zu fabriciren. Leider aber folgte Enttäuschung auf Ent-täuschung. Vor allen Dingen konnte er die wichtigsteVorbedingung zu seinem erhofften Erfolg nicht erreichen,da es im Jahre 1833 in Deutschland noch kein Patent-gesetz gab. Die nach auswärts versendeten Reibfcuerzeugewurden von Chemikern untersucht, das Geheimniß warbald entdeckt und wurde nachgeahmt. Muthig kämpfteder Erfinder gegen die immer mehr sich fühlbar machendeConcurrenz. Da traf ihn 1835 der härteste Schlag,seine Fabrikate wurden vom Bundestag als „höchst ge-fährlich" verboten. Natürlich wurde das Verbot auchin den Einzelstaaten wiederholt. Der Kuriosität halbertheilen wir den Wortlaut des im Königreich Hannover erlassenen Verbotes im Folgenden mit. Da heißt es:„Da die neuerdings in Gebrauch gekommenen Reibzünd-werkzeuge sich als feuergefährlich erwiesen haben, so wirdhiermit verfügt: Der Vertrieb der sogenannten Neibzünd-hvlzer, des Reibzündschwammcs und aller Zündwerkzenge,welche sich durch Reiben an einer rauhen Fläche entzün-den, wird bei Vermeidung der Confiscation und einerGeldstrafe von 5 bis 10 Thalern untersagt. Diejenigen,welche sich bisher mit dem Vertrieb dieser Gegenständebefaßten, haben bei gleicher Strafe ihren Vorrath binneneiner vorzuschreibenden Frist aus dem Königreich zuschaffen und, daß solches geschehen, nachzuweisen. Dieconfiscirten Neibzündwerkzeuge sind zu vernichten."
Auch die letzte Hoffnung Kammerer's sollte schwinden,als er die vom deutschen Boden verbannte Erfindungim Auslande verwerthen wollte. Man machte dort seinFabrikat ebenfalls schon nach, ja, ein Apotheker zu Stvcktonin England , Namens Walker, maßte sich sogar das Ver-dienst der Erfindung an. Als die deutschen Regierungengewahrten, daß die praktischen Engländer die „Feucrs-gefahr der Neibzündwerkzeuge" gering achteten, gaben sieallmählich den Vertrieb wieder frei — leider zu spät fürden Erfinder. Sein Vermögen war im Laufe der Jahregeopfert, seine Gesundheit durch die beständigen Kämpfeund Widerwärtigkeiten untergraben. Unter den hartenSchlägen, die seine Hoffnungen zerstört hatten, sollte erauch noch seine Geisteskräfte einbüßen. Der Urheber dervolksthümlichsten aller Erfindungen starb 1857 im Irren-hause zu Ludwigsburg! —
Heute ist die Zündholz-Industrie zu einem Zweigeder Großindustrie geworden, der wenigstens 150,000Menschen beschäftigt, aber die fünffache Anzahl ernährt.Die größte Zündholzfabrik ist die von Jönköping inSchweden . Die Fabrik beschäftigt 900 Arbeiter undstellt täglich 45—50 Millionen Zündhölzer her. Vonden 1500 Millionen Menschen, die auf der Erde leben,sind sicher 1000 Millionen am Zündholzverbrauch mitbetheiligt. Rechnet man auf den Kopf und Tag 4 Stück,so ergibt das einen täglichen Verbrauch von 4000 Mill.Zündhölzern. (Leipz. Tagebl.)
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GoLdköxner.
Es ist gut, über des Herrn Leiden Thränen zu weinen,vergiß nur nicht darüber, des Herrn Thränen zu trocknen, inseinen weinenden Gliedern. K.
Säume nicht, dich zu erdreistenWenn die Menge zögernd schwerst,
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht und rasch ergreift. Goethe.
Der ernste Wille ist allmächtig, er ist der Gott in uns'rerBrust.
--SAWSk—-
Wia's Bacher! vom BergSo g'schafti und g'schwind,Und so leicht aus'« Faß unt'Der Apfelmost rinnt.
So leicht als wia's VözerlAuf'n Astel oben singt.
Und so lustig wia'ö GamslVon Felsen oba springt,
So kemman dö Liadlan,
Dö herzigen, dahe!
Und wia leicht i dö G'sangelVon weitem versieh'!
(Oberösterreichisches Lied.)
Das Volkslied ist ein gar merkwürdiger Vogel. DasSingen versteht er, darüber ist kein Zweifel; doch heuteist er traurig, morgen ist er lustig, ein Mal ist er flottund keck, dann verbirgt er sich wieder zaghaft und ge-schämig. Ein Mal singt er: „Wenn der Mond so schönscheint in seinem silbernen Glanz", ein anderes Mal:Wenn die Sonne in den Gletschern blitzt, wenn dieSicheln im Felde rauschen, wenn das Heu auf den Alpen- wiesen duftet, wenn sich die Hochzeitsleute im Tanzedrehen, wenn die Lagerbüchsen in den Felsen widerhallen,aber auch: Wenn's Christkindlein kommt und die dreiKönige, wenn die Osterglocken klingen und wenn der Maikommt, die „gfreuliche Zeit — wo die Welt voll ist —von Liab und von Lustbarkeit".
Manchmal verwandelt sich allerdings das lieblicheVögelchen in einen häßlichen Naben, der mit Schnabelund Füßen in stinkendem Aas herumgewühlt hat. Wirmeinen das sogenannte „Lumpenliedl", das „Zotenliedl",den groben Gassenhauer. Das ist kein Gesang, es isthäßliches Gekrächze, und mit diesem Gesellen wollen wirnie und nimmer etwas zu thun haben. Ein anständigerMensch läßt das häßliche Thier auch niemals zu sicq.
Heute gehen wir unserm Vöglein nur nach, wo esfrisch und lustig singt; denn wir wollen etwas zu lachenhaben.
Der „Kärntnerbua" ist gern lustig, oder er machtwenigstens gern einen Spaß. Sitzt er im Wirthshausund hat er das erste Glas Bier oder Wein hinter dieHalsbinde hinabgebracht, so geht ihm die Lustbarkeit undKeckheit besonders in's Blut; dann singt er wohl:
Sei mar lustige Buab'n,
Von Klagensurt g'bürt,
Js kan Aderl im Leib ja,
Das st' net rührt.
Doch wer weiß, ob ihm nicht ein Anderer erwidert:
Die Klagenfurter Buab'nSeint rechte Spreizn,
Hab'» GlaSscherb'n im SackStatt der Kupferkreuzer.
Bei einem Tisch sitzt ein „Kitt" übermüthiger Bur-schen beisammen. Ich glaube, es hat eine Wette gegeben,welche jetzt gemeinschaftlich vertrunken wird; denn aufdem Tische steht eine volle Literflasche Wein, nnd dieBurschen schauen zu den Biertrinkern hinüber und singen:
Goritschitzer wir,
Mir trink mer ka Bier,
Mir trink mer lei Wein,
Weil mer Goritschitzer sein.
Freilich, auf eine solche gefährliche Aufforderung hinkann es noch schlimm ausfallen. Es könnte z. B. einLiedlein erwidert werden:
Die Goritschitzer StutzerSeint rechte Prahler,
Hab'n Glasscheiben im SackStait's der Silbcrthaler.