Ausgabe 
(4.9.1894) 72
Seite
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Gogelwirth, giebst mir Dein' Tochter, i hab's gern und Isie hat mi a gern, dann antwort' er g'wiß: Ntmm's, Iwenn's Dich mag!"

Nun, so will ich denn kühn anfragen bei DeinemVater und ihm offen und ehrlich alles darlegen, wie iches meine. Und dann werde ich ja sehen, ob es denngar so große Eile hat, daß ich mir Euer schönes Tirolvon einer anderen Seite ansehe."

Die beiden Liebenden hatten sich nun noch gar vie-les zu sagen und zu erzählen und schmiedeten die wun-derbarsten Pläne für die Zukunft.

Na, und sag' mal, Nikola, wirst denn was dagegenhab'n, wenn i als Dein Weiber! no immer mei liabsTirolergewandel tragen möcht'?" fragte endlich das Lie-fe! mit gar wichtigem Ton.

Nun, darüber beruhige Dich, Liesel in dieserAngelegenheit werden wir wohl noch einig werden."

a Landdirn', zu wenig aber für a Grafenweib. Wennstmir das dann später vorwerfen thät'st i springat direktin den Jnn und thät' mi dersäufen!"

Unter diesen mehr oder weniger erbaulichen Ab-machungen kamen die beiden in die Nähe der Gogel-wirthschaft. Noch flink und g'schwind a recht derbesBusserl und wie ein verscheuchtes Reh eilte dasSchützenliesel voraus, schlich sich unbemerkt ins Gehöftund stellte sich, als ob sie überhaupt dasselbe nicht ver-lassen gehabt hätte.

Wehe auch dem Liesel, wenn der gestrenge Vaternur das mindeste gemerkt hätte wär' das ein Ge-witter geworden mit Blitz und Donnerschlag I

Denn mißtrauisch war er ohnedies schon, sonsthätte er gewiß nicht den Fremden da oben so ernsthaftaufgefordert, Tirol von der andern Seite anzusehen.

ML

Sturz des Erzherzogs Wilhelm.

Ja, aber das sag i Dir gleich im voraus" sostellte sie ihre weiteren Bedingungen.Wenn i a Dein'Frau sein werd', auf ein andern Namen, als auf Lieseloder Schützenliesel, horch' i nit das muaß alles beimAlten bleiben denn Elisabeth, wie man in der Stadtsagt, das klingt viel zu g'spreizt und nobel."

Sei beruhigt, mein herziges Liesel, ich werde Dichbei keinem anderen Namen nennen, als bei dem Du mirso theuer geworden bist." -

Ja, und richtig noch eins wollt''i Dir sagen Jeses, Jeses, was war's denn nur schnell? Ja,i hab's! Also, i wollt Dir bloß sag'n, daß mir's garnit recht is, daß Du a Graf bist 's wär mir halttausendmal lieber, Du wärst a Hofbesitzer so wie meinVater, mit an g'wöhnlichen, recht groben Tirolernam',Stadelbaner, Tschurtschenthaler, Wurzenbacher oder sowas dergleichen. Denn schau, i bin ja in d' Schul 'gangen, aber z'viel hab i halt nit g'lernt. G'nug für

Im Sommer 1880 besuchte der Erzähler dieser Ge-geschichte, einen beim Kaiserjäger-Regiment stehenden,in Bozen in Garnison befindlichen Verwandten undwurde von demselben zur Theilnahme an dem Bozener Schützenfeste, welches am nächsten Tage begann, aufge-fordert resp. eingeladen. Der Erzherzog Heinrich vonOesterreich nebst Gemahlin, die Grafen von Meran (Söhnedes verstorbenen Erzherzogs Johann) und fast alle Ho-noratioren der Umgebung hatten ihr Erscheinen zugesagtund waren auch erschienen. Da plötzlich konzentrirtensich aller Blicke nach einem Punkte einer nach demSchießplatz einherrollenden Equipage, in welcher einHerr und eine Dame, die letztere in Tiroler National-tracht, saßen. Der Wagen hielt, der Leibjäger sprangvom Bock, öffnete den Wagenschlag, und die beiden In-sassen entstiegen dem Gefährte. Sämmtliche Offiziere,welche sich um den schon zeitig erschienenen Erzherzog Heinrichgruppirt hatten, salutirten respektvoll, und der letztere,