TheresiaFuggerin, geb. gräfin v. Zeil, abgedachten Fuggers FrauMutter, und Herrn general grasen Eustach Fugger vonNorndorf per 1700 fl." 160?—1677 gehörte es einemAugsburger Kaufmann Marcus Hueber, der „augsbur-gischen Konfession zugethan", 1676 Bürgermeister in Augs-burg . 1718 besaß dieses Schlößl laut vorhandenem Kauf-brief ein protestantischer „Capitain Herr Winchhler vonPoleitz"; von ihm lösten es die Fugger wieder ein.
Im Jahre 1766 kaufte es Herr Joseph BenediktWolf, „Buchführer" (— Buchhändler) in Augsburg , vomKloster „St. Georgen" um 4000 fl., renovirtc es gänz-lich, „ließ die ,vicr Echhthürme' (Eöthnrme) abwerfen",baute unten ein neues Gartenhaus darzu, das er imganzen daran soll 12000 fl. verbaut haben; benutzte esbis anno 1783." Nach dem Tod seiner Gattin „solcherErgötzung verdrüßlich", bot er es feil, konnte um 7000 fl.keinen Käufer finden und beschloß, „es zum guten zuverwenden" durch eine Lotterie um 6500 fl., wovon 3000 fl.zum „Kathol. schuel lunäo in augsburg ", („welcher da-