abscheuliche Manier deS Leichenbenagens unschätzbarenNutzen stiftet. Unwillkürlich fällt einem hierbei eine hi-storische Reminiscenz ein, daß er nämlich durch diese Un-art gewissermaßen einen politischen Act von größter Be-deutung für ein ganzes Volk begangen hat: Wer erinnertsich nicht aus seiner Schülerzeit der schaurigen Geschichte,wie der von den Spartanern in den Abgrund gestürztemessenische Held Aristomenes stoisch den Tod erwarteteund ganz wunderbarerweise von einem die Leichen auf-suchenden Fuchse — wenn auch wider dessen W.llen —gerettet wurde.
Nun wird man vielleicht hiergegen mit Recht denEinwand erheben, daß außer dem Fuchs noch viele andereThiere dem Menschen beim Auffinden menschlicher Leich-name Dienste leisten, also namentlich die große Zahlderer, die gleich ihm Aas annehmen, wie Wildschweine,Krähen u. s. w. Daß diese Aasfresser jedoch einen ver-grabenen Leichnam hervorscharren, dürfte kaum zu er-weisen sein, jedenfalls ereignet es sich so selten, daß eSkaum in Betracht kommt. Merkwürdigerweise soll voreiniger Zeit in der Nähe von Berlin ein Pferd durchsein seltsames Gebaren zu einer nähern Untersuchungder Umgebung und dadurch zur Auffindung einer ver-grabenen Leiche Anlaß gegeben haben, und ein ähnlicherFall, in dem ein Pferd die Entdeckung einer Blutthatherbeigeführt hat, wird im Archiv für Strafrccht aus demJahre 1868 gemeldet.
Auch der Hund kann seinem Vetter die Siegespalmenicht streitig machen, da er in Begleitung des Menschenniemals so regelmäßig und häufig die abgelegensten undeinsamsten Waldpartieen absuchen kann. Ganz abgesehenhiervon machen sich bei Neinecke viel vitalere Interessenan der Auffindung eines Leichnams geltend, handelt eSsich doch für ihn um einen guten Schmaus. Daher spieltunser treuer Hausgenosse in dieser Hinsicht nur eineuntergeordnete Rolle, und sogar von dem Försterhundemuß man daS gleiche sagen. Sein Vorzug liegt mehrin der Begabung, die Spuren eines Vermißten aufzu-finden. In den leider so zahlreichen Fällen, wo Forst-beamte vergeblich von den Angehörigen erwartet werden,weil sie heimtückisch von Wilderern erschossen worden sind,leistet er ganz unersetzliche Dienste. Doch liegt es auf derHand, daß die auf der Erdoberfläche befindliche Leichebei ihrem Fäulnißgeruch, bei der Anziehungskraft, die sieauf Krähen u. s. w. ausübt, außerordentlich viel leichtervon Menschen zu entdecken ist.
So bliebe denn dem Fuchs der Ehrenpreis in derUnterstützung der menschlichen Justiz, und zwar geradebei den allerschwersten Verbrechen. Sollte auch nur injedem Jahre durchschnittlich ein einziger Fall vorkommen,in dem er einen Mörder dem Henkerbeil überlieferte, sowäre das bei der verhältnißmäßigen Seltenheit derTödtungimmerhin eine stattliche Leistung, zumal er durch dieseThätigkeit Manchen von der Begehung einer solchen Un-that abschreckt. Vergegenwärtigt man sich, daß die vor-züglichsten Strafgesetze, die gelehrtesten und erfahrenstenRichter doch nicht das Geringste dazu beitragen können,die bisher unbekannte Thatsache eines scheußlichen Ver-brechens an das Tageslicht zu bringen, so wird man,wie wir glauben, über seine Schandthaten etwas milderdenken, besonders in Anbetracht dessen, daß er ein vor-züglicher Mäusevertilger ist. Ja, eS ist gar kein Grundzur Klage vorhanden, daß es nicht gelingt, ihn gänzlichauszurotten, wie etwa seinen Verwandten, den Wolf;
im Gegentheil, die Natur ist hier wieder einmal klügerals der Mensch, indem sie ihm unter den ungünstigstenVerhältnissen noch Lebensbedingungen verschafft hat.
Alles in allem genommen wird man also sagenkönnen, daß Meister Neinecke auf den Titel eines dertüchtigsten Hillfsbeamten der Staatsanwaltschaft mit RechtAnspruch hat, obwohl er unbesoldet ist, was übrigensbei der Justiz nicht selten vorkommen soll.
(Köln. Ztg.)
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Aus der Marienörncke.
Leiser Schauer mich erfaßte,
Ms ich auf der Brücke stand.
Die da zwischen Erd' und HimmelSchroffe Felsen kühn verband.
Drunten durch die tiefen KlüfteSchäumend der Gebirgsbach sprang,Wie ein altes, düst'res MärchenMir in's Ohr sein Rauschen klang.
Stolzes, herrliches Ncuschwanstcin,Deine Zinnen ragen kühn,
Lautlos ihren Schöpfer preisend»
Ueber Berg und Gauen hin.
Seinen kühnsten Träumen lebteDort der königliche Aar,
Und er träumt' sie weltenferne,Erdentrücket manches Jahr.
Seine mächt'gen GeistesschwingenRegte er dort wunderbar,
Bayern's Volk, wie zum VermächtnißSollst du's schauen immerdar.
Düst'rcS Märchen, traurig flüsterstDu enipor aus dunkler Kluft:„Finst'rcs Schicksal kam gegangen,Grub dem Hohen früh die Gruft."
Eine Alpenrose spät noch
An der steilen Bergwand glüht,Unerreichbar für den Wand'rerEinsam oben fie verblüht.
So verblühet, so veralühetEinsam oft ein Mcnschenherz,Einsam trägt es tief im BusenAll sein Fühlen, seinen Schmerz.
Was ich oben hier muß sinnen,Düst'res Märchen, raunest duMir auf weltenileg'ncn PfadenTrüb und melancholisch zu.
Räthsel.
Nimm einem Ungeheuer,
Was doppelt ihm gegeben,
Bin harmlos nun, im Feuer,So sagt man, kann ich leben.
Auflösung des Rösselsprungs in Nr. 73:
Arbeiten that ich auch in Schachten,
Wo ich kein Gold entkernte,
Die aber mir den Bortheil brachten,
Daß ich arbeiten lernte. (F. Nückert.)
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 74:
Weiß. Schwarz.
1. T. 63-65 T. 68 oder M-V8
(am besten)
2. D. W-bAf- K. L4-V4
3. D. §3-631- K. V4-L4
4 . §2-§3f matt.