ersten sieben Monaten nach Gründung des Missions-hauses (1885) schon 150 Kandidaten sich um Aufnahmemeldeten; zur Zeit, nachdem erst vor ein paar Monatensechs Missionäre und neun Missionsschwestcrn sich nachAfrika einschifften, zählt der Personalstand in St. Ottilien93 Frauen und 106 Männer und 35 Zöglinge, derenZahl mit Beginn des neuen Schuljahres sich mehr alsverdoppeln wird.
Im Schatten mächtiger Linden krönen das Kirchleinmit wälscher Kuvpel und das einfache Schlößlein mitGiebel- und Seitenbau den Hügel, um dessen Futz sichdie kleinen Söldnerhäuser des Weilers gruppieren. DasSchlößlein ist jetzt Seminar und soll nächstens umge-baut werden, da die Räume unzureichend sind. Imneuen Klostergebäude befinden sich die Wohnungen derPriester und Kleriker und die gemeinschaftlichen Räume I
freundlicher Genossenschaft, gern schaut man die kräftigen,sehnigen Gestalten und die zufriedenen Mienen der mithöflichem Anstaube Grüßenden, worunter drei zur Aus-bildung hier befindliche Ncgerjünglinge die munterstenGesellen sind.
„Es sind hübsche Bursche von dolichokcphalem Typus,das Deutsche in Sprache und Schrift vollkommen be-herrschend; der eine, ein Sudanese, weiß viel aus seinerbewegten Jugend zu erzählen, da er als dreijährigerKnabe auf einer Sklavenjagd geraubt wurde und das-selbe Schicksal ihn später mehrmals nach einander traf."
„Mit wehmütiger und doch stolzgehobener ErinnerungPflegen die Brüder das Gedächtnis der Märtyrer, welchein der Mission zu Pugu am 13. Januar 1889 alserste Opfer aus dem Stande des Mutterhauses die Treue! mit ihrem Blute besiegelten, und als lebenslängliches
,,, k INI!
,"ii!>««
1 sb ^ ß ö S«
>i i i«
P 8
. 18 lL
WWW
Missionshaus und Kirche K1. Ottilien bei Ennning. (Frouenklrst r)
Original-Aufnahme von Max Merz, Photograph in Diefscn am Ammerfee. lVcrvielfältigungsrccht vorbehalten )
der Brüder. Nebenan sind Ochsen- und Pferdestall,die Oekonomiegebäude und Werkstätten untergebracht.Im Ganzen zählt die Anstalt 26 Giebel. Wohlthätigtreten überall Sauberkeit und Ordnung vor Augen, die >einst ziemlich herabgckommencn Gebäude befinden sich inbestem Stande und das Gotteshaus ziert farbenprächtigerSchmuck. Trotz des modernen Anstriches erwacht un-willkürlich die Erinnerung an das alte Kloster desfrühen Mittelalters, wozu auch das Nebeneinanderbestehenvon Mannes- und Frauenkloster viel beitrügt. Inemsigem Treiben und in geschäftiger Arbeit tummeln sichim Hofe, in den Werkstätten und auf den Fluren dieKleriker im schwarzen, die Brüder im grauen Habit,sämtlich den blutroten Gürtel der Propaganda und denVollbart tragend, soweit er eben sprossen will. Mitstillem Behagen fühlt der Soldat die überall bemerk-lichen, anheimelnden Zeichen strammer Disciplin und
Andenken trägt Frater Nupert die rote Narbe der damalsempfangenen Wunde über die ganze Gesichtsscite.
„Mächtig empfindet man die kräftige Hand desSchöpfers und Leiters der -Anstalt, des IN Amrhein,eines Mannes von umfassender Bildung, imponierendemWesen und hoher Gestalt, eines Schweizers von Geburt;man fühlt, daß ein höherer, über ihm waltender Geistihn berief, die Pflanzstätte zu schaffen für die Schulungin edelster Gesittung, die ihre Wurzel senkt in dasZeichen des Christenglaubens: das Kreuz!"
Beherrscht wird der ganze Klosterkomplcx vom neuenVaterhause der Missionäre, einem großen 65 in langenund 20 in breiten dreistöckigen Bau im gothischen Style,ebenso praktisch in seiner Anlage als architektonisch schönund einfach. Die Pläne und Bauleitung wurden vonIN Amrhein selbst besorgt, der in Architektur und Mal-kunst tüchtig ist. Weitaus die meisten Bauarbeiten