Ausgabe 
(21.8.1894) 68
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ung und Unterricht weiblicher Jugend im Pensionate,unentgeltlicher Unterricht an arme auswärtige Mädchen,geistliche Uebungen für Wcltleute ist der Zweck diesesOrdens. Fast 60 Jahre stand die bereits vom hl. Stuhleehrwürdig" gesprochene M. Magdalena Sophia Barat dem Orden als Generaloberin vor. Die dritte General-oberin starb vor kurzem. Frankreich, Belgien , Oester-reich, selbst Amerika zählten zusammen schon 89 Nieder-lassungen, als am 23. Mai 1868 Frauen des hl. Her-zens Jesu von Niedenburg bei Bregenz in Wien dasneu erbaute Kloster am Rennweg bezogen.

Am 23. September 1868 wurde oer LeichnamTournely's in Kleinengersdorf exhumirt und nach Wien übertragen, wo er ehrenvoll in der für seine Gruft her-gestellten Krypta im Kloster der Frauen des hl. Herzensam 20. November 1868 beigesetzt wurde. Den Schlußdieser Notizen über k. Leonor Franz v. Tournely undseine Gesellschaft des hl. Herzens Jesu mögen ein paarbedeutsame Zeugnisse über denkleinen Diener des gutenMeisters" (so nannte er sich selbst) bilden. Abbe Emery,Seminardirektor von St. Sulpice, schrieb nach dem TodeTournely's*):Ich habe viele durch Tugend ausgezeichneteMenschen gekannt; ich habe viele heilige Seelen gekannt;ich habe die Lebensbeschreibung einer großen Anzahl vonHeiligen gelesen und ich kann bezeugen, daß ich niemalseine Seele gefunden, die mehr von dem hl. Feuer derLiebe Gottes entzündet gewesen wäre, als die meineslieben Tournely. "

Bischof de la Fare von Nancy sagte beim TodeTournely's:Das ist ein unersetzlicher Verlust für dieSache der Religion." Das Volk nannte ihn denliebens-würdigen Heiligen."**)

Das denkwürdigeuntere Schlößchen" besaßen in derFolgezeit nach der Sücularisation des Klosters zu heil.Kreuz, mit dem auch das Schlößchen 1803 dem bayer.Staate anheimfiel, Popp 180914; etwa 40 JahreH. Kümmich, Kaufmann von Augsburg, der Lcitershofenmit einer Armenfond-Stistung bedachte (100 fl.); dieEnglischen Fräulein 185863; Privatier Sendlinger1863-1880; Nagel 1881; Cresc. Altheimer 1881 bis1882; v. Egloffstein 18821893; jetzt Herr Eber, Kauf-mann aus Augsburg.

Der jetzige Besitzer, Herr Eber aus Augsburg, hatin dankenswerthester Hochherzigkeit die Kosten für eineMarmorgedenktafel amunteren Schlößchen" (bereitsinnen mit viel Liebe restaurirt) zur Erinnerung an diegenannten, geschichtlich merkwürdigen Bewohner über-nommen. Am 26. August 1894 (der muthmaßlichenZeit des Einzugs Tournely's und seiner Genossen) wirdLcitershofen ihr Gedächtniß in einer Centenarfeier (Sonn-tag, Herz-Mariä-Fest) begehen. Sein Andenken sei inEhren l

(Unsere Illustrationen zu diesem Aufsätze sind nachPhotographien aus dem Atelier von Peter Schmid,vorm. Gebr. Martin, in Augsburg. )

*) Ouiäso, Vis (tu U, ?. Vortu p. 65.

**) Dr. Speit: U. L. Fr. v. Tournely, S. 247 u. 248.Breslau 1874.

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Goldköruer.

Was klagt, was tobt man doch? Sein Unglück und sein GlückIst sich ein jeder selbst. Schau alle Sachen an.

Dies alles ist in dir, laß deinen eitlen Wahn.

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Zu unseren Bildern.

Brückenschlag.

Hans und Gretel haben neulich am Flußufer den Pionirenzugeschaut, wie döse vor ihren Augen über den Fluß eine großeBrücke geschlagen, auf der Roß und Reiter sicher an's andereUfer gelangten, ohne daß sie erst dem Fäbrmann ein lautes:Hol über!" hätten zurufen müssen. Die Brücke war so nettund herrlich, Alles hatte so schön geklappt, daß sie unwillkür-lich ihre Sinne gefangen hält. Besonders Hans träumt die halbeNacht vom Erbauen von Brücken. Heute ist gerade ein glück-licher Tag für ihn. Die Mutter ist in den Wald gegangen, umfür das Ziegenpaar Futter zu suchen, und der Vater mutz inseinem Segelboot einen Fremden über den Fluß fetzen. Da istHans eiligst zum Holzvorrath gesprungen, hat sich das ent-sprechende Scheit ausgesucht, das die Grundlage werden soll zueiner Brücke, die er über das am Häuschen vorbeisließende Büch-lein zu erbauen gedenkt. Gretchen will auch nicht müßig seinund unterstützt den kleinen Baumeister nach Kräften. Ob dasWerk wohl gelingen wird?

Dergelt's Gott, Du gutes Kind l"

Wir haben es hier mit einem der gelungensten Bilder des1839 in Stuttgart geborenen und 1869 nach München über-gesiedelten Genremalers Friedrich Ortlieb zu thun. Eine ganzeGeschichte ließe sich zu dieser Darstellung schreiben, so beredttritt sie uns entgegen, und besonders der greise Bettler scheintden Mund öffnen und uns aus rergangcnen besseren Tagenei zählen zu wollen, wo auch ihn Kinder umringten und er ent-fernt nicht dachte, je sein Brod vor fremden Thüren sich erbittenzu müssen.

--SÄ8Ü8LS-

Allerlei.

Unerwarteter Erfolg. . . Den jungenDoktor möchte ich Keinem als Vertheidiger empfehlen!"Aber er soll doch ein vorzüglicher Redner sein!"Gerade deßhalb! Kürzlich hat er beim Schwurgerichtedie Unschuld eines Raubmörders so glänzend geschildert,daß dieser vor lauter Erschütterung gleich nachher einGeständniß ablegte!"

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In der Schonzeit. Baron: Sagen Sie'mal,weßhalb verbieten Sie dem Herrn aus der Stadt nichtdas Jagen? Es ist doch Schonzeit!" Förster:Dasgeschieht in unserem eigenen Interesse; der macht unsnämlich bis zum Anfang der Jagd das Wild etwas zu-traulich."

Nilder-Näthsel.

Auflösung des BildenRärhsels in Nr. 66:

Wer tadelt, will kaufen.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 67:

Weiß. Schwan.

1. L 63-24 V5-U4

2. K. Ll V2 K. II! U2

3. D. 22 118 -j- Matt.

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