Ausgabe 
(21.8.1894) 68
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des Deutschen kundigen Glieder riefen mit einem Glöckleindie Bewohner Leitershofens zu Katechesen zusammen.Ueberaus ärmlich war ihr Leben imSchlößle".

Was konnte dasleere Schlößle" und dasarmeLettershofen" ihnen bieten? Sie schliefen auf dem Bodenauf Stroh mit Holz zu Häupten und Füßen. Eine gute alteJungfrau aus der Nachbarschaft brachte ihnen manchmallaues Wasser mit Kohl und andern: Gemüse". Kartoffelnund Brod waren meist ihre Nahrung und davon brachensie sich noch ab. Dabei waren sie, wie Bärin erzählt,so fröhlich, daß sie den Ausbruch der Heiterkeit in denStunden der Erholung oft kaum zurückzuhalten vermochten.In der Pfarrkirche erbauten sie das Volk durch Gebetund Gesang besonders in der Fastenzeit 1795 vordem Bild der schmerzhaften Muttergottes. Während deSaußergewöhnlich strengen Winters 1794/95 gefror ihnender Athem nachts an den Mund, und der liebenswürdigeObere Tournelh wärmte den Genossen mit heißen Ziegel-steinen die Füße. Sie öffneten die Fenster, um die

fanden die Pilger hier Prinzessin Louise Condß, welchenachmals in Wien mit vier französischen BarmherzigenSchwestern und einer Ursulinerin die erste Niederlassungvon Frauen des hl. Herzens bildete, die jedoch schon vordem Tode Tournely's auseinandcrging. Im Juli 1796mußte die Gesellschaft von Göggingen nach Wien flüchten.Von da siedelte Tournelh am 18. April (Osterdinstag)1797 mit seinen Genossen nach Schloß Hagenbrunn beiWien über, da Wien aus Furcht vor einer Belagerungdurch die Franzosen keine Fremden mehr duldete. Amgleichen Tage erwies sich diese Furcht jedoch als eitel, dennder Friede von Leoben hob die Feindseligkeiten auf.

Das Stift Klosterneuburg überließ der Gesellschaftdes hl. Herzens genanntes Schloß als willkommenes Asyl.Doch Tournelh sollte der Ruhe darin nicht lange mehrgenießen. Am 2. Juli (Fest Mariä Heimsuchung) 1797schon erkrankte er schwer und starb nach wiederholterVorhersage seines Todes Sonntag den 9. Juli 1797früh 4-/2 Uhr.

Keilershofen bei Augsburg.

draußen wärmere Luft in den Schlafraum zu lassen, denKohlenbecken nicht genügend erwärmten.

Auch hier war ihnen nicht lange Ruhe gegönnt.Domherr v. Binder starb im August 1795. Mitte No-vember 1795 mußten sie ausziehen, da die Erben dasSchloß" an den letzten Propst von Hl. Kreuz in Augs-burg, Ludwig Zöschinger von Burtenbach, verkauften unddieser ihnen die Wohnung kündigte.

Kurfürst Clemens Wenzeslaus (Trier) bot ihneneinen Zufluchtsort im Demeriten-(Priester-)Hause im nahenGöggingen an (später Landgericht, jetzt dem berühmtenHerrn Hessing forthopädische Kuranstalt^ gehörig). Eineinziger Raum war ihnen alles. Joseph Varin wurdein Augsburg am 12. März 1796 zum Priester geweiht.

Hier in Göggingen trat der Gesellschaft der jungePriester Anton Kohlmann aus Elsaß bei, nachdem sie sichschon in Lettershofen allmälig auf 13 eigentliche Mitgliedervermehrt hatte, während drei treffliaie Laienbrüder (lauterEmigranten) die häuslichen Geschäfte verrichteten.

Die Nomfahrt Tournely's, Broglie's und Grivel'sim April 1796 wurde in Frciburg unterbrochen. DieFranzosen standen in Piemont und Lombardei. Doch

Ost hörte man ihn heimwehkrank nach demHimmel sehnsüchtig rufen:Ruhe des Himmels, Ruhedes Himmels I" Kurz vor seinem Scheiden sagte erseinen Brüdern:Es ist nothwendig, daß ich hingehe."Prophetisch sprach er zu Varin von derGesell-schaft der Frauen des hl. Herzens Jesu":Siewird sein, sie wird sein, glauben Sie esl" Und siebesteht heute noch!

Aus der Gesellschaft des hl. Herzens wurden baldVäter des Glaubens" unter Leitung Paccanaris. Dieserund Prinz C. v. Broglie, der in England ein Pensionatbegründete, wurden ungehorsam gegen die Kirche be-kehrten sich jedoch am Ende. Franz L'aver v. Tournelhblieb als Cooperator an seines Bruders Grab in Klein-engersdorf. Joseph Varin aber hatte die Freude, zu Paris im Jahre 1800 den passenden Grundstein zum Gebäudedes Ordens derFrauen des hl. Herzens" (Harnes cku80 , 01-6 6 c»ur-) zu finden in der kleinen, gelehrten undebenso frommen Magdalena Sophia Barat , die sich vorihm mit noch zwei Jungfrauen am 21. November 1800den hl. Herzen Jesu und Mariä, dem von Tournelh,ihrem geistigen Vater, geplanten Werke weihte. Erzieh-