Ausgabe 
(14.9.1894) 75
Seite
581
 
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sich die Nachricht in der Stadt verbreitete, daß Martha,ein Liebling Aller, mit dem Ex-Organisten verlobt sei.Kluge Mütter schüttelten bedenklich ihre Häupter underklärten, daß die gute Frau Dr. Härtung kein wach»sawes Auge auf die Tochter gehabt, daher selbst zutadeln sei und jetzt allein die Folgen ihrer Pflicht»Vergessenheit zu tragen habe.

tFortsetzung folgt.)

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Doktor Humor.

Biographische Plauderei von Klara Reichner.

lNachdriuk «erboten.1 -

Immer heiter, Gott hilft weiter!"

Zu jenen guten Geistern, die als tägliche, willkom-mene Gäste, ja womöglich ständige Familienglieder inkeinem Hause fehlen sollten, gehört vor Allem: FreundHumor!

Gleichviel, ob man so weit gehen will, wie jenerDichter, der behauptet:wie Du die Welt anblickst, soblickt die Welt Dich wieder an; lächle, willst Duvergnügt leben, der Lächelnden zu!" jedenfalls ist sicherund gewiß, daß nichts so leicht und heilsam über garviele größere und kleinere Widerwärtigkeiten und Sorgendes menschlichen Daseins forthilft, als der gute GeniusHumor, und zwar jener freundliche Humor, der tief imHerzen wohnt und aus dem Herzen kommt, der zurrechten Zeit anmuthig zu scherzen, als wohlthätigerTröster Ernst und Heiterkeit im rechten Maße zu ver-mischen und im rechten Augenblicke zu erscheinen weiß,doch der nicht taktlos und verletzend, sondern als liebens-würdiger Vermittler auftretend versöhnend wirkt.

Wie mancher heikeln Angelegenheit wird der schärfsteStachel abgebrochen durch unsern klugen Hausfreund undHausarzt Humor und sein probates Universalmittel: einegute Laune! Wie ansteckend vermag ein herzlichesLachen zu wirken, das aus harmlos-fröhlichem Gemüthekommt! Und welchen hohen praktischen Werth besitztdas Lachen!Heiterkeit ernährt das Leben!" sagt mitRecht ein italienisches Sprichwort, denn heiteres Lachenversetzt Geist und Körper in wohlthuende Bewegung, be-fördert den Umlauf des Blutes und sogar die Ver-dauung, die um so wichtiger ist, als bekanntlich unsereStimmungen ja aus dem Magen kommen!

Daß unsere wackeren Vorfahren dies bereits wußtenund beherzigten, das heißt just bei Tische vor AllemHeiterkeit und Lachen zu erregen suchten, beweist die großeVorliebe, mit der sie stets den Doktor Humor als Tisch-gast luden, wie ihre Vorliebe für die lustigen sogenanntenLeber-Reime" und die ehedem so hochgeschätzten, witzigenNarren und Possenreißer, die selbst den allerhöchstenHerrschaften gegenüber mit unbegrenzterNarrenfreiheit"sich alles Mögliche erlauben durften. Ebenso habendie Gastronomen, Feinschmecker und Eßkünstler allerZeiten als bewährtes Mittel, um angenehm und zuträg-lich zu speisen, nur leichtes, harmloses und heiteres Tisch-gespräch empfohlen, dagegen vor ernsten oder garfatalen und streitbaren Unterhaltungen sehr eindringlich weil schwerverdaulicher und den Genuß störendgewarnt!

Uebcrhaupt hat das Lachen schon zu jeder Zeit sehrhoch im Cours gestanden.

Der Tag, welchen wir am meisten als verlorenbeklagen müssen, ist der, an welchem wir nicht gelacht

haben!" meint der gelehrte Franzose Chamfort, und un»zählige Anekdoten rühmen die heilsame Wirkung desLachens, das selbst Kranke und Sterbende zu neuer Lebens»kraft erweckt schon haben soll. So erzählt z. B. einerfahrener deutscher Arzt von einem hohen Würdenträger,daß dieser im Sterben bereits lag und um ihn herumseine habgierige Dienerschaft zu rauben und zu plündernbegann. Da setzte sein Affe sich des Herrn Hut auf undverfolgte mit einem Degen die Diebe. Der Todkrankeaber lachte und genas!

Eine Stunde lachen", sagte auch der große englische Humorist Sterne,setzt ein Jahr an unsere Lebenszeit,"und schlug sogar in allem Ernste vor, das Lacken unterdie ärztlichen Heilmittel aufzunehmen, ein Vorschlagzur Güte, dem hervorragende Aerzte beigestimmt schonhaben, wie der berühmte Engländer Thomas Sydenham im 17. Jahrhundert, welcher behauptete, daß in einemStädtchen die Ankunft eines tüchtigen Hanswursts nocheinmal so viel werth sei, als die Ankunft von zwanzigmit Medicamenten beladenen Eseln, ja der renommirtefranzösische Arzt Tifsot will im vorigen Jahrhundertdurch Lachen so manche Krankheit curirt, so manchen In-kurabel» zum gesunden Menschen gemacht haben inFolge der wohlthätigen Erschütterung des Körpers unddes Geistes, nebst der damit verbundenen Auffrischung

und Aufmunterung der Lebenskraft.

Besitzt Doktor Humor, als ältester und berühmtesterVerfechter arzneiloser Heilkunde, doch sogar nach demAusspruche medicinischcr Autoritäten in dem von ihmstets mit Erfolg ordinirten Medikament ein untrüglichesGeheim- und Verjüngungsmitkel, das die Gesundheit er-hält und das Leben verlängert, indem es alle Triebfederndes Organismus kräftigt und sie neu aufzieht, Herz undLungen öffnet, das Blut, die Lebensgeister noch einmalso lustig durch ihre Kanäle treibt, frisch und fröhlichmacht und Magen und Zwerchfell zurecht rüttelt und

schüttelt. Heiterkeit und gute Laune pflegen deshalb auch

stets die allerbesten Zeichen geistiger wie körperlicher Ge-sundheit zu sein; außerdem aber hat der Frohsinnigeden Vortheil, länger verschont zu bleiben von den äußerenund inneren Spuren des bösen Alters und Alterns, dennDoktor Humors Jugend-Elixir ist zugleich ein kosmetischesMittel, das nicht nur die ganze Welt und das Leben,sondern auch den Menschen selbst verschönt.

Welch' einen traurigen Anblick bietet ein ewigerGrillenfänger, ein Griesgram, Brummbär, ein Murrkopfoder Kopshänger!Ein fröhliches Herz erheitert dasAngesicht, ein trauriges Gemüth schlägt den Geist nieder;

ein fröhliches Gemüth macht ein blühendes Alter,ein trauriger Geist vertrocknet die Gebeine!" lehrenschon im Buch der Bücher die Wcisheitssprüche Salomonis.

Darum ist auch eine gute Laune, dieses Sonntags-kind der Erde, des Menschen bestes Erbtheil und dasschönste Geschenk, das die gütige Allmutter Natur ihmzur Begleitung und Ausrüstung für die LcbenSreise mit-geben kann, zugleich aber das bewährte Naturheilmittelgegen allerlei Uebel des Leibes und der Seele, das sie,die vorsorgliche Haushälterin, eigens ersann zu allgemeinemNutz und Frommen, wirksamer oft für die Oekonomiedes Lebens, wie manche bittere Arznei!FröhlicherMuth hilft durch, was Fröhliche thun, geräth wohl,"dennlachende Heiterkeit wirft auf alle LebensbahnenSonnenlicht!"

Droht einen bei des Daseins kleinen und großen