Ausgabe 
(11.9.1894) 74
Seite
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Das neue Hochschloß Pähl am Ammelsee.

(Mit Bild)

Auf einer vorspringenden Ecke des zwischen demWürm- und Ammersee liegenden, hie und da durch kleine,tiefe Thäler durchschnittenen Plateau's liegt das Hoch-schloß Pähl, oberhalb dem Dorfe gleichen Namens. Derheute noch vollständig erhaltene doppelte Wall, der es imNorden und Osten umzieht, weist auf dessen römischenUrsprung hin. Doch von den Bauten des alten Boll-werkes ist nichts mehr erhalten. Die Grafen von An-dechs und nachmals die Wittelsbacher waren Besitzer desSchlosses. Zeit und Elemente brachen den einst so festenBau, so daß er zum Meierhof herabsank, welchen inunsern Tagen Hofrath Hanfstängl in München erwarb.Hanfstängl verdanken wir auch die Erhaltung der ural-ten Eichen und Linden, von denen der Blick über dasgrüne Vorland zu den blauen Bergen der Alpen spielt.Jetzt aber ist für das Hochschloß Pähl eine neue Zeitangebrochen, indem es vor ungefähr 20 Jahren in denBesitz der Familie Czermak kam. Diese Familie istzwar nicht durch den Adel der Geburt ausgezeichnet, er-freut sich aber im Reiche der Wissenschaft und Kunst undedler Gesinnung eines ruhmvollen Namens. Der Vaterdes jetzigen Besitzers war Johann Czermak , geb. 1828zu Prag, Professor in Leipzig , Physiolog und Arzt; der-selbe begründete die Laryngoskopie, Rhinoskopie und er-fand eine neue Methode der chirurgischen und ärztlichenBehandlung des Kehlkopfes (Erfinder des Kehlkopfspiegels).Während nun die Familie Czermak von väterlicher Seitein den Besitz außerordentlicher geistiger Schätze gelangte,wurde ihr mütterlicherseits ein entsprechender materiellerReichthum zugeführt. Dadurch ist es möglich geworden,nicht blos esnes der ältesten Denkmäler vaterländischerGeschichte zu erhalten, sondern es in seiner jetzigen Schön-heit herzustellen, so daß es nicht blos als eine Zierdevon Pähl , sondern des ganzen Ammerthales hervorragt.Dasselbe wurde im Jahre 1884 auf 85 nach der An-gabe und dem Plane des jetzigen Besitzers Herrn ErnstCzermak neugebaut, doch so, daß die Neste des altenBaues aus Gründen der Pietät erhalten und in denneuen Bau eingefügt worden sind. Die Ausführungseines genialen Gedankens hatte Herr E. Czermak demberühmten Münchener Architekten Albert Schmid über-tragen. Das geniale Werk Schmid's gliedert sich in dreiBaugruppen: das Herrenhaus, den sog. Fremdenflügelund das Stall- und Dienerhaus. Das Herrenhaus, demSüden zugekehrt und so die schönste Aussicht auf's Ge-birge bietend, enthält in der Hauptsache die Wohn- undSchlafräume des Besitzers. Der Fremdenflügel bildetein in sich vollständig abgeschlossenes kleines Wohnhausmit hübscher Treppenanlage. Das Stallgebäude enthältdie Räume für Pferdestände, Remise, Geschirrkammer undDienerzimmer. Eine letzte Gruppe bildet der Thorthurm,die Hofterrassenmauer mit dem Brunnen und die Bastei .

In einfachem gothischen Stile aus gelbem Backsteinmit Tuffgliederung erbaut, zeigt das neue Hochschloß imInnern wcrthvolles Material und reichen Formenschmuckder Frühgothik und bildet mit seinen großartigen, schöngegliederten Massen die schönste Zierde des Vorlandes.--

Zwischen zwei Räubern.

(Zu unierem Bild Seite 573.)

Bubi befindet sich in nicht geringer Verlegenheit. Mutterhat den beiden Geschwisürlcin und Spielgenossen MUchbrei

vorgesetzt; die Kinder sollten ja recht brav sein und ein m demandern nichts wegnehmen. Allein Häuschen ist ein böserSchlingel und möchte gar zu gern von Schwester's Milchbreikosten. So nimmt er denn flugs, ehe klein Lischen es nochrecht hindern kann. einen Löffel voll aus dessen Teller. Zu allemUnglück kommt auch noch Mizzi herangeschlichen, um unbemerktein bischen zu naschen. Daß Lischen über das Brüderlein nichtwenig ungehalten ist, läßt sich denken. Mizzi aber wird,sobald Mutter zurück, sicherlich ihre Naschhaftigkeit büßen müssen.

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Allerlei.

Im Jahre 1711 besuchte der Zar Peter derGroße von Rußland den König von Sachsen Augustden Starken und sein Land. Bei der Reise durch Sachsenkam der Zar auch unweit der böhmischen Grenze durchden durch seine Spielwaaren-Jndustrie bekannten OrtOlbernhau, in dessen Nähe das ehemals auch als Münz-stätte verwendete Kupferhammerwerk Saigerhütte-Grünthal liegt. Die Chronik erzählt davon folgende Ge-schichte. Der Selbstherrscher aller Neusten führte, nach-dem er in Freiberg mit in die Tiefe der Silbergrubeneingefahren, in der Grünthaler Saigerhütte einen seinerhöchst wunderlichen Einfälle aus. Das Niederschmetterndes großen Kupferhammers machte ihm großes Vergnügen.Gern wollte er wissen, welche Empfindung der habenmüsse, der, auf diesem großen Hammer reitend, dessenNiederschlage auf den Ambos mitmacht. Gewiß ein Ein-fall, den nur ein Russe haben kann. Zur Freude seinerrussischen Begleiter, zur Verwunderung der Hammerleuteund zum Entsetzen der sächsischen Kavaliere, welche KönigAugust der Starke ihm als Geleitsherren mitgegeben hatte,bestieg er alsbald den großen Hammer, der dann, invollen Gang gebracht, mit Mark und Bein erschütterndenSchlägen niederfiel. Jeder andere Mensch würde vondieser gewaltsamen, alle Knochen des Körpers durch-dröhnenden Erschütterung sinnlos geworden sein, Peterder Große war dabei ganz wohl und fidel, die unge-wöhnlicheAnregung" war ganz nach seinem Geschmack.Bis jetzt ist er der Einzige geblieben, der sich auf dieseWeise amüsirt hat.

Schachaufgabe.

Schwarz.

Weiß.

Weiß zieht an und setzt mit dem 4. Zage matt.

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